Achim Reichel

3. November 2017

Jetzt hat die taz Achim Reichel interviewt. Der deutsche Ur-Rocker (Foto unten, schon etwas älter) ist mittlerweile 73 Jahre alt und zeigte, dass er nichts verlernt hat.

taz: Herr Reichel, Ihre neue Box „The Art Of German Psychedelic“ enthält Ihre Studioalben von 1971 bis 1974 auf fünf CDs, dazu gibt es weitere CDs mit unveröffentlichter instrumentaler Musik. Wer soll das alles hören?
Na die, die das wollen. Die Fans sind dafür verantwortlich, dass es die Box überhaupt gibt. Noch vor zehn Jahren dachte ich: Das darf nie wieder irgendwo erscheinen, das muss in meinem Archiv bleiben. Ein Fan schrieb mir, man habe ihm gesagt, er könne jedes Achim-Reichel-Album blind kaufen. Er habe sich dann mein experimentelles 1971er-Album „Die grüne Reise“ geholt. Sein Kommentar: „So einen Scheiß habe ich noch nie gehört.“
Warum also ausgerechnet jetzt diese Musik veröffentlichen, die einige Ihrer Anhänger offenbar verstört hat?
Ich bin jetzt 73, da räumt man ein bisschen auf. Und mit dem A.R.-&-Machines-Zeug hatte ich noch eine Rechnung offen. Außerdem kamen, nachdem ich eine Website eingerichtet hatte, regelmäßig E-Mails von überall her, aus Spanien, Italien oder auch aus England. Immer mehr Leute interessierten sich wieder für meine Musik von damals. Und dann kam die Anfrage, eine Box mit der alten Musik zu machen. Aus heutiger Sicht muss man sagen: Ich war damit zu früh dran. Für das Prädikat, ein Pionier der Loop-Technik zu sein, kann ich mir nichts kaufen. Für heutige Ohren ist das vertrauter, früher gab es dafür weder eine Genre-Beschreibung noch einen Markt.
Sie haben A.R. & Machines im September sogar in die Hamburger Elbphilharmonie gebracht.
Nach meiner letzten Tournee dachte ich schon: Jetzt kannst du das Ganze so langsam ausblenden. Ich mag es nicht, wie heute in dem Business gedacht wird, da geht es nur um Klicks und Quote. Und dann traf ich zufällig den Konzertveranstalter Karsten Jahnke. Er hat schon vor 45 Jahren meine Konzerte gebucht, also spielte ich ihm Musik aus der Box vor. Er war begeistert und fragte dann allen Ernstes, ob ich damit nicht in der Elbphilharmonie auftreten wolle. Ich dachte, vielleicht gehen die Leute nach ein paar Minuten, weil sie nur wegen des Gebäudes da sind. Aber nein! Es rief auch keiner: „Wann singste denn endlich?“ Es gab sogar welche, die alte A.R.-&-Machines-Transparente über die Balustraden gehängt hatten. Es gab Standing Ovations! Ich dachte, mich küsst der Himmel.
Diese Musik, die man heute vielleicht als Proto-Techno bezeichnen würde, basiert auf Experimenten, die Sie 1970 mit Ihrem damals neuen Bandgerät Akai X-330D durchführten.
Ich wollte eigentlich nur…

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