auf Angriff

5. Januar 2018

Jeder, der sich mit Verschwörungstheorien, Fake News und den dahinter liegenden Funktionsweisen und Logiken beschäftigt, sollte dieses Video sehen. Offen und ehrlich erzählt Richard Gutjahr bei der TedX Marrakesh, wie er, seine Frau und seine Tochter in das Visier von rechten Trollen, Netz-Pöblern und Verschwörungstheoretikern gerieten, was das mit ihm gemacht hat, wie seine Existenz bedroht wurde und wie er sich wieder aus der Depression befreite: Indem er ohne Gnade auf Angriff schaltete.

Auf der TEDxMarrakesh im marokkanischen Marrakesch liefert Gutjahr einen sehr klaren, teilweise sehr traurigen und frustrierten, aber auch sehr kämpferischen Einblick in sein Leben seit dem Anschlag von Nizza. Seit diesem Tag ist das Leben des Social-Media-Stars und Moderators des Bayerischen Rundfunks nicht mehr dasselbe.

Vom Balkon seines Hotels aus hatte er am 14. Juli 2016 durch Zufall den Laster gefilmt, der auf der Promenade des Anglais 86 Menschen zu Tode fuhr. Wenige Tage später war der Journalist des Bayerischen Rundfunks in München vor Ort, als ein Amokläufer im Olympia-Einkaufszentrum zehn Menschen tötete. Und dann ging’s los.

Leider nicht in deutscher Sprache, aber es lohnt unbedingt.

Gztjahrs Konter-Strategie und die Lehren, die er daraus gezogen hat, beschreibt er in elf Punkten:

  1. Gutjahr nahm sich zwei Anwälte und sitzt seitdem allen Kritikern und auch Facebook und Google heftig im Nacken. „Seitdem fühle ich mich wieder lebendig“.
  2. Man muss immer in Alarmbereitschaft sein. Denn jeder, der im Netz aktiv ist, kann Opfer einer Verschwörungstheorie werden. „Im Netz sind wir alle Celebrities und sind alle denselben Gefahren ausgesetzt“.
  3. Erwarte das Schlechteste von den anderen Menschen.
  4. Aber verliere nicht den Glauben an die Menschen.
  5. Erwarte nicht, dass die Kavallerie kommt, um dich zu retten. Damit meint Gutjahr: Dein Arbeitgeber wird Dir im Zweifel nicht helfen, auch wenn man selbst so viel Zeit und Kraft in den Job gesteckt hat.
  6. Suche neue Alliierte. So halfen Gutjahr letztendlich die Gerichte, Anwälte, Polizisten und Versicherungskonzerne.
  7. Sei immer vorbereitet. Denn wenn es hart auf hart kommt, hat man keine Zeit mehr, beispielsweise noch einen guten Medienanwalt zu suchen.
  8. Zeige keine Gnade. Gutjahr empfiehlt die Meinungsführer zu identifizieren und gegen diese mit aller Härte vorzugehen: „hart, schnell und mit allem, was Du hast.“
  9. Sei geduldig. Gerichtsprozesse brauchen ihre Zeit.
  10. Suche Deine Gegner weise aus. Je reicher sie sind, desto besser. Sie haben mehr zu verlieren und die eigenen Anwälte können auch für sich einen größeren Anteil rausschlagen.
  11. Es ist nicht Deine Schuld.
  12. Zum Abschluss seines Vortrages bittet Gutjahr alle darum, nicht zu schweigen, sondern immer gegen Verunglimpfung das Wort zu erheben. Dazu zitiert er Martin Luther King: „Am Ende wird man sich nicht an die Worte seiner Gegner erinnern, sonder an das Schweigen der Freunde.“

Ich finde Richard Gutjahr unglaublich überzeugend und er verdient jeden Respekt, den es gibt.

(Quelle: meedia.de)

Eine Antwort to “auf Angriff”

  1. b.f. said

    Das geht unter die Haut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s