Apfel kann keine Birne sein

26. Februar 2018

„Bernd-Rosemeyer-Stiftung“ – unter diesem Namen finden seit 2013 in Lingen Veranstaltungen, Events und Oldtimer-Rennen statt. Dahinter stehen der Lingener Kaufmann Heinrich Liesen und der Sohn des während der NS-Zeit erfolgreichen Rennfahrers, Prof. Bernd Rosemeyer junior. Doch gibt es diese Stiftung überhaupt?

Diese Fragen stellt sich besonders, nachdem Liesen nun auch noch ein „Museum“ zu Ehren des 1938 bei einem Rekordversuch ums Leben gekommenen, aus Lingen stammenden Rennfahrers (Foto unten: Rosemeyer als Motorradrennfahrer 1932) einrichten will. Hiergegen regt sich ernst zu nehmender Widerstand, war doch der wackere Auto-Union-Pilot auch Mitglied der SS im Range eines Hauptsturmführers – nach eigenem Bekunden seit 1932 SS-Mitglied. Und nicht nur das: Rosemeyer fungierte als williges Propaganda-Sprachrohr für das Hitler-Regime.

Die Bernd-Rosemeyer-Stiftung wurde im Juni 2013 in einem Lingener Renommier-Hotel aus der Taufe gehoben. Auch der Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone nahm an der Gründungsversammlung teil – rein passiv wie er zuletzt in der vergangenen Woche in den Ratsgremien bekundete. In einer Stellungnahme erklärte Krone jetzt: „Ob allerdings die Stiftung tatsächlich gegründet worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis.“

Und in der Tat: Nachforschungen des Lingener Autors Christoph Frilling ergaben, dass eine solche Stiftung nicht existent ist. Im Weser-Ems-Stiftungsverzeichnis in Oldenburg  ist sie nicht eingetragen. In den amtlichen Stiftungsregistern in Berlin und in Bayern auch nicht. Dabei hatte Heinrich Liesen schon 2013 in einem Radio-Interview und vor der Lokalpresse verkündet, „behinderte Sportler“ und „alleinerziehende Mütter“ aus Mitteln der Stiftung finanziell zu fördern.Ob daraus etwas wurde, ist nicht bekannt.

Die „Bernd-Rosemeyer-Stiftung“ prangte allerdings schon 2014 auf großen Transparenten mit dem Konterfei des toten Rennfahrer-Helden am Haus Marienstraße 1 in der Lingener Innenstadt. 2015 wurde eine „Rosemeyer Oldtimer Rallye“ unter dem Namen der „Stiftung“ angekündigt, unterzeichnet von Heinrich Liesen und Bernd Rosemeyer junior. Bei den lokalen  Rallyes wurde ebenfalls ein großflächiges Transparent mit der Aufschrift „Bernd-Rosemeyer-Stiftung e.V“ verwendet. Das ist schwerlich möglich, weil ein e.V., also ein eingetragener Verein, keine Stiftung sein kann, die Rechtsformen schließen einander aus; ein Apfel kann eben auch keine Birne sein. Im Vereinsregister des Amtsgerichts Osnabrück ist denn auch ein Verein solchen namens nicht eingetragen. Damit gerät die Initiative Liesens auch ins juristische Zwielicht. Sein Museums-Projekt war im vergangenen Frühjahr vom lokalen „Forum Juden – Christen“ und von de Gremien der Stadt Lingen (Ems) abgelehnt worden.

(Ein Beitrag von Jonas Johannsen mit Material von Christoph Frilling)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.