Mit allen Sinnen
Eine Raumexpedition

Wandellesung mit
Katrin Fröhlich und
Jakob Neubauer (Akkordeon)

Lingen (Ems) – Kunst-Halle IV, Kaiserstr. 10a
Samstag, 8. Sept. – 19.30 Uhr
Karten: 15 Euro, ermäßigt ab 9 Euro 

In einer Woche eröffnet das 12. Literaturfest Niedersachsen. Intendantin Susanne Mamzed schreibt: „Ich freue mich bereits darauf, mit Ihnen neue Räume zu entdecken und mit Hilfe der Fantasie zu erobern. Vom Renaissance-Schloss über die Kunsthalle, vom Fort bis hin zur Polizeiakademie erwarten uns ganz unterschiedliche Räume, die wir mit allen Sinnen erleben wollen.“ Es ist die Lingener Kunsthalle , auf die Susanne Mamzed hinweist.

Die Wandellesung dort verspricht, einmal auf den Spuren von „Alice im Wunderland“ zu wandeln: Sie fällt und fällt und fällt. Und landet schließlich in einem dunklen Gang auf einem Haufen aus trockenem Laub und Reisig. Alice Weg ins Wunderland führt sie geradewegs durch den Kaninchenbau – und da ist ihre ganze Welt verwandelt, alle Sinneswahrnehmungen und alles Körpergefühl sind verwirrend anders, der scheinbar sichere Raum verschiebt sich.

Ausgehend von Lewis Carrolls Meisterwerk und seinem weniger bekannten Nachfolger „Alice hinter den Spiegeln“ stehen bei dieser Wandellesung die akustischen, visuellen und körperlichen Erfahrungen des Raumes im Mittelpunkt: Mal wird in Dunkelheit gelesen, mal vor Kunstwerken, die die Besucher „erwandern“ können. In der Stille kann selbst gelesen werden, dann wieder begleitet Musik die Lesung. Katrin Fröhlich, die deutsche Synchronstimme von Cameron Diaz und Gwyneth Paltrow, und Akkordeonist Jakob Neubauer begleiten die Gäste auf den jeweils 30-minütigen Raumexpeditionen.

In der Kunsthalle Lingen  treffen sich die Gäste mit dem verrückten Hutmacher zum Fünf-Uhr-Tee, spielen mit der Herzkönigin Croquet oder erkunden die Welt hinter den Spiegeln…

Programmheft des 12. Literaturfest Niedersachsen


Spielstätte
ist die Kunsthalle des Kunstvereins Lingen , Kaiserstr. 10a, 49809 Lingen (Ems).
Der Kunstverein Lingen wurde 1983 gegründet. Von 1983 bis 1997 wurden Einzel- und Gruppenausstellungen regionaler, nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler im Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe präsentiert. Seit 35 Jahren vergibt der Kunstverein den Lingener Kunstpreis, dessen Ziel es ist, jüngere Maler und Malerinnen zu fördern und den Menschen der Region an Ems und Vechte damit aktuelle Kunst nahe zu bringen.
1997 konnte die vom Kunstverein initiierte Kunsthalle in der Halle IV des früheren Eisenbahnausbesserungswerks  in Betrieb genommen werden. Die bildende Kunst der Gegenwart zu fördern, die sich mit aktuellen Fragen der jeweiligen Zeit auseinandersetzt – diesem Anspruch folgt der Bildungsauftrag der Kunsthalle Lingen bis heute. Die Einbeziehung von Kulturproduzenten aus verschiedenen Bereichen fördert den interdisziplinären Austausch und etabliert die Lingener Kunsthalle als offenes Forum für Diskussionen unterschiedlicher Ansätze.

TRACKS

30. August 2017

„Eine unserer absoluten Lieblingssendungen, ja wenn nicht sogar die Lieblingssendung, TRACKS feiert 2017 ihr 20 jähriges Jubiläum. Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten strahlt Arte wöchentlich eine Folge der Sendung für „Musik, Pop- und Gegenkultur“, wie sie ihre Sendung selbst untertiteln, aus. Dabei haben wir in den vielen Jahren, in denen wir TRACKS schon gucken, immer wieder Künstler und Themen gesehen, über die wir selber schon hier auf dem Blog berichtet haben und wir haben viele neue, spannenden Künstler entdeckt.

Anlässlich des Geburtstages strahlt Arte zwischen dem 8. und 23. September drei Jubiläums-Folgen mit einer Länge von jeweils einer Dreiviertelstunde aus. Und zur Feier des Tages kommt hier die allererste Folge TRACKS, die vor 20 Jahren, genau im Januar 1997 auf Arte öffentlich im Fernsehen ausgestrahlt wurde.“ (Quelle: urbanshit)

Gastropoda

29. August 2017

Noch mehr proppere Parteienspots zur Bundestagswahl 2017:

Nach SPD und CDU haben nun auch die Grünen ihren TV-Spot zur Bundestagswahl 2017 (oben) präsentiert. Das flotte Commercial, das die eigens für die Wahlwerbung der Grünen gegründete Agentur Ziemlich Beste Antworten kreiert hat, unterscheidet sich deutlich von früheren Auftritten der Partei.

Wetten, das Sie diesen FP-Spot (unten) nicht zu Ende gucken? Die FDP rühmt sich damit, den längsten Wahlwerbespot der Welt zu präsentieren. Wer ihn sich bis zum Ende ansehen will, braucht viel Geduld – knapp zwei Stunden um genau zu sein. Und die wird garantiert niemand aufbringen. Aus gutem Grund.

Ihnen fehlt noch etwas? Na dann erinnern Sie sich doch bestimmt an dieses vier Jahre alten Werk der Grünen. In dem Spot verglich der als Sidekick von Jan Böhmermann bekannt gewordene William Cohn die damaligen Regierungsvertreter von FDP und CDU mit Exemplaren der Gattung Gastropoda – der gemeinen Weichschnecke. Würde heute auch passen, gel?

Bahnhof

28. August 2017

Lingen gestaltet den historischen Bahnhofsgebäude der ehemaligen Hannoverschen Westbahn um. Das ist bekannt. Es ist das erste Mal, dass die Kommune eine solche Aufgabe übernimmt. Da könnte man –Städtebaulicher Wettbewerb hin oder her– auf die Idee kommen, Fachleute zu fragen, um funktionale Fehler zu vermeiden.

Ich durfte für die BürgerNahen (BN) dazu einige Gedanken äußern, was zu der von mir als ausgesprochen flach empfundenen Bemerkung eines CDU-Ratsmitglieds führte, der offenbar nur im Notfall mit der Bahn fährt, der Bahnhof würde „doppelt so teuer“, folgte man diesen BN-Vorschlägen. Das wird er allerdings ohnehin, denn die geplanten 1,6 Mio Euro netto (= 2 Mio brutto) werden nicht reichen – oder allenfalls für eine eher peinliche, untaugliche  Schmalspurlösung, um im Eisenbahnerbild zu bleiben.

Daher fürchte ich, dass es wieder so ein Projekt nach Lingener Art werden wird: Also eines mit mancherlei, auch groben Fehlern nach dessen Vollendung ausnahmslos Jubelberichte in der Lokalzeitung und den anderen Lokalmedien stehen und der amtierende OB strahlend in die Kamera lächelt.

Dabei geht es auch viel besser, weiß BauNetz, und berichtet über den zweiten „grünen Bahnhof“ in Deutschland, der am vergangenen Freitag in Wittenberg als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet wurde:

„500 Jahre Reformation, da muss alles stimmen. Die Deutsche Bahn und die Lutherstadt Wittenberg haben das Jubiläum zum Anlass für ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof genommen. 3.650 Pendler kommen dort täglich an, im Jubiläumsjahr, so schätzte man, werden es Tausende mehr sein, die der Wirkungsstätte Martin Luthers einen Besuch abstatten wollen. Der Bahnhof wurde bereits im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen, heute erhält er die Auszeichnung Bahnhof des Jahres.

Für die Architekturwelt ist der Preis wenig relevant, prämiert wird eher die Kundenfreundlichkeit, selten sind Neubauprojekte dabei. Die Jahre zuvor ging der Preis nach Steinheim und Stralsund. Dennoch bietet die Verleihung Anlass für einen genaueren Blick. Denn mit dem Bahnhof von Lutherstadt Wittenberg werden auch die Bemühungen der Bahn für ihr Vorzeigeprojekt „Grüner Bahnhof“ prämiert. Es steht für den Anspruch, Bahnhaltepunkte klimaneutral zu betreiben.

Weil die Bahn keine Verpflichtung hat, Planungsprojekte europaweit auszuschreiben, wird sie hin und wieder für ihre intransparente Vergabepolitik kritisiert. Nicht zuletzt entscheiden dort oft auch die Länder oder Kommunen mit, die sich meist an den Baukosten beteiligen. Was noch immer nicht alle wissen:

Die Bahn unterhält seit 2008 eine hauseigene Planungsabteilung. Die derzeit unter dem Namen I.SBO Objektentwicklung und Planung firmierende Abteilung sitzt mit über 40 Mitarbeitern im Gebäude des Berliner Hauptbahnhofs. Der Bahnhof in Münster wurde dort geplant, das Empfangsgebäude in Berlin Gesundbrunnen, der Umbau der S-Bahnverteilerebene am Münchner Hauptbahnhof. Von hier stammt auch die Idee für den Bau klimaneutraler Empfangsgebäude.“

[…weiter hier bei BauNetz]

In der DB-Planungsabteilung arbeitete mehrere Jahre der junge Lingener Tim Schmidt, der inzwischen im Land Brandenburg die Beamtenlaufbahn eingeschlagen hat. Darauf weise ich mit der dringenden Bitte hin, diesen Fachmann auf keinen Fall zu fragen; denn das könnte ja beim Fehlervermeiden hilfreich sein 😉 .

Solarzellen und Grünflächen auf dem Dach, Wärme und Kühlung aus Geothermie sowie eine Regenwasseraufbereitungsanlage lassen jedenfalls in der Lutherstadt Wittenberg den Bahnhof seinen Energiebedarf selbst produzieren. Auch der Service -übrigens der rund um das eigentliche Bahnhofsgebäude- soll sich wieder so nennen dürfen. Mehr Stellplätze für Autos und Fahrräder gibt es, Infotafeln und Wartedächer. Im Empfangsgebäude gibt es einen hellen Wartebereich mit USB-Anschlüssen an den Bänken, auch ein Bäcker und ein Zeitungsladen sind zu finden und barrierefreie Toiletten.

Wer mit der Bahn in Deutschlands Kleinstädten unterwegs ist, weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeiten sind, weiß BauNetz. Mal sehen, was bei uns in Lingen (Ems) am Ende herauskommt. Das nämlich ist offen. Klar ist bisher nur, dass anschließend das Ergebnis begeistert bejubelt wird, egal wie es ausfällt.

In welchem…

27. August 2017

In welchem Deutschland wirst Du einmal leben, fragt die Union mit säuselnder Kanzlerin-Stimme? In einem schnell gestrickten Video haben die Sozialdemokraten auf diesen ersten Wahlwerbespot der CDU (unten) reagiert und dabei ein zentrales Element des CDU-Spots übernommen (oben). Das Verrückte daran: Der SPD-Film war schon vor der öffentlichen Präsentation des CDU-Commercials auf Facebook zu finden. Da war wohl ein Leck im CDU-Team.

64 Jahre später

27. August 2017

aus SPRENGSATZ:

Bis 1953 gehörten rechtsradikale Politiker dem Deutschen Bundestag an – als Mitglieder der Fraktion der Deutschen Reichspartei(DRP). Jetzt, 64 Jahre später, könnten wieder Rechtsradikale in den Bundestag einziehen – auf dem Ticket der sich bürgerlich-konservativ gebenden AfD.

Sie kandidieren auf aussichtsreichen Plätzen der AfD-Landeslisten bei der Bundestagswahl. Und nach dem Stand der Umfragen ist damit ihr Einzug ins Parlament sicher.

Zwei Beispiele:

In Sachsen kandidiert der Richter Jens Maier, der erklärte, der „Schuldkult“ sei „endgültig beendet“, und vor der „Herstellung von Mischvölkern“ warnte. Er sagte zudem, der rechtsradikale Norweger Anders Breivik, der 77 Menschen tötete, sei aus „Verzweiflung zum Massenmörder geworden – wegen der „Einwanderung von Kulturfremden“.

In Niedersachsen tritt der ehemalige Polizist Wilhelm von Gottberg für die AfD an. Er bezeichnete den Holocaust als „Mythos“ und als „wirksamen Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte“.

Er machte sich damit Zitate eines italienischen Neofaschisten zu eigen, der außerdem gesagt hatte, dass „von immer mehr Staaten die jüdische ‚Wahrheit‘ über den Holocaust unter gesetzlichen Schutz gestellt wird“.

Beide sind in der AfD zwar umstritten, wurden aber dennoch für den Bundestag nominiert. Und so kommen 2017 Rechtsradikale über die Hintertür in Bundestag. Dafür braucht es keine NPD mehr. Es reicht die AfD.

Dieser Beitrag erschien am 17.8. im Rahmen von Michaek Sprengs Kolumne im Berliner Kurier“.

Old Merry Tale Jazzband

27. August 2017

Bier & Buletten
Old Merry Tale Jazzband
Lingen (Ems) – Kulturforum St. Michael, Langschmidtsweg 66a
So 10.09.17 – 11 Uhr

Karten:
VVK 6,50 € / erm. 5,00 €
Tageskasse: 8,00 € / erm. 6,50 €

Zum achten Mal findet der Musikfrühschoppen „Bier und Buletten“ im Kulturforum St. Michael statt – noch einmal mit der Old Merry Tale Jazzband.

Die wohl bekannteste und beliebteste deutsche Jazzband ist einfach klasse – die Hamburger Musiker spielen auf hohem Niveau mit jeder Menge Spaß.
Zum Ohrenschmaus gibt es wie gewohnt das Passende für Kehle und Magen: Das Bier wird frisch gezapft, die warmen Buletten gehen mit Gurke und Senf über den Tresen. Dazu können Füße wippen, die Finger schnippen und der Kopf im Takt nicken – bleiben noch die Augen, denen zu trauen ist, wenn dann noch das „Wirtinnen-Ballett“ auftritt…

Lingens „Antwort“

26. August 2017

Kritisch kommentiert jetzt das regionale Fußballportal KEI-FUSSBALL die aktuelle Entwicklung im Lingener Fußballsport. Hier präsentierte sich Anfang der Woche ein selbsternanntes  „Visionsteam“ des SV Olympia Laxten, das seine Visionen Anfang der Woche im Rathaus einem handverlesenen journalistischen Kreis vorstellte. Andere Stadtvereine fehlten und der OB spendete brav Beifall und kündigte -ohne jede Beratung in den kommunalen Gremien an- die Stadt werde das Projekt „im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen“. KEI schreibt:

„Vision 2020“ unter Olympia Laxtens Federführung
Für einen „FC Lingen“ hat es nie gereicht, obwohl etwaige Mäzene mehrfach konkrete Vieraugengespräche führten. Doch der Traum nach höherklassigen Fußball scheint im Rathaus nicht ausgeträumt, so dass man jetzt in der Jugend einen Sonderweg einschlägt. Ein Modell, das für einige Verwunderung sorgen dürfte.

Nach Planungen im Rathaus und eines „Visionsteams“ heißt das unausgesprochene Zauberwort: „Auswahlmannschaft“. Konkret: Aussichtsreiche Lingener U15, U17 und U19 Talente sollen zu den ranghöchsten Teams der Laxtener wechseln. Vollmundig verspricht man in Laxten eine gute Ausbildung und überhaupt würden auch die abgebenden Vereine profitieren. Satzbausteine, die aus jedem Infotext eines Jugendleistungszentrums kopiert werden können.

Viel wurde erwartet, doch der Laxtener Vorschlag ist eine „Light Version“. Nachdem sich die Lingener Stadtclubs -wie erwartet- nicht auf einen Jugendförderverein (eine Spielgemeinschaft ist nach den NFV Statuten nicht mehr möglich) einigen konnten, ziehen die Verantwortlichen also eine „Vision 2020“ aus dem Hut. Wofür das „2020“ steht oder was man bis in drei Jahren erreichen will, bleibt offen. Man wolle den Fußball in Lingen „nachhaltig“ stärken und Landesliga-Fußball in der Jugend etablieren. Und das ganz ohne dem Jugendleistungszentrum in Meppen Konkurrenz zu machen oder den Lingener Nachbarvereinen zu schaden. Aber genau das bringt dieses Konstrukt.

Geht es nach den Planern entsteht in Lingen gar ein Zentrum des Jugendfußballs. Zwei Bullis und neue Trikots stehen ebenfalls parat. Niemand käme „für die Bank“ und eine Rückkehr zum Heimatclub sei jederzeit möglich. Ausgewiesener Unsinn, wenn man einen Blick auf Kadergrößen und NFV Reglement, das einen Wechsel nur in den Transferperioden erlaubt, wirft. Und überhaupt erinnert das alles an das, was rund um die Jahrtausendwende und davor im Emslandstadion beim TuS Lingen praktiziert wurde. Auch da wechselten -angelockt von Versprechungen- die Besten zum TuS, wurden mit Bullis abgeholt und kickten auf hohem Niveau. Wohin das führte, sieht man heute. Oder eben nicht mehr.

Neben Laxten stellen Biene und Altenlingen die ranghöchsten Jugendteams der Stadt. Der Landes- und Bezirksligist verständigten sich erst vor zwei Jahren auf eine Zusammenarbeit in der Jugend und gründeten -auch gegen Widerstände- eine Spielgemeinschaft. Mit viel Mühe und Engagement schaffte man den Sprung auf die Bezirksebene. Wenn nun die allerbesten Spieler zum Jugendleistungszentrum wechseln und die „zweite Reihe“ zu Olympia Laxten geht, dürfte die Klasse für die JSG Altenlingen/Biene mittelfristig nicht zu halten sein. Doch genau das ist Rückgrat der kleinen Lingener Clubs. Die Tatsache, dass die eigenen Jugendspieler -gemeint sind hier die Nummer 5 bis 20- auch die Möglichkeit haben schon in der Jugend „Bezirksliga-Luft“ zu atmen, macht den Unterschied. Der einzige Gewinner der „Vision 2020“ wird also wohl die Olympia sein.

KEI meint:
Mogelpackung! Diese Vision ist kein Konzept, sondern eine halb gare Lösung. Dass die besten Spieler der Region im Meppener Leistungszentrum trainieren, liegt auf der Hand. Wenn Lingen im Kielwasser seine Jungs fördern will, dann nur zusammen in einem transparenten Förderverein.

 

(Foto: Pixabay)

lilly among clouds

25. August 2017

Heute erscheint das Debutalbum „Aerial Perspective“ von lilly among clouds. Die in Niederbayern als Elisabeth Brüchner geborene Popmusikerin darf eine ganz Große werden; immerhin hat sie mich in dieser Woche 90 Minuten A1-Stau ertragen lassen. Wann tritt sie im Lingener Alten Schlachthof auf?

8.169

24. August 2017

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V., das Diakonische Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V. und APROTO e.V. – Aktionen und Projekte pro Toleranz – in Bispingen forderten gestern in einer gemeinsamen Presseerklärung eine organisierte Rettungspolitik der Europäischen Union sowie die Bereitschaft der Mitgliedsstaaten, zur Unterstützung Italiens Flüchtlinge aufzunehmen.

Auch das Bundesland Niedersachsen ist gefordert, ein Zeichen zu setzen und seine Bereitschaft zur Aufnahme mindestens jener Flüchtlinge zu erklären, die hier Angehörige haben. Flüchtlingsrat, die Diakonie in Niedersachsen und APROTO fordern darüber hinaus die Aussetzung des Dublinverfahrens und den Verzicht auf die Abschiebung von Flüchtlingen an die EU-Außengrenzenstaaten.

Europaweit schwindet die Bereitschaft der EU und ihrer Mitgliedstaaten zur Flüchtlingsaufnahme. Zwar sicherten die EU-Staaten mit Beschlüssen von Mai und September 2015 ( und im Umwidmungsbeschluss von Sept. 2016)  Griechenland und Italien die Aufnahme von 160.000 Flüchtlingen zu. Bis zum 16. August 2017 fanden aber nur 8.169 Flüchtlinge aus Italien und 18.098 Flüchtlinge aus Griechenland in anderen europäischen Staaten Aufnahme (s. Member States‘ Support to Emergency Relocation Mechanism- Stand 16.8.2017 ). Einziger echter gemeinsamer Nenner der EU-Staaten scheint die Externalisierung der Flüchtlingsaufnahme zu sein. Italien schickt Militärschiffe, um zusammen mit der libyschen Küstenwache Menschen an der Flucht aus Libyen zu hindern. Bulgarien und Österreich setzen Militär ein, um die Grenze für Flüchtlinge notfalls mit Waffengewalt zu schließen. Auch in Niedersachsen schwindet die Bereitschaft, sich für die Aufnahme von Flüchtlingen einzusetzen. Der in Niedersachsen amtierende Innenminister Boris Pistorius forderte jüngst ungeachtet der verheerenden Menschenrechtslage die Einrichtung von Flüchtlingslagern in Libyen.

Allenthalben fehlt es an Konzepten für eine organisierte Rettungspolitik und eine solidarische Unterstützung der Staaten an den EU-Außengrenzen, insbesondere Italiens. Die Dublinabkommen sind de facto gescheitert. Geradezu absurd erscheint die Tatsache, dass Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz und Asyl suchen, jedes Jahr zu Hunderten mit der Begründung abgeschoben werden, Italien sei für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig oder habe schon Schutz gewährt. Dies geschieht, obwohl ein menschenwürdiges Leben für viele Flüchtlinge in Italien nicht gewährleistet ist. Insbesondere s.g. „Dublin-Rückkehrer“ leben in Italien häufig auf der Straße oder in abbruchreifen Häusern und finden weder eine Unterkunft noch Arbeit.

Neben anderen nationalen Gerichten hat auch das Bundesverwaltungsgericht in mehreren Vorabentscheidungsersuchen den EuGH befragt, ob Abschiebungen nach Italien vor diesem Hintergrund rechtmäßig sind (s. Anlage). Dr. Manfred Schmidt, ehemaliger Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), hat es drastisch formuliert: Das Schlimmste, was ihnen heute passieren könnte, wäre, anerkannter Flüchtling in Italien zu werden“.

Der Friedensnobelpreisträger EU wird seiner Verantwortung für den Frieden nur gerecht, wenn er die Opfer von Krieg und Verfolgung aufnimmt statt ausgrenzt. Der Niedersächsische Flüchtlingsrat, APROTO e.V. und die Diakonie in Niedersachsen fordern Bund und Land auf, zu einer aktiven Flüchtlingsaufnahmepolitik zurückzukehren und Zeichen zu setzen, dass Flüchtlinge in Deutschland auch weiterhin willkommen sind.


Eine Presseerklärung von Flüchtlingsragt, APROTO und der Diakonie. 

Wo aber bitte, frage ich, sind die katholischen Organisationen wie Caritas und SKM zum Beispiel?


 

Der Fall des Zafar Iqbal

Einen eindrücklichen Fall von mit der Dublin III–VO einhergehenden ungeklärten Rechtsfragen und menschlichem Leid begleitet und dokumentiert APROTO e.V. aus Bispingen seit mittlerweile fast acht Monaten beispielhaft. Nachdem der pakistanische Asylbewerber Zafar Iqbal am 14. Dezember 2016 um 4 Uhr morgens ohne Ausweispapiere, ausreichend Kleidung und Geld nach Italien abgeschoben wurde, war er zunächst obdachlos und wurde dann – auf Intervention von APROTO – in ein mafiös organisiertes Camp geschickt, einen ehemaligen Viehbetrieb in Uboldo bei Varese, das humanitären Mindestanforderungen weder für Unterbringung noch für ärztliche Versorgung entspricht. Dort wurde er – auch wegen seiner Glaubenszugehörigkeit zur pazifistisch-muslimischen Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya – bedroht.

Zafar Iqbal ist im Januar 2017 nach Deutschland zurückgekehrt und hat über seinen Anwalt wegen der desaströsen Zustände in Italien den Selbsteintritt der Bundesrepublik Deutschland in sein Asylverfahren erbeten. Das völlig überlastete Bundesamt für Migration und Integration hat erst vier Monate später eine Entscheidung getroffen und trotz Vorlage von Beweismaterial für systemische Mängel in Italien am 26. Mai 2017 die erneute Abschiebung nach Italien angeordnet. Unerwartet und nach unseren Recherchen erstmals hat nun das Verwaltungsgericht Lüneburg die aufschiebende Wirkung der Klage gegen den Bescheid des BAMF vor dem Hintergrund anstehender Entscheidungen des EUGH angeordnet. (Dazu in der Anlage mehr über die Rechtsgrundlagen.)

Für den Asylbewerber Zafar Iqbal bleibt die Hoffnung, dass die Zuständigkeit Deutschlands für die Weiterbearbeitung seines Asylantrags festgestellt wird.

Anlage 1: Hintergrundinformationen zur Frage, ob Flüchtlingen bei einer Überstellung nach Italien Menschenrechtsverletzungen drohen

Anlage 2 :Link zum sehr informativen Beitrag auf der Seite des bundesweiten Kooperationsprojekts resettlement.de zum Thema „Relocation“:  http://resettlement.de/relocation-umverteilung-von-asylsuchenden-aus-griechenland-und-italien-in-andere-eu-staaten/

Anlage 3:  Selbstzeugnis Zafar Iqbal