Walk of Shame

3. Juli 2017

Das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder hat vor dem Axel Springer Haus in Berlin einen „Walk of Shame“ installiert. Dafür haben sie mehrere schwarze Tafeln auf dem Boden des öffentlichen Platzes platziert, die anhand von Beispielen den reißerischen, rücksichtslosen und persönlichkeitsverletzenden Journalismus des Verlags anprangern.

In einem 4 1/2 Minuten langen Video, das am vergangenen Samstag bei Vimeo veröffentlicht wurde, wird der Hintergrund und die Bedeutung der Intervention „Walk of Shame“ ausführlich erklärt.

(Quelle)

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Wahlkampfhilfe

3. Juli 2017

Wenn Anstand verloren geht und demokratische Selbstverständlichkeiten offenbar unbekannt sind:

Die Stadt Lingen betreibt unter der Verantwortung von Oberbürgermeister Dieter Krone auf ihrem offiziellen Facebook-Account -also mit Steuergeldern- Wahlkampfhilfe für eine CDU-Wahlveranstaltung mit Angela Merkel. Und, Freunde im Rathaus, kommt nicht auf die dreiste Idee, für die CDU-Vorsitzende 11 Tage vor der Bundestagswahl auch noch einen offiziellen Empfang draufzusatteln.

update: Ich vergaß die Frage: Wann wird der Facebook-Beitrag gelöscht?

Ja, geht’s noch?!

3. Juli 2017

Nein, es lag nicht nur am Wetter, dass in diesem Jahr deutlich weniger Besucher als früher das Umsonst&draußen-Abifestival am alten AKW in Lingen  besucht haben. Es liegt auch an dieser oberlehrerhaften, bürokratischen Attitüde, die dort zunehmend Platz gegriffen hat. Sie nervt diejenigen jungen Leute, die unabhängig sein und feiern wollen. Also bleiben viele einfach weg.

Wolfgang Koopmann und die anderen „Väter“ des Abifestivals hätten jedenfalls der lokalen Polizei was gehustet, wenn diese eine rechtswidrige Dauerkontrolle des Festivalzugangs eingerichtet hätte, um vorgeblich „für Sicherheit zu sorgen“, wie es servil aus der Festivalleitung hieß. Heute wird eine solche Dauerkontrolle kritiklos mit Applaus bedacht und die AF-Macher bedanken sich gar, obwohl die Gesetzwidrigkeit dieser Polizeimaßnahme viel gravierender ist als einige, möglicherweise gar ärztlich verordnete Cannabistüten.

Denn tatsächlich praktizierte „unsere“ Polizei am Abifestivalgelände eine Dauerkontrolle und damit einen mehrtägigen Verstoß gegen geltendes Recht; denn die Kontrollstelle konnte sich mangels Gerichtsbeschluss nicht auf die Strafprozessordnung stützen. Auch das gern herangezogene polizeiliche Ordnungsrecht erlaubte sie nicht, weil Tatsachen fehlten, dass beim #AF17 eine „Straftat von erheblicher Bedeutung begangen werden“ soll und die Kontrollstellen „zur Verhütung einer solchen Straftat erforderlich“ wäre. Das war nicht und nie, trotzdem stand die uniformierte Polizei, bewaffnet und mit Hunden, vor dem Gelände und kontrollierte jede und jeden. Diese, eher an aktuelle türkische Verhältnisse erinnernde Methode fand trotzdem ein flottes „Gefällt mir“ von der Jungen Union, zuvörderst Tobias Dankert und Landtagskandidat Christian Fühner.

Den Verkehr lenkten derweil einmal mehr die Abiturienten. Ja, geht’s noch?!

Dass dieselbe Polizei dann auch noch meinte, Kritiker an dieser frechen Überschreitung der Gesetze zur Sachlichkeit mahnen zu müssen, lässt mich lachen.

Und noch dies: Dass minderjährige Besucher mit einem eigenen, andersfarbigen Festivalbändchen als U18-Besucher, also als nicht volljährig markiert wurden, ist gleichermaßen sinnfrei wie inakzeptabel. Das Abifestival ist jedenfalls keine Veranstaltung, die in geschlossenen Räumen stattfindet, oder eine Tanzvergnügen. Folglich fällt der Besuch der Konzertveranstaltung nicht unter das Jugendschutzgesetz; das ist so und kein Quatsch, wie mir von einem Unkundigen entgegen gehalten wurde.

Meine große Sorge am Tag nach dem AF17: Bürokraten und Bedenkenträger nehmen dem Lingener Abifestival die Kreativität und Spontaneität, die es so lange ausgezeichnet hat. Das tut dem AF gar nicht gut. Man merkt es deutlich an den diesjährigen Besucherzahlen, auch wenn die Polizei -im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen in Lingen- „die gute Zusammenarbeit“ mit freundlich nach oben optimierten Schätzungen goutierte.

 

(Foto: ©privat)