Dylan!

13. April 2017

Was für EmslandArena-Macher Stefan Epping im Herbst 2016 auf dem heimischen Sofa und eher fiebrig begann und zunächst vielleicht am Karfreitag Realität werden sollte, wurde schon am Karmittwoch in der Emslandarena Wirklichkeit. Dabei prangte über den wenigen Plakaten des binnen Stunden ausverkauften Konzerts mit Gästen aus den USA, aus der Scjweiz und Tausenden aus unserem Landstrich an Ems und Vechte das Wort „Emslandhalle“. Aber: Schwamm drüber.

160 Leute hinter den Kulissen ermöglichten gestern das große Bob Dylan-Konzert vor knapp 3700 Fans. Dylan krönte mit seinem großartigen Auftritt sozusagen die drei Jahre alte, gestern natürlich ausverkaufte Emslandarena, und er spielte den Blues -was für einen großartigen Blues. Klar,  rein,  ohne jeden Schnickschnack und mit einer Begleitband hochprofessioneller Musiker in grauen Anzügen, die ihren Part absolut lässig und perfekt herunterspielten. Der schwarz gewandete Dylan, wie üblich ohne jede Begrüßung, ohne Moderation oder Vorstellung seiner Band, saß und stand zunächst noch hinterm Elektrikpiano (Foto), blickte wenig ins Publikum und eröffnete sein Lingener Konzert -bei erst nicht optimal eingestellter Tonanlage- mit dem Oscar-prämierten Stück „Things Have Changed“ – sein Leben nach dem Literatur-Nobelpreis meinte er damit kaum. Er bekam zunehmend Spaß, improvisierte an den Tasten und seine Fans applaudierten enthusiastisch. Der Meister spielte manch‘ Altes wie „Highway 61“, „Desolation Row“, „Tangled Up In Blue“ und natürlich viele Songs aus dem Spätwerk („Love sick“, „Pay In Blood“).

Die 75jährige Legende verfremdete seine Songs kaum, anders als es früher die Art des eigenwilligen Künstlers war. Er sang -fast muss man sagen- sprach häufig mit seiner tiefen, unverwechselbaren Stimme ins Mikro und stolzierte zu „Melancholy Mood“ über die Bühne.

Nach eindreiviertel Stunden -inklusive Zugabe- dann der Schlussakkord. Das Programm aus einem Guss war gespielt, Dylan offenbar zufrieden, Macher Stefan Epping nach all der Anspannung anschließend gar gelöst und stolz.

Bemerkenswert: Fast alle Besucher der Emslandarena ließen gar das Fotografieren sein, was sich Bob Dylan grundsätzlich ausbedingt. Die Emslandarena sah jedenfalls nicht oft so disziplinierte Besucher. Erst in der Zugabe Dylans mit dem verjazzten ‚Blowin‘ in the Wind“ und „Ballad Of A Thin Man“ machte sich das überwiegend ergraute Publikum auf den kurzen Weg zur Bühne und fraß Dylan längst aus der Hand. Bis dahin hatten nur Fans in Block K gestanden, jetzt klatschte es frenetisch. Die Dylan-Neulinge, die den Meister vor allem wegen des Nobelpreises sehen wollten, verließen -wie tags zuvor in Hamburg- die Arena ohne Kulturschock, genossen aber mit ihren alten Kollegen den Aufritt einer Legende, eines Jahrhundertkünstlers. Sie gingen, so sie den Blues lieben, mit reichlich Ehrfurcht und genauso zahm wie der 75-Jährige am Mittwoch, als nach 105 Minuten das eingeschaltete, kalte LED-Licht die euphorische Stimmung abrupt abkühlte.

Dylan tourt 2017 bis Ende Juli. Heute Abend spielt er in Düsseldorf, Samstag in Frankfurt, dann drei Tage in Amsterdam, dann Paris, später Frankfurt, Hannover, Dublin, US, Kanada. Alle Tourdaten der „Never ending Tour“ (ein Begriff von Kritiker Adrian Deevoy) finden sich auf der offiziellen Website des Sängers. Die Tour selbst begann 1988 und dauert an. Dylan spielt dabei weltweit jährlich um die 100 Konzerte.

