Dieses Frühlingswochenende wäre perfekt für eine Reise in Lingens katalonisch Partnerstadt Salt gewesen. Die 30.000-Einwohner-Stadt – nur 6 km vom Flughafen Girona entfernt gelegen – ist mit dem irischen Billigflieger in rund 2 Stunden von Weetze am Niederrhein zu erreichen, und heute feiert Salt -wie ganz Katalonien – den Diada de Sant Jordi. Das Warum und das Was erklärt das katalonische Touristenbüro so:

„Am 23.4.303 starb der Ritter Sant Jordi im Nahen Osten den Märtyrertod. Bevor es so weit kam, hatte er gerade noch rechtzeitig das katalanische Dorf Montblanc erreicht, um eine schöne Prinzessin vor einem Drachen zu retten, der seit Jahren immer neue Menschenopfer forderte. Als St. Jordi dem Ungeheuer seine Lanze ins Herz stieß, schoß ein Blutschwall zur Erde, aus dem sofort ein wunderschöner Rosenbaum wuchs. St. Jordi schenkte der Prinzessin eine Rose, lehnte eine Hochzeit dankend ab und ritt seiner letzten Bestimmung entgegen. Aus diesem Grund werden schon seit dem 15. Jahrhundert in Katalonien am 23. April Rosenfeste zu Ehren der Liebenden gefeiert und auch im 21. Jahrhundert füllen sich an diesem Tag die Straßen der Städte mit Blumenständen. Nach aktuellen Berechnungen machen katalanische Blumenhändler 40% ihres Jahresumsatzes am 23. April.

„Das wäre doch mal was..“ dachten sich die katalanischen Buchhändler, die einfach etwas cleverer sind als viele ihrer ausländischen Kollegen. Doch diese Sichtweise wird vermutlich der schicksalhaften Größe und Tragweite der Ereignisse nicht gerecht. Wir erinnern uns: Am 23.4.1616 stirbt Miguel de Cervantes Saavedra und am 23.4.1616 stirbt William Shakespeare. Ein erstaunliches Zusammentreffen, das umso erstaunlicher wird, wenn man bedenkt, dass Cervantes 10 Tage vor Shakespeare starb. Dass der Todestag beider auf einem 23.4 zusammenfallen konnte, ist der Tatsache geschuldet, dass zu jener Zeit in Großbritannien noch der julianische Kalender galt, während in Spanien bereits der gregorianische Kalender etabliert war. Kurz und gut, die beiden absoluten Shooting-Stars der Weltliteratur des 17. Jahrhunderts verstarben beide an einem 23. April.

Gute 300 Jahre später nahm man diese merkwürdige Fügung des Schicksals zum Anlass, am 23. April den Tag des Buches zu feiern. Damit wurde endlich zusammengebracht, was seit jeher zusammengehört: Rosen und Bücher, Liebe und Literatur. Ab den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es somit zu einer kulturellen Umwälzung in der Feiertagstradition der Diada de Sant Jordi: Während die Männer seit jeher den Frauen zu diesem Anlass Rosen geschenkt hatten, wurde es nun ein ebenso fester Brauch, dass die Frauen den Männern an diesem Tag Bücher schenkten. Im Jahr 1995 ernannte die UNESCO auf eine katalanische Initiative hin den 23. April zum Welttag des Buches und ließ die Welt somit zumindest an einem Teil dieses katalanischen Vergnügens Anteil haben.“

Apropos Partnerstadt. Ich höre, dass es personelle Probleme in der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft in Lingen geben soll. Es wäre schade, wenn sich die Gesellschaft deshalb auflöst…

(Fotos vom heutigen Diada de Sant Jordi: Oben Jordi Viñas Xifra überreicht Rosen im Altersheim; unten Viel Betrieb auf dem offenen Büchermarkt in Salt)

Ein Bündnis aus 65 Organisationen und Initiativen veranstaltet in Hamburg im Vorfeld des G20-Treffens einen Alternativgipfel. Weltoffen soll dieser Gipfel der Alternativen sein und – imGegensatz zum hermetisch abgeschotteten G20-Treffen – auch frei zugänglich.

Mit dem „Gipfel für globale Solidarität“ schafft das Bündnis einen Raum
für Kritik an der neoliberalen Globalisierung, für die die G20 steht.
Ziel ist zugleich, über die Umsetzung einer solidarischen Politik zu
sprechen und sich zu vernetzen. Das Programm des Alternativgipfels
spiegelt die Breite des zivilgesellschaftlichen Bündnisses wie auch
dessen vielfältige Perspektiven und Themen wieder. Auf elf Podien werden
WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen aus über 20
Ländern über Gegenentwürfe zu Neoliberalismus und dessen ungehemmter
Ressourcenausnutzung, wachsender Kriegsgefahr und erstarkendem
Nationalismus und Rassismus folge Fragen diskutieren.

  • Wie überwinden wir Armut, Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Naturzerstörung?
  • Wie können wir soziale Rechte global durchsetzen?
  • Wie können wir partizipative und demokratische Rechte stärken?
  • Wie bekämpfen wir effektiv Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie?
  • Wie erreichen wir ein Gemeinwesen, das auf Kooperation, Selbstbestimmung und Solidarität basiert?
  • Wie sieht eine Wirtschaft aus, die dem Menschen dient und nicht den Profitinteressen?
  • Welchen Grundsätzen sollte globale Politik, einschließlich die der G20, folgen?
  • Und wie sehen alternative Politikansätze aus?

Zum „Gipfel für globale Solidarität“ werden zahlreiche internationale
Gäste erwartet. Dazu gehören unter anderem die Globalisierungskritikerin
Vandana Shiva, die renommierte Ökonomin Jayati Gosh, der führende
kurdische Politiker Salih Muslim aus Rojava in Nord-Syrien oder Alberto
Acosta, Präsidentschaftskandidat 2013 für die indigene Partei Pachakutik
aus Ecuador, der Generalsekretär der Gewerkschaft IndustryALL Valter
Sanchez aus Brasilien sowie die Friedensaktivistin Ann Wright aus den USA.

Der „Gipfel für Globale Solidarität“ wird gefördert durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE).

Für den Alternativgipfel wünschen sich die Organisatorinnen und Organisatoren
„kontroverse Debatten in einer friedlichen Atmosphäre globaler Solidarität“.