Europa

28. März 2017

“Europe is not a market, it is the will to live together. Leaving Europe is not leaving a market, it is leaving shared dreams. We can have a common market, but if we do not have common dreams, we have nothing. Europe is the peace that came after the disaster of war. Europe is the pardon between French and Germans. Europe is the return to freedom of Greece, Spain and Portugal. Europe is the fall of the Berlin Wall. Europe is the end of communism. Europe is the welfare state, it is democracy,” Esteban González Pons (EPP) reminds us today [25th of March], on the 60th anniversary of the Treaties of Rome.

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28. März 2017

Das ist kein Fußballergebnis, was die geschätzte Leserschaft in der Überschrift lesen kann. Es ist das Abstimmungsresultat, mit dem gestern Nachmittag im Schulausschuss der Stadt ein Antrag des FDP-Mannes Jens Beeck (Foto lks) abgelehnt wurde, sofort zwei Doppelcontainer an der Lingener Friedensschule aufzustellen. Die einzige kommunale Schule für die Klassenstufen 5 bis 10 platzt nämlich aus allen Nähten. Das ist logische Folge der Schließung der Gebrüder-Grimm-Schule, bis vor drei Jahren zweite städtische Sekundarstufe. Denn nun konzentrieren sich 67 Flüchtlingskinder allein in der Friedensschule. Zum Vergleich: In der dem katholischen Bistum Osnabrück gehörenden privaten Marienschule sind es aktuell gerade einmal 15. Hinzu kommen inklusionsbedingt viele „Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf“.

Ein wenig unglücklich, so scheint mir, agierte in der Folge Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann auf die seit dem vergangenen Sommer bekannten Missstände. Sie versuchte, die Stadtverwaltung auf dem Dienstweg davon zu überzeugen, das etwas getan werden müsse, und scheiterte. Das ganze Thema wurde nämlich erst Ende Februar durch die Brandrede von Lehrervertreterin Magdalena Voß im Lingener Schulausschuss bekannt.

Dort beanstandete sie die beengte Raumsituation an der Friedensschule „auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen“. Obwohl die Schule baulich nur über 34 allgemeine Unterrichtsräume verfüge, unterrichte man derzeit 36 Klassen an der Schule. Ein Kursgruppenraum/Inklusionsraum sei daher zum Klassenraum umfunktioniert worden, ebenso einer von zwei Kunsträume. Eine weitere Teilung von Klassen sei bei der jetzigen Raumsituation nicht mehr möglich. Und wo sie gerade dabei war, auch das Lehrerzimmer sei für die jetzige Größe des Kollegiums viel zu klein und die Akustik dort viel zu schlecht.

Gestern nun machte sich der alarmierte Schulausschuss ein Bild vor Ort und alles war noch deutlich schlimmer. Die Mensa, erfuhren die Mitglieder des Gremiums, biete nur Platz für 48 Schüler, so dass mittags manche auf Tischtennisplatten essen müssten. 60 Lehrer brächten in den Pausen im kleinen Lehrerzimmer zu und müssten dann mangels Stühlen sogar auf Fensterbänken sitzen. Inklusionsklassen seinen in Geräteräumen und der Hausmeister habe seinen