gut vorbeifahren können

14. Juli 2017

Vorgestern versuchte Lingens OB Dieter Krone in der Lokalpresse  die eigene Politik zulasten des ohnehin schon schwächelnden Stadtzentrums, als richtigen politischen Schritt zu verkaufen. O-Ton: „Wir müssen den Einzelhandel neu aufstellen und die einzelhandelsrelevanten Umsätze steigern“. Erste Schritte sieht, so der zögernd-skeptische LT-Mann Wilfried Roggendorf, Krone in der „Eröffnung von Rossmann“ an der Meppener Straße im November und dem geplanten Bau eines DM-Marktes bei BvL an der Lindenstraße. „Wir haben viele Einpendler, und die kaufen da ein, wo sie gut vorbeifahren können“, sagte Krone. In diesem Bereich herrsche in Lingen Nachholbedarf.

Nun ist es schon für das Lingener Zentrum nicht zuträglich, dass lokale Dienstleister an der Peripherie ihre Firmen ansiedeln und dabei mit Hunderttausenden Euro an städtischen (Grundstücks-)Subventionen belohnt werden. Jetzt aber ganz offiziell Stadtentwicklung gegen das Stadtzentrum für Leute zu propagieren, die da einkaufen, wo sie „gut vorbeifahren“ können, führt in die falsche Richtung. Wie kann Krone eine Rossmann-Filiale im Ortsteil Altenlingen an der Oberhofstraße (nicht „Meppener Straße“, Herr Krone) oder auch jenseits des Stadtzentrums das BvL-Fachmarktzentrum (mit mehr als einem DM-Markt, Herr Krone)  als richtige Entwicklung sehen?

Beide Beispiele Krones gehen klar zulasten der Innenstadt, was er nicht versteht oder ihm offenbar nicht so wichtig ist wie Parkplätze für gut vorbeifahrende Pendler. Dabei bringen sie keine Qualität sondern Masse. Vermeidet der OB etwa deshalb eine kritische Prüfung dieser Vorhaben und generell seiner Lingener Einzelhandelspolitik durch ein neues Einzelhandelsgutachten und pickt für seine Einzelhandelspolitik aus überholten, 11 Jahre alten Gutachten bei Bedarf ein paar Argumentationsrosinen?

Dabei bestätigt Krone gleichzeitig – quasi im guten Vorbeifahren – die Warnungen von Fachleuten wie etwa Investor Hermann Klaas. Der hatte Anfang des Jahres darauf hingewiesen, wie sehr der lokale Innenstadthandel seit wenigen Jahren deftige Rückschläge zu verkraften hat, hatte daher Krone für seine BvL-Pläne heftig kritisiert und deshalb seine eigenen Pläne aufgegeben, den Sparkassenkomplex am Markt zu revitalisieren. Dieses Vorhaben sei für ihn nicht mehr verantwortbar. Nun gibt Krone dem Kritiker Klaas in seinem Pressegespräch recht: Der Umsatz des Lingener Einzelhandels stagniere seit 2010 bei etwa 334 Millionen Euro. Wenn jetzt die Stadt außerhalb des Zentrums neue Ladenflächen schafft, dann tut dies der Innenstadt nicht gut. Übrigens: Seit 2010 ist Krone OB und trägt daher Verantwortung für diese Entwicklung, die er bisher immer weggejubelt hat. Zum Vergleich der Zahlen: Von 2010 bis 2016 sind die Durchschnittslöhne in Deutschland um knapp ein Fünftel gestiegen.

Die Folge der Einzelhandelskrise ist sichtbar: Herrenmode beispielsweise existiert in unserem Städtchen fast nicht mehr. Das wird sich sicher nicht wesentlich verbessern, wenn bald ein Modehaus aus Friesoythe eine Filiale im ehem. Löning an der Burgstraße eröffnet.

Zulasten des Zentrums subventioniert die Stadt derweil das geplante BvL-Fachmarktzentrum mit mehr als 1 Mio Euro aus kommunalem Vermögen; sie überlässt nämlich dem Investor städtische Grundstücke zu einem Bruchteil des Marktwerts. Man darf gespannt sein, ob eine solche, zudem versteckte Subvention vor den Gerichten Bestand hat.

Die Millionensumme sollte man besser im Stadtzentrum investieren. Doch OB Krone fährt lieber an planvoller und nachhaltiger Stadtentwicklung vorbei.

 

34. FSL

14. Juli 2017

Die 34. Fußball Stadtmeisterschaft beim SV Holthausen/Biene, das
Fußball-Turnier der Lingener Seniorenmannschaften, findet kommende Woche (17. bis 23. Juli) statt.

Am Biener Busch wird echter Amateurfußball geboten, und ich bin schon heute gespannt, was die Lokalpresse darüber berichten wird. Bekanntlich schenkt sie dem lokalen Sport eher nicht viel Aufmerksamkeit, druckt aber stattdessen -nicht erst seit dessen 3.-Liga-Aufstieg – alles über einen benachbarten Fußballverein und jazzt selbst den Schnupfen des dortigen stellv. Zeugwartes zum medialen Ereignis hoch.

Ausrichter der  34. Fußball-Stadtmeisterschaft ist der SV Holthausen/Biene. 12 Mannschaften in vier Gruppen sind am Start, natürlich die 11 Fußballvereine aus Lingen (nur einer nicht). Das 12. Team wählt traditionell der Ausrichter aus, der sich für den SV DJK Geeste entschied.

[Nicht am Start ist der vor neun Monaten von ausgesprochenen Fußballfachleuten im Rathaus ersonnene und mit Markenschutz ausgestattete FC Lingen, weil erst die jährlichen 750.000-Euro-Subventionsgeber gefunden werden müssen, der Verein folglich noch nicht auf der Welt ist, und das auch noch längere Zeit auf sich warten lässt, weshalb die genannten Experten jetzt erst Jugendteams bilden und diese dem SV Olympia Laxten zuordnen wollen  – Das ist aber ein anderes Experten-Thema…]

Im Rahmen der Stadtmeisterschaft führen die Veranstalter am Freitag, den 21. Juli, ein Altherren-Blitzturnier und am Samstag, den 22. Juli, die Damen-Fußball Stadtmeisterschaft mit sechs Teams durch.

FSL-Favorit ist die Mannschaft des Gastgebers, der mit etwas Mühe aber am Ende klar, die Landesliga halten konnte. Daneben sind die Bezirksligateams des ASV Altenlingen und Olympia Laxten am Start und zum ersten Mal – nach der Insolvenz des historischen TuS Lingen ganz unten in der 4. Kreisklasse angekommen – dessen Nachfolgeverein RB Lingen, der schon am ersten Spieltag ab 19.15 Uhr antritt.

Übrigens: Die 104 Seiten starke Veranstaltungszeitschrift beeindruckt besonders.

Travel Ban

14. Juli 2017

Ein starker Auftritt von Spotify. International sendet der Musikstreaming-Marktführer mit der Kampagne „I’m with the banned“ gerade eine wichtige politische Botschaft. Die Initiative vereint Popstars mit sechs unbekannten Künstlern, die von Donald Trumps Travel Ban betroffen sind. Im Mittelpunkt steht neben der Musik auch Video-Content.
Eigentlich ist die Boschaft ganz einfach: When people can’t travel, music will.