„Klein-Ochtrup“

29. März 2017

Da erhielt ich, rechtzeitig zur heutigen Sitzung des zuständigen kommunalen Planungs- und Bauausschusses, der nach nur kurzer Debatte die modifizierte BvL-Planung per Grundsatzbeschluss abgesegnet hat (BN enthielt sich, Grüne dagegen, CDU/SPD dafür), diese Zuschrift:

Zur Sache: So gerne ich Edeka mag und in Lingen vermisse, ich halte das ‚Klein-Ochtrup‚ am BvL-Kreisel für eine Fehlentwicklung. Mittelfristig wird es ein wichtiges Geschäft aus der Innenstadt ersetzen und/oder abwerben, so wie Joachim das schon mal prognostiziert hat.
Die Idee mit den Wohnungen ist charmant, kann aber nicht alles andere ausgleichen.“

So ist es. Dasselbe gilt für den Erhalt des Winkel-Bunkers, der natürlich als Mahn- und Denkmal wichtig für unsere Stadt ist und der als Baudenkmal in jedem Fall stehen bleibt, auch wenn man „Klein-Ochtrup“ nicht zulässt. Und für die Frage, ob man die benötigten 5000 qm städtischer Flächen nicht nach Verkehrswert bezahlen lässt, sondern zum Buchwert veräußert, also fast verschenkt.

Aktuell zieht bereits das Gerücht die Runde, dass als erstes der Spiele-Max im ehemaligen Haus Adelmann, Marienstraße, in das BvL-Vorhaben wechselt. Später droht der Media-Markt zu folgen. Es fällt auf, dass die BvL-Center Entscheidung zu einer Zeit fällt, wo kein einziger Kaufmann oder Handwerker aus dem Stadtzentrum mehr im Lingener Stadtrat Sitz und Stimme hat. Da konnten die Kaufleute Hermann Klaas, Stefan Nottbeck, Torsten Thoben, Stephanie Albers und Stefanie Neuhaus-Richter noch so engagiert am Montagabend in der CDU-Fraktion für eine vitale Innenstadt streiten. Doch die CDU hat ihnenn, fast ausnahmslos CDU-Anhänger, nicht einmal deutlich gesagt, dass sich die christdemokratische Ratsmehrheit schon vor zwei Wochen festgelegt hatte: Für das BvL-Projekt. Ein Projekt, das nur Familie van Lengerich nutzt, der Innenstadt aber schadet und zwar massiv, weil dringend benötigte Kaufkraft abfließt. Denn wie sagte es schon das -damals noch objektive- Gutachten der Stadtforscher von Junkers und Kruse vor 11 Jahren:

„Die Ansiedlung von Einzelhandel, vor allem zentrenrelevantem Einzelhandel, im Bereich städtischer Einfallstraßen, vor dem Hin-tergrund der definierten Zielvorstellungen zur künftigen Einzel-handelsentwicklung, im Sinne einer geordneten Stadtentwicklung sowie zum Schutz bestehender Versorgungsbereiche, ist auszu-schließen. Dabei handelt es sich insbesondere um folgende Straßenzüge: Lindenstraße...“

Die von Experten befürworteten negativen Folgen durch das BvL-Center werden eintreten. Dabei werden natürlich aufgrund des Kaufkraftabflusses nicht die starken Innenstadtstandorte leiden sondern die schwachen B-Lagen, beispielsweise die Große Straße. Das belegt auch die Absage von Investor Hermann Klaas, der eigentlich mit Millionen Euro den überwiegend ungenutzten Sparkassenkomplex vitalisieren wollte und jetzt das Projekt aufgibt. Warum auch sollte er in dieses Vorhaben investieren, wenn OB Krone und seine politischen Unterstützer nicht einmal erkennen, wie sehr sie mit ihren Edeka-BvL-DM-Plänen dem Stadtzentrum allgemein und seinen Plänen im Besonderen zu Leibe rücken. Und was glaubt CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling, wird die Firma Netto tun? Glaubt er tatsächlich, dass das Unternehmen angesichts der kommunal subventionierten Edeka/DM-Lindenstraßenkonkurrenz á la „Klein-Ochtrup“ am geplanten Standort Reuschberge festhalten wird, wo der Kommunalpolitiker wohnt?

Das Ja zum BvL-Center ist kurzsichtig und aktionistisch, also das Gegenteil nachhaltiger Politik. Das geschieht unter der Ägide eines Oberbürgermeisters, der in seinen bisher fast 70 Monaten Amtszeit nicht viel  (man könnte auch schreiben nichts) Wegweisendes für unsere Stadt auf den Weg gebracht hat. Profitiert hat er in seiner Amtszeit vor allem von den Vorarbeiten seines Vorgängers. Sein Nachfolger wird jedenfalls auf Vorleistungen des jetzigen OB nicht zurückgreifen können.

3 Antworten to “„Klein-Ochtrup“”

  1. Michael said

    Den Ausführungen kann ich überhaupt nicht folgen.

    Nach Ratsbeschluss werden die Flächen für Spielwaren und Elektronik/Multimedia nicht vergrößert bzw. sogar verkleinert. Wo sollten da plötzlich Spiele-Max oder Media-Markt unterkommen, wo sie sich nicht auch im Ist-Zustand einmieten könnten (wenn es denn sinnvoll wäre)?

    Der neue Vollsortimenter wird ein Edeka sein und für „Konzessionäre“ stehen lediglich 130 m² zur Verfügung. Außerdem weitere 200 m² für Dienstleister – nichts, was die City angreift. Der Edeka wird in Konkurrenz treten zu Famila, REWE und Co., die ebenfalls alle außerhalb der City angesiedelt sind und die sicherlich keinen „Schutz“ durch den Rat brauchen.

    Auch weiß Netto natürlich lange um die Planungen bei BvL, dort sitzen sicher keine Ahnungslosen in der Planungsabteilung.

    Desweiteren „belegt“ eine Absage von Hermann Klaas überhaupt nichts. Dort geht es rein um ein Einzelinteresse. Warum ein Edeka, ein DM und die (bestehenden!) weiteren Flächen bei BvL plötzlich die über Jahre entwickelte Investitionsentscheidung für das Sparkassengebäude plötzlich gekippt haben, bleibt wohl sein persönliches Geheimnis. Ich halte die öffentlichen Aussagen für vorgeschoben und falsch.

    Dass es zunehmende Probleme für die Lingener und fast alle Innenstädte gibt, ist richtig. Die Planungen bei BvL haben damit aber rein gar nichts zu tun, sondern vielmehr die Unfähigkeit der Verantwortlichen (Kaufmannschaft, Städteplanern, Räten) kreativ, innovativ und zügig auf neue, digitale Zeiten zu reagieren.

    Über Veränderungen zu jammern und die Zeit anhalten zu wollen hat noch nie irgendwo geholfen.

    • Hans Schmidt said

      Ich finde es nicht sachlich, Michael, Herrn Klaas „Einzelinteresse“ zu unterstellen? Natürlich verfolgt Klaas eigene Interessen, wer macht das nicht? Aber Klaas‘ Interessen sind nicht gegen die Innenstadt gerichtet. Sie entsprechen denen der Innenstadt-Kaufleute.
      Ein „Einzelinteresse“ hat nur BvL, der sein Grundstück nach der Genehmigung wohl verkaufen dürfte.
      Dass die Planungen bei BvL nichts mit den Problemen der Innenstadt zu tun haben, ist reines Wunschdenken von Dir. Sie werden sie deutlich verschärfen.

  2. Dr.Horst von Duemling (ret) said

    Ich wünsche Familie van Lengerich viel Erfolg mit ihren Plänen und freue mich auf die neuen Impulse für die Lingener City! Erst shoppen bei BVL, dann in die Emsland-Arena und anschliessend im Looken-Inn übernachten. Wenn das nicht überregionale Gäste anzieht. Für die Grosse Strasse und den Sparkassenkomplex bietet sich doch eine Erweiterung der interkulturellen Nutzung an. Neben der Moschee, dem Internetcafe, dem dritte Welt Laden und den gut sortierten Geschäften für Handyzubehör und Computerspielen könnten sich doch noch weitere interessante Lokalitäten ansiedeln. Lingen fehlen eine Sushibar, traditionelle türkische oder arabische Restaurants, Barbiere, Teestuben und, und, und. Vielleicht sollte die Stadt über eine entsprechende Förderung von Existenzgründern in diesen Bereichen nachdenken, ich wäre dafür! Die Grosse Strasse könnte so zum neuen interkulturellen Herz Lingens werden!

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