Chefsache

26. März 2018

Vorgestern durfte ich auf der Mitgliederversammlung der Lingener Arbeiterwohlfahrt ein Grußwort sprechen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, auch weil ich seit 44 Jahren Mitglied der AWO bin. Hier Auszüge aus meiner Rede:

„Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Vorsitzende Iris Rösner,

bedanken möchte ich mich zunächst, dass ich zu Euch sprechen darf. Am 22. April sind die Wahlen zum Amt des Oberbürgermeisters unserer Stadt. Ich kandidiere gegen den Amtsinhaber Dieter Krone , nicht nur weil mich meine politischen Freunde innerhalb und außerhalb der unabhängigen BürgerNahen dazu aufgefordert haben. Ich kandidiere auch, weil ich dies will. Und ich will diese Wahl gewinnen,

Ich darf mich vorstellen: Ich bin 66 Jahre alt, 35 Jahre verheiratet, Vater von 5 Söhnen und stolzer Großvater von Emil und Anton und seit drei Wochen von der kleinen Anni. Von Beruf Rechtsanwalt und Notar und seit einigen Jahren ehrenamtlich im Rat der Stadt Lingen (Ems). Genau genommen seit dem 1. November 1976. Mir macht also in Sachen Lingen niemand so schnell etwas vor.

Ich lese auf Plakaten, dass mein Gegenkandidat „für ein lebenswertes Lingen“ ist, und ich habe mir die Frage gestellt, was dies konkret bedeutet, was es bedeuten muss.

Ich finde „lebenswert“ ist unsere Stadt nicht nur deshalb, weil es muntere Konzerte und spannende Handballspiele in der Emslandarena gibt, um ein Beispiel zu nennen. Lebenswert ist Lingen, wenn es den kleinen Leute gut geht. Ich weiß wahrlich, was das heißt, dass es den kleinen Leute gut geht. Ich bin – wie gesagt- Anwalt und ich bin seit fast 40 Jahren ein Anwalt der kleinen Leute, kein Anwalt von Großfirmen. Da weiß ich, was wichtig ist.

„Lebenswert“ ist Lingen auch, wenn wir Pflegeeinrichtungen in unserer Stadt haben, in denen engagierte Pflegerinnen und Pfleger für Alte da sind, mit Respekt und Zeit für den einzelnen, und wenn keiner unserer Senioren Angst haben muss, dass er dort nur aus Renditegründen versorgt wird und niemand da ist, wenn er hilflos ist und Hilfe braucht.

Ihr wisst, wovon ich rede: Der Seniorenheim-Betreiber Alloheim ist im Januar an einen Private-Equity-Investor verkauft worden. Nordic Capital aus Schweden kaufte das Düsseldorfer Unternehmen für rund 1,1 Milliarden Euro  Verkäufer war der US-Investor Carlyle, der Alloheim 2013 von Star Capital übernommen hatte.  Alloheim betreibt in Deutschland etwa 160 stationäre Pflegeeinrichtungen. Und wir müssen lesen, dass es im Lingener Alloheim drunter und drüber geht. Weil die Rendite im Mittelpunkt steht und nicht der Mensch.

Es gibt Menschen aus dem Lingener Alloheim, Beschäftigte und Angehörige von Senioren, die haben es nicht mehr ausgehalten. Einige haben resigniert, andere haben sich bei der Heimaufsicht der Stadt Lingen beschwert. Aber sie mussten erleben, wie wenig das bewirkt hat. Ich halte dies für inakzeptabel.

Pflege muss doch im Rathaus zur Chefsache gemacht werden. Der Oberbürgermeister unserer Stadt muss sich selbst um die Zustände in den Pflegeeinrichtungen der Stadt kümmern und darf die Heimaufsicht nicht an Beamte abgeben, weil er keine Zeit hat und den nächsten Pressetermin wahrnimmt und ein Foto in der Zeitung für sein Image braucht. „Chefsache Pflege“ – so hat sich der Oberbürgermeister für seine Stadt einzusetzen, damit sie lebenswert ist.

