Mütter zweiter Klasse

20. Januar 2018

In Osnabrück wehren sich Adoptivmütter dagegen, dass sie keine Mütterrente bekommen. Ihre Kinder waren schon zu alt, als sie in die Familien kamen: Es sind „Mütter zweiter Klasse“ titelt Andrea Scharpen in der taz und informiert über die „Diskriminierung bei der Mütterrente“:

Gerade aus dem Kinderheim in die neue Familie gekommen, schlug die Tochter von Helga Bausch* immer wieder mit dem Kopf auf den Boden und weinte. „Sie hatte einen Trotzkopf“, sagt Bausch. Anders konnte sich das damals 14 Monate alte Mädchen noch nicht äußern. Die Familie, die sie adoptiert hatte, war fremd für sie, die ganze Umgebung ungewohnt.

„Ich hatte damals viele Schwierigkeiten mit meinen Kindern“, sagt Bausch, die auch ihren Sohn adoptiert hat, über die 70er-Jahre. Bereut hat die heute 77-Jährige die Adop­tionen nicht, zu beiden Kindern hat sie ein enges Verhältnis. Aber es ärgert sie, dass der Staat ihre Erziehungsleistung nicht anerkennt – mit der sogenannten Mütterrente. Den zusätzlichen Rentenpunkt, also einen Aufschlag auf die monatliche Rente…

Die Osnabrückerin ist mit ihrem Frust nicht allein. Laut dem Bundesverband der Pflege- und Adop­tivfamilien werden durch die Stichtagsregelung bundesweit rund 40.000 Mütter benachteiligt. Das habe eine Hochrechnung der Adoptionszahlen des Statistischen Bundesamtes ergeben, heißt es auf der Website des Vereins.

In Osnabrück haben sich rund 20 Betroffene zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen. Die Frauen wollen die Benachteiligung nicht einfach hinnehmen. Bausch ist mit ihrem Fall schon vor das Sozialgericht in Osnabrück gezogen – und hat verloren.

[…weiter bei der taz]
[mehr in der NOZ]


MÜTTERRENTE

Die sogenannte Mütterrente beinhaltet, dass Müttern und vereinzelt auch Vätern, die vor 1992 Eltern geworden sind, ein zweites Jahr als Erziehungszeit auf die Rente angerechnet wird.

Dies entspricht einem sogenannten Rentenpunkt. Brutto beträgt die Mütterrente in Westdeutschland zzt. monatlich 30,45 Euro, in Ostdeutschland sind es 28,66 Euro.

Der Rentenzuschlag steht demjenigen zu, der ein Kind in seinem „12. Kalendermonat“ betreut hat.

Wenn ein Kind mit 13 Monaten adoptiert wurde und zuvor bei seiner leiblichen Mutter gelebt hat, erhält diese den Rentenzuschuss, nicht die Adoptivmutter.


Das Foto von FreshFree zeigt das Fachgerichtszentrum in der Osnabrü+ck Hakenstraße, CC 4.0 )