Lügen für die Vorratsdatenspeicherung

5. Juni 2018

Sie schaffte es gar als Aufmacher in das heute-journal und war nur Hektik für das Thema Vorratsdatenspeicherung. Netzpolitik. org hatte schon mittags die Pressekonferenz von BKA-Chef Holger Münch und der Deutschen Kinderhilfe als Propaganda für die Vorratsdatenspeicherung entlarvt. Der Kommentar:

„Lügen für die Vorratsdatenspeicherung: BKA-Chef Münch biegt sich Zahlen zu Kinderpornografie zurecht.

Der Präsident des Bundeskriminalamts forderte heute die Vorratsdatenspeicherung und verdreht dabei Statistiken. Angeblich konnten letztes Jahr 8.400 Fälle von Kinderpornografie nicht aufgeklärt werden. Dabei gab es nur 6.512 Fälle – und die wurden zu 89,5 Prozent aufgeklärt. Ein Kommentar von Andre Meister .

Heute Mittag hat der Verein Deutsche Kinderhilfe gemeinsam mit BKA-Präsident Holger Münch eine Pressekonferenz zum Thema „Vorstellung der Zahlen kindlicher Gewaltopfer“ veranstaltet. Der Oberpolizist nahm das ernste Thema zu Anlass, mal wieder die Vorratsdatenspeicherung zu fordern – mit falschen Zahlen. Das Argument: „im vorigen Jahr hätten bei 8.400 Hinweisen auf Kinderpornografie die Ermittlungen eingestellt werden müssen“.

Die Pressekonferenz hatte den Untertitel „Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017“. Diese Statistik wurde am 8. Mai veröffentlicht. In der Pressemitteilung wird die Zahl von 8.400 mutmaßlichen Fällen aus einem FAZ-Artikel vom 6. Februar zitiert, der sich wiederum auf ein Interview Münchs mit dem ARD-Morgenmagazin bezieht. Schon dort nannte er die Zahlen und forderte die Vorratsdatenspeicherung.

Erstaunlich hohe Aufklärungsquote

Ein Blick in die Statistik zeigt: Letztes Jahr gab es 6.512 Fälle von so genannter Kinderpornografie („Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften“). Davon wurden 5.825 Fälle aufgeklärt, das sind 89,5 Prozent. Damit hat sich die Aufklärung gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent verbessert.

Damit ist die Aufklärungsquote in diesem Bereich im Verhältnis zu anderen Straftaten – glücklicherweise – ziemlich hoch. Zum Vergleich: Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Allgemeinen werden zu 79 Prozent aufgeklärt. Die Aufklärungsquote für sämtliche Straftaten liegt bei nur 57 Prozent.

Hier wird also mal wieder mit falschen Zahlen Stimmungsmache betrieben. Wie so oft bei den Themen Vorratsdatenspeicherung, Netz-Sperren und Polizeiliche Kriminalstatistik. Das ist perfide und instrumentalisiert Opfer zum zweiten Mal. Vom BKA erwarten wir gar nichts mehr, aber NGOs und Medien sollten sich nicht vor diesen Karren spannen lassen.

Die anlasslose Massenüberwachung der digitalen Kommunikation ist und bleibt höchstrichterlich unvereinbar mit Grund- und Menschenrechten.“

Mehr:

Übrigens: Die Pressekonferenz von BKW-Chef Münch erfolgte zusammen mit der Deutschen Kinderhilfe als NGO, die sich vom BKA nicht vor den Karren spannen lassen sollte? Die Deutsche Kinderhilfe? https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kinderhilfe#Debatte_um_Sperrung_von_Internetseiten

Die ist nicht vor dem Karren, die sitzt auf dem Kutschbock neben dem BKA und hält die Zügel.

Und ps: Jeder Hinweis aus den US auf eine IP-Adresse muss nach dem in Deutschland geltenden Legalitätsprinzip Eingang in die polizeiliche Kriminalitätsstatistik finden und erhäht di Fallzahl um einen (1) Fall. Jeder!

(Quelle: Netzpolitik.org/Andre Meister – Creative Commons BY-NC-SA 4.0.)

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