Meine Fraktionskollegin, die Ärztin Sabine Stüting, und ich werden in der Karwoche durch Einsicht in die Akten der Stadt prüfen, ob die Heimaufsicht der Stadt wirklich alles getan hat, damit die-nach allem, was wir wissen, kritikwürdigen Zustände im Alloheim sich hin zu einer Pflege ändern, die diesen Namen verdient. Akteneinsicht nehmen ehrenamtliche Ratsmitglieder dann, wenn sie Missstände aufklären und Dingen auf den Grund gehen wollen.

Noch dies: Ich finde die Lingener Arbeiterwohlfahrt bringt mit ihrem Altenclub, den es seit fast 50 Jahren gibt, vieles zur Geltung, was ich als Oberbürgermeister unbedingt unterstützen werde: Seniorinnen und Senioren verbringen ihre Zeit gemeinsam, tauschen sich aus und helfen einander und anderen. Auch wenn sie übrigens in einem Seniorenstift leben, können Seniorinnen und Senioren das tun und viel von ihren in Jahrzehnten gewonnenen, unschätzbaren Erfahrungen weitergeben, die sie  m Haushalt, im Garten oder auch bei Reparaturen gemacht haben. Warum sollte damit eigentlich Schluss sein, wenn man in ein Seniorenheim zieht?

Was mir noch wichtig ist, weil ich ja hier über kommunale Sozialpolitik spreche: Der Spielplatz des AWO-Kreisverbandes in der Neuen Heimat ist ein besonders wichtiges Projekt in unserer Stadt. Ich habe ihn in den 1980er Jahren gemeinsam mit der unvergessenen Ruth West auf den Weg gebracht. Nicht nur deshalb habe ich es sehr bedauert, dass CDU und leider, leider auch die SPD bei den letzten städtischen Haushaltsberatungen den Antrag der Grünen abgelehnt haben, den jährlichen Zuschuss für diese wichtige Einrichtung in einem sozialen Brenpunkt unserer Stadt um 10.000 Euro zu erhöhen. Geld, das in die Integration und die Prävention geflossen wäre. Grüne, FDP und unsere BN hatten der Erhöhung zugestimmt. Leider waren wir zu wenig.

Ein letzter Satz:
Ich bitte Sie, am 22. April Ihre Stimme abzugeben. Vielleicht sogar für mich. Sozusagen von AWO-Mitglied zu AWO-Mitglied, Ich bin nämlich seit meinen Studienzeiten 1974 in der AWO. Und erstmals ein Oberbürgermeister, der Mitglied der Arbeiterwoflfahrt ist, das wäre doch eine gute Entwicklung für eine lebenswerte Stadt.“

3 Antworten to “Chefsache”

  1. Paul Golnat said

    💪👍ohne sprechen. Danke und Respekt.

  2. Jörn Laue-Weltring said

    Jau!!!

  3. Laura Merchel said

    Die Stadtverwaltung gehört aufgemischt und du bist der richtige Mann für den Job. Du nennst die Dinge konkret beim Namen und traust dich auch mal Sachen zu sagen, die vielleicht nicht jedem schmecken. Aber genau diese Eigenschaft macht dich glaubwürdig.

    Was mich besonders an Dieter Krone stört, ist die Tatsache, dass ich in einem Artikel der LT (vom 23.11.2017) zu der Frage „Was steht für die nächste Amtszeit auf Ihrer Agenda?“ lediglich lese, dass Krone „Lingen zum bedeutendsten Wirtschafts- und Kulturzentrum der Region, also – als Oberzentrum, machen wird.“ Was soll ich mir als Bürger jetzt darunter vorstellen? Als Laie in der Politik kann ich mir doch so kein konkretes Bild davon machen, was denn tatsächlich in den nächsten Jahren in Lingen passieren soll.

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