Propaganda

30. Januar 2018

Der Lingener Autor Christoph Frilling hat sich bereits wiederholt gegen ein Rosemeyer-Museum in der von Kaufmann Heinrich Liesen geplanten Form ausgesprochen. Er schreibt:

Die NS-Propaganda setzte Rosemeyer als eines ihrer „Leitbilder“ und „Vorbilder“ ein, die auch im Emsland als identitätsstiftende Trümpfe ausgespielt wurden.

Rosemeyer ließ sich bereitwillig von der NS-Propaganda vereinnahmen. Die Instrumentalisierung des Sports für politische bzw. ökonomische Zwecke war nicht neu, und sie gibt es natürlich auch heute noch.

Museen und Ausstellungen, die von Rosemeyer-Anhängern befürwortet werden, sind grundsätzlich fragwürdig. Wenn sie überhaupt realisiert werden, so müssen sie die Mechanismen und die Logik dieser Propaganda deutlich und durchschaubar machen, um zu verhindern, dass die Menschen erneut auf die gleichen Mechanismen hereinfallen. Museen dürfen keine Fortrführung dieser Propaganda stützen.

Erinnerungskultur ist eine Art des kollektiven Gedächtnisses einer Gesellschaft; sie zeigt den spezifischen Umgang einer Gesellschaft mit der Vergangenheit. Sie darf sich nicht auf die Präsentation technischer Errungenschaften beschränken, die von der Gesellschaft, die sie hervorbringt, losgelöst werden. Die Erinnerung muss zu einem Stoff des Nachdenkens weiterentwickelt werden. Sie darf nicht missbraucht werden, um einen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen und den „weichen Schleier der Nostalgie“ über die Phasen der Vergangenheit zu leben, die als unangenehm empfunden werden. Dies würde notwendig zur Präsentation von „Erinnerungskitsch“ führen.

Solche Museen beanspruchen meistens eine Deutungsoffenheit, bieten also verschiedene Interpretationsmöglichkeiten. Die in ihnen präsentierten Exponate mit der ihnen innewohnenden ästhetische Qualität können für viele Rezipienten auch in der Gegenwart noch attraktiv (und dadurch verharmlosend) wirken.

Diese Museen laufen so Gefahr, für die Besucher die Option offenzuhalten, das NS-Regime so zu sehen, wie es gesehen werden wollte.

 

Negativzinsen

30. Januar 2018

Auch wenn die Zinsen gegen Null gehen, unter diese Marke fallen dürfen sie nicht. Zumindest nicht bei laufenden Geldanlagen. Das Landgericht Tübingen untersagt es deshalb der Volksbank Reutlingen, mittels einseitig geänderter Geschäftsbedingungen ihre Kunden mit Negativzinsen zu belegen.

Die Volksbank Reutlingen hatte ihren Kunden per Preisaushang mitgeteilt, dass für bestimmte Angebote künftig negative Zinsen fällig seien. Sie begründete ihr Verhalten wie folgt: „Dies geschieht, um die mittlerweile anfallenden Kosten für die Annahme und Verwahrung großer Guthaben nicht auf alle Kunden umzulegen.“ Minuszinsen würden beim Tagesgeld bereits ab 10.000 Euro und bei Termin- und Kündigungsgeld ab 25.000 Euro fällig werden.

Hiergegen klagte die Verbraucherzentrale (Hintergründe) – erfolgreich. Über das Kleingedruckte können nach Auffassung des Gerichts keine Negativzinsen erhoben werden. Die Richter begründen das nachvollziehbar mit dem Hinweis, dass der Vertrag über eine Geldanlage nicht in etwas völlig anderes verwandelt werden dürfe. Nämlich einen Verwahrungsvertrag, der noch dazu kostenpflichtig ist (Landgericht Tübingen, 4 O 187/17).

(Quelle: LawBlog;
Hier mehr über den Musterprozess von der Verbraucherzentrale Baden-Württmberg)