Eiscafé Giardino

8. April 2018

Untätigkeits-Baustelle

8. April 2018

Noch so eine Lingener Untätigkeits-Baustelle.

Gerade hat im benachbarten Meppen die Montage einer neuen Fuß- und Radwegebrücke über die Ems begonnen. Sie wird den Schullendamm mit der Innenstadt verbinden. Auch den Radtouristen des Naturparks Moor ermöglicht sie eine attraktive Flussquerung. Für den EmsRadweg  entlang des Schullendamms ergibt sich eine neue Option, Meppen zu besuchen. Das Bauwerk kostet rund 1,1 Mio Euro. Da die Brücke nicht nur in Meppen, sondern auch im Rahmen des grenzüberschreitenden Tourismus im internationalen Naturpark Moor genutzt werden kann, übernimmt die Europäische Union im Rahmen des EU-Programms INTERREG 300.000 Euro. Jeweils 60.000 Euro zahlen die niederländische Provinz Drenthe (!) und das Land Niedersachsen. Der Landkreis zahlt und die Stadt Meppen investiert mit 300.000 Euro etwa ein Viertel der Kosten in den Brückenbau.

Weshalb ich das erwähne? Seit 25 Jahren wird in Lingen über den Brückenschlag über den Dortmund-Ems-Kanal geredet, der für Radfahrer und Fußgänger den Stadtteil Reuschberge mitsamt dem neuen Emsauenpark und die Innenstadt mit Kirmesplatz und EmslandArena verbinden soll. Vor knapp acht Jahren hab ich darüber mit OB Krone gesprochen und vorgeschlagen, einen international renommierten Architekten dafür zu finden, um eine repräsentative Brücke zu bauen und keine Technokratenbrücke. Ich hab ihm auch den Namen Santiago Calatrava genannt; er dürfte ihn allerdings, wie das Projekt insgesamt, vergessen haben. In seiner Amtszeit hat sich jedenfalls nichts getan. 

Statt dessen befürwortet er anderes:
Eine Kanalbehörde in Meppen will alle Bäume zwischen neuem Hafen und der Hafeneinfahrt abholzen. Trotz geplanter Spundwand am Kanalufer sei durch die Jahrzehntalten Bäume der Kanaldamm unsicher. Mit dieser Aussage versucht sie die Anlieger im Bereich Bögen vo ihrem Plan zu überzeugen. Der scheint mir ausgesprochen fragwürdig; denn erst wenn die Bäume abgeholzt werden, ist sog. Totholz im Damm und kann zu Problemen führen. Darüber diskutieren wir in der BN-Fraktion  auf unserer wöchentlichen Sitzung morgen Abend im Rathaus. Unser BN-Chef Roman Hoffmann berichtet über seinen Besuch bei dem Osnabrücker Professor Jürgen Bouillon [mehr…] und bringt, so ist es geplant, könglichen Besuch mit… Mal sehen, was da kommt und geht.

(Foto: Prof. Dr. Jürgen Bouillon, Osnabrück, © FH Osnabrück)

Untersekunda

8. April 2018

Ab morgen stellt die „Lingener Tagespost“ in einer Reihe die Sachthemen für die Oberbürgermeisterwahlen in zwei Wochen vor. Meine Position vs Krones Position und zwar zu den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Verkehr, Soziales und Kultur. Letzteres wird bekanntlich von sehr vielen unterschätzt, ist aber wesentlich: Ohne Kultur ist alles nichts.

Die mir gewogene Leserschaft kennt inzwischen mein Oberbürgermeister-Programm (für die, die es nicht kennen: hier), und zwar spätestens nachdem ich den Seniorenverein Pinke Panther als Lila Panther tituliert hatte, an dem sich eine Fanfrau meines Mitbewerbers einen ganzen Ostersonntag „auf Facebook“ quasi hochzog; da war mir wohl statt des Lingener Seniorenvereins der LiLa-Panther-Fanclub des so formidablen Gegen-rechts-Vereins VfL Osnabrück durch den sport-affinen Kopf geflogen.

Also, es war gar nicht einfach, die von der LT-Redaktion vorgegebenen „30 Druckzeilen“ pro Thema einzuhalten, also rund 800 Zeichen. Das galt selbst, als mir LT-Chef Thomas Pertz in einer freundlichen Erinnerung Samstagfrüh ein wenig Entwarnung gab, auch mein Mitbewerber Dieter Krone habe so seine Probleme. Sie beweifeln die Schwierigkeit? Dann stellen Sie sich bitte vor: 800 Zeichen über „Wirtschaft“ in Lingen; das sind nicht einmal vier Tweets.

Was soll ich Ihnen sagen, gestern Abend war ich fertig, habe die 800 Zeichen nicht eingehalten und schrieb in meiner Übersendungsmail:

Guten Abend, Herr Pertz,

das ist so unglaublich schwierig, ihre 800-Zeichen einzuhalten, dass ich es nirgendwo ansatzweise geschafft habe.

Rufen Sie an, wenn ich selber doch noch einkürzen soll. Aber Sie können besser einen ganzen Komplex weglassen, als ihn auf wenige Worte einzugrenzen. Lingen braucht eine schlanke Verwaltung aber kein schlankes Programm.

Ich habe jedenfalls erkannt, dass es in diesen 800 Zeichen nicht geht, es sei denn, die Aussage wird so flach wie ein angelutschtes Hustenbonbon (schauen Sie mal bitte in Dieter Krones Flyer, dann verstehen Sie, was ich meine). Mein Programm enthält knapp 14.000 Zeichen und es lebt noch immer und täglich von der ständigen Diskussion und Weiterentwicklung wie ein Hefekuchen vom Saccharomyces cerevisiae. Der Stau an Problemen ist meines Erachtens so groß, dass er selbst in acht Jahren schwer zu wuppen ist.

Zum Thema „Verwaltung“ bekommen Sie von mir übrigens einen Extrapunkt, weil viele dort so unzufrieden sind, was ich zwanglos mit mangelnder Erfahrung des Amtsinhabers in Verbindung bringe. Merke: Verwaltung ist keine Untersekunda.

Die Fotos kommen sofort mit gesonderten E-Mails.

Viel Spaß und viele Grüße
Robert Koop

Sie wollen die Antwort lesen, die ich von Thomas Pertz erhielt? Die müsste er dazu erst freigeben.

(Foto: Neues Rathaus Lingen, von ©milanpaul via flickr)