Mit Ankündigung

1. November 2017

Apropos Stadtmarketing: Lange Jahre hat’s gedauert, bis in Lingen der Städtische Bauhof sonn- und feiertags diejenigen Hinterlassenschaften wegräumte, die in der Lingener Kneipenszene von den Feiernden zurückgeblieben waren. Seit einigen Jahren geht es so, dass die Kehrmaschine morgens etwa ab halb Sieben durch’s Zentrum heult und die Mülleimer werden geleert. Damit auch alles, was sie verbergen, auf dem kommunalen Pritschenwagen landet, wird dabei jeder metallene Müllbehälter zunächst klötternd ausgekippt und dann zwei Mal mit lautem „Klong-Klong“ auf den Pritschenboden geschlagen. So soll der letzte Rest aus dem Behältnis auf die Ladefläche fliegen. Ich verrate Ihnen, das ist ein ausgesprochen dynamisches Morgengeräusch, das die persönlich-individuelle Teilhabe an diesem Entleerungsvorgang sichert. Außerdem fragt man sich im Halbschlaf, wo eigentlich tagsüber die ganzen Mülleimer sind, die auf diese lärmspezifisch-rücksichtslose Art und Weise am frühen Sonntagmorgen klong-klong geleert werden. In der Schlachterstraße jedenfalls nicht, dort sind die meisten klammheimlich abgebaut.

Gestern ab 6.40 Uhr war dies einmal mehr genauso und das erfreute mein Gehör wie mein Herz eher nicht; denn das Wesentliche ließ der Bauhof bratzig liegen: Der Papiermüll, den die Meppener Firma Augustin nicht abfuhr, weil 500-Jahre-Reformation-Feiertag war. Später bekamen wir Besuch und Fotos, die die behördliche Bratzigkeit eindrücklich bestätigen. Dabei erfolgte diese Untätigkeit in der Stadt mit Ansage. Lingener Twitternutzer erinnern sich an die vorgestrige Ankündigung bei Twitter. Die Wette der aufmüpfigen Twitter-Chronisten „Lingen_Fehler“  lautete:

Was soll ich sagen: @Lingen_Fehler hat die Wette gewonnen! Obwohl ich und andere über den Missstand nach dem 3. Oktober getwittert haben, als der Papierdreck (Foto oben) auch eine Woche später -Augustin sei Dank – noch in Lingens Zentrum herumflog und obwohl
ich das vergangene          Woche im Verwaltungsausschuss unserer Stadt angesprochen und kritisiert hatte und OB Krone daraufhin gutherzig erklärte, das werde sich nicht wiederholen, sah es am gestrigen Reformationstag rund ums Rathaus ganztags so aus, wie es auf den Fotos links zu sehen ist. Sozusagen: Papierdreck mit Ankündigung.

Wir erkennen, dass manche in ihrer Ignoranz den Schuss nicht gehört haben und die meisten nicht nachdenken.

Trotz Feiertag abgestellt werden die Papierberge nämlich von Betriebsinhabern, die als Zugewanderte mit bundesdeutschen Feiertagen nicht viel anfangen können, weil es ihnen niemand sagt. Vorsätzlich liegen gelassen werden die Papierberge vom Städt. Bauhof, der sich mit frühmorgendlichem Klong-Klong-Mülleimerleeren an Feiertagen begnügt und sich im wahrsten Sinne einen Dreck um die neapolitanischen Papierberge kümmert.

Auf den Arm genommen fühle ich mich, weil ich mich auf die Aussage des OB verlassen habe. Das alles interessiert offenbar nicht, obwohl es Stadtmarketing der dumm-negativen Art ist.

ps
Wenn die SPD ihr Bundestags-Wahlplakat für Frau de Ridder (Foto oben) nicht endlich abnimmt, mach ich das und klebe es eigenhändig an das SPD-Büro in der Castellstraße. 

3 Antworten to “Mit Ankündigung”

  1. Hans Brinck, Davos Platz (Schweiz) said

    Gewiss gibt die Lagerung von Abfällen auf den Strassen und deren Nichtabfuhr an Feiertagen zu Reklamationen Anlass. Auch das Heulen der Kehrmaschinen und das Klappern der Mülltonnen ist nicht für jedermanns Ohren angenehm. Es hat aber in der Vergangenheit bei der Lingener Müllabfuhr noch schlimmere
    Sachen gegeben. Ich lasse hier einen Auszug aus meinen Jugenderinnerungen (aus den 1930er Jahren) folgen:

    „Ein täglicher Gast vor unserem Haus war der Milchmann mit Namen Schonhoff. Mit seinem Pferdegespann klapperte er von Haus zu Haus und machte mit Glockengeläut auf sich aufmerksam. Den Familien lieferte er frische Milch, Sahne, Butter usw. Er war zu den Hausfrauen sehr freundlich, plauderte gern mit ihnen und war sehr beliebt.

    Das Gegenteil davon war die Müllabfuhr, die ein- bis zweimal in der Woche die Anwohner der Schwedenschanze „heimsuchte“. Der von der Stadt Lingen damit beauftragte Unternehmer (er hieß „Gast“, war aber kein gern gesehener Gast!) hatte als Transportmittel für die angefallenen Abfälle nur einen offenen Wagen, auf den er den von den Anwohnern gesammelten Müll kippte. Neben dem unangenehmen Geruch (Gestank) war es auch eine sehr staubige Angelegenheit. Die trockene Asche aus den Kohleöfen wirbelte dabei hoch und verteilte sich bei dieser Art der Abfuhr beim kleinsten Luftzug in der Umgebung, wirklich eine Umweltverschmutzung der übelsten Sorte! Wir haben wegen dieser Schweinerei nur selten Müll an den Straßenrand gestellt. Unser Recycling-System klappte damals schon gut. Was von den Küchenabfällen die Schweine nicht fraßen, landete auf dem Misthaufen. Die Asche wurde gesammelt, um damit im Winter bei Schnee und Glatteis etwas zum Streuen des Fußweges zu haben. Der Restmüll wurde gelegentlich verbrannt. Somit wurde aller Abfall von uns artgerecht entsorgt.

    So sah die Straßenreinigung an der Schwedenschanze um die Jahrhundertwende aus:

    Eine von der Gemeinde durchgeführte Straßenreinigung gab es für die Schwedenschanze nicht. Die Anlieger sollten laut Ortsstatut diese Aufgabe selbst übernehmen. Einmal in der Woche musste die Straße vom Schmutz befreit werden. Wenn Pferde ihre „Äpfel“ auf unserem Straßenabschnitt fallengelassen hatten, wurden diese schon vorher mit einem Kehrblech aufgelesen und als willkommener Dünger in den Garten gebracht. Weiterer Schmutz fiel selten an, und wenn, dann wurde er meist durch einen Regenschauer von der Straße gespült. So war die Reinigung keine allzu große Aufgabe für uns. Jeder Samstag brachte als ein Tag des Großreinemachens viel Arbeit mit sich. Neben der Straße musste der unbefestigte Fußweg gefegt oder geharkt werden, was bei der Länge unseres Grundstücks sehr zeitaufwendig war. Dazu kam im Winter das Schneeräumen und das Streuen, was für uns als Grundstückseigentümer keine zu vernachlässigende Tätigkeit sein durfte. Mutter war immer froh, wenn der in der Nacht gefallene Schnee im Laufe des Vormittages schnell getaut war, denn dann erübrigte sich das staubige Verteilen der Asche auf dem Gehweg.“

    Das sind also meine Erinnerungen. Da ist die heutige Situation doch schon eine wesentliche Verbesserung! Vor allem sind meiner Meinung nach die „Gerausche“ statt der geschilderten „Gerücjhe“ besser zu ertragen. Das Heulen der Kehrmaschinen und das Klappern der Mülltonnen ergeben zusammen mit dem Zwitschern der Vögel doch ein schönes Morgenkonzert!

    • Matthis said

      Dann können Sie sich ja bestimmt noch an die Entdeckung des Penicillins im gleichen Zeitraum erinnern. War auch ein toller Fortschritt, dass nicht jeder an einem banalen Infekt starb.

  2. H. Ganike said

    Leider wird die Stadtverwaltung statt mit Lösungen am Ende mit Verboten reagieren und die Verkaufsmannschaft in Lingen damit weiter drangsalieren. Diese werden dann sauer sein, auf den Blogbetreiber. „Mit Ankündigung“.

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