[Hinweis: Meinen, zu -ähem- tief nächtlicher Stunde verfassten Erstbeitrag habe ich heute -notwendigerweise- noch einmal sprachlich überarbeitet].

(Foto: privat)

7 Antworten to “Dylan!”

  1. Reinhard said

    Einschätzung des Konzerts hängt stark von der Erwartungshaltung ab. Wer einen Mann mit Gitarre und Mundharmonika erwartet hat, wurde schwer enttäuscht, keiner seiner „Hits“ wurde gespielt. Außer Blowin in the wind. Selbst dies konnte man nur an der Textzeile erkennen. Sicherlich kann sich ein Künstler weiter entwickeln, jedoch gehört es zu einem Kommentar auch dieses nicht so gut informierten Kreisen deutlich zu machen. Viele gingen bereits vorher, spätestens vor der Zugabe. Hiervon ist in allen Kommentaren die ich gelesen habe nichts erwähnt (GN,NOZ,NWZ) .

    • max koop said

      „Viele gingen bereits vorher, spätestens vor der Zugabe. Hiervon ist in allen Kommentaren die ich gelesen habe nichts erwähnt“ — Davon ist nichts zu lesen, weil es nicht stimmt. Erkennst du schon an deiner wenig-präzisen und zudem rein subjektiven Angabe „viele“.

      • Reinhard said

        Unterstellst also mal eine Lüge, prima Diskussionsgrundlage. Stand an der Eingangs-Ausgangstür zum Rauchen. Mein Bruder dachte es wäre zu Ende weil so viele rausgegangen sind. Hab die natürlich nicht gezählt, über 100 waren es allemal.

  2. Heinz said

    Ja Reinhard, so habe ich es auch empfunden und auch so gesehen. Das Konzert war für mich und meine Frau eine große Enttäuschung. Wir haben von der 39 Reihe (Parkett) die Band nur sporadisch gesehen. Ab und zu sah man und hörte man einen singenden weißen Hut. Videowand, so hörte ich am Bierstand in der Arena, hat Bob Dylan untersagt. Die Musik klang immer gleich aber wohl mit einem anderen Text. Nach einer Stunde wurde es ziemlich langweilig in der Arena. Einige haben zu dieser Zeit bereits die Arena verlassen. Fazit: Meine Frau und ich hätten lieber von Eintrittsgeld uns einen schönes Wellnesswochenende können sollen.

  3. Frank said

    Eine solche Enttäuschung ließe sich einfach vermeiden wenn man sich vorher über den Künstler und damit auch die Art seine live Performance inklusive set List der letzen Jahre informiert, statt ein Abziehbild des dylans aus der eigenen Jugend zu erwarten.Eine Akustik Show stand nie zur Debatte, Videos Wände ebenso wenig, Blowin in the Wind ist schon set Jahren und in dieser Form höchstens Zugabe…. Mir hast gefallen

  4. Reinhard said

    Warum wird hier erstmal intensive Recherche von mir verlangt wenn ich für 100 Euro eine Eintrittskarte kaufe. Selbst nach diesem Konzert lese ich nur Lobeshymnen und keinen Hinweis darauf, das er die Klassiker nicht spielt. Ist doch meine Entscheidung wenn ich eine Enttäuschung in Kauf nehme. Dies wird man dann doch wohl auch äußern dürfen. Waren zudem nicht wenige die es ähnlich sahen (s. Kommentare bei Eventim, Facebook u.a.),

  5. Frank said

    Das ist relativ unverständlich vor allem weil Dylan nicht erst seit kurzem ein ambivalentes Verhältnis zu seinen „großen Hits“ der Vergangenheit hat und dies auch häufig äussert.Ich fand es sehr gut und gestört haben mich eigentlich nur die Besucher die aus den vorderen Reihen drei Mal in 2 Stunden Bier holen waren, statt einfach mal zuzuhören oder zumindest andere zuhören zu lassen. Für Sie persönlich tut es mir leid, weil ich Ihnen wie jedem anderen einen tollen Konzert Abend gewünscht hätte.

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