Lingens „Antwort“

26. August 2017

Kritisch kommentiert jetzt das regionale Fußballportal KEI-FUSSBALL die aktuelle Entwicklung im Lingener Fußballsport. Hier präsentierte sich Anfang der Woche ein selbsternanntes  „Visionsteam“ des SV Olympia Laxten, das seine Visionen Anfang der Woche im Rathaus einem handverlesenen journalistischen Kreis vorstellte. Andere Stadtvereine fehlten und der OB spendete brav Beifall und kündigte -ohne jede Beratung in den kommunalen Gremien an- die Stadt werde das Projekt „im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen“. KEI schreibt:

„Vision 2020“ unter Olympia Laxtens Federführung
Für einen „FC Lingen“ hat es nie gereicht, obwohl etwaige Mäzene mehrfach konkrete Vieraugengespräche führten. Doch der Traum nach höherklassigen Fußball scheint im Rathaus nicht ausgeträumt, so dass man jetzt in der Jugend einen Sonderweg einschlägt. Ein Modell, das für einige Verwunderung sorgen dürfte.

Nach Planungen im Rathaus und eines „Visionsteams“ heißt das unausgesprochene Zauberwort: „Auswahlmannschaft“. Konkret: Aussichtsreiche Lingener U15, U17 und U19 Talente sollen zu den ranghöchsten Teams der Laxtener wechseln. Vollmundig verspricht man in Laxten eine gute Ausbildung und überhaupt würden auch die abgebenden Vereine profitieren. Satzbausteine, die aus jedem Infotext eines Jugendleistungszentrums kopiert werden können.

Viel wurde erwartet, doch der Laxtener Vorschlag ist eine „Light Version“. Nachdem sich die Lingener Stadtclubs -wie erwartet- nicht auf einen Jugendförderverein (eine Spielgemeinschaft ist nach den NFV Statuten nicht mehr möglich) einigen konnten, ziehen die Verantwortlichen also eine „Vision 2020“ aus dem Hut. Wofür das „2020“ steht oder was man bis in drei Jahren erreichen will, bleibt offen. Man wolle den Fußball in Lingen „nachhaltig“ stärken und Landesliga-Fußball in der Jugend etablieren. Und das ganz ohne dem Jugendleistungszentrum in Meppen Konkurrenz zu machen oder den Lingener Nachbarvereinen zu schaden. Aber genau das bringt dieses Konstrukt.

Geht es nach den Planern entsteht in Lingen gar ein Zentrum des Jugendfußballs. Zwei Bullis und neue Trikots stehen ebenfalls parat. Niemand käme „für die Bank“ und eine Rückkehr zum Heimatclub sei jederzeit möglich. Ausgewiesener Unsinn, wenn man einen Blick auf Kadergrößen und NFV Reglement, das einen Wechsel nur in den Transferperioden erlaubt, wirft. Und überhaupt erinnert das alles an das, was rund um die Jahrtausendwende und davor im Emslandstadion beim TuS Lingen praktiziert wurde. Auch da wechselten -angelockt von Versprechungen- die Besten zum TuS, wurden mit Bullis abgeholt und kickten auf hohem Niveau. Wohin das führte, sieht man heute. Oder eben nicht mehr.

Neben Laxten stellen Biene und Altenlingen die ranghöchsten Jugendteams der Stadt. Der Landes- und Bezirksligist verständigten sich erst vor zwei Jahren auf eine Zusammenarbeit in der Jugend und gründeten -auch gegen Widerstände- eine Spielgemeinschaft. Mit viel Mühe und Engagement schaffte man den Sprung auf die Bezirksebene. Wenn nun die allerbesten Spieler zum Jugendleistungszentrum wechseln und die „zweite Reihe“ zu Olympia Laxten geht, dürfte die Klasse für die JSG Altenlingen/Biene mittelfristig nicht zu halten sein. Doch genau das ist Rückgrat der kleinen Lingener Clubs. Die Tatsache, dass die eigenen Jugendspieler -gemeint sind hier die Nummer 5 bis 20- auch die Möglichkeit haben schon in der Jugend „Bezirksliga-Luft“ zu atmen, macht den Unterschied. Der einzige Gewinner der „Vision 2020“ wird also wohl die Olympia sein.

KEI meint:
Mogelpackung! Diese Vision ist kein Konzept, sondern eine halb gare Lösung. Dass die besten Spieler der Region im Meppener Leistungszentrum trainieren, liegt auf der Hand. Wenn Lingen im Kielwasser seine Jungs fördern will, dann nur zusammen in einem transparenten Förderverein.

 

(Foto: Pixabay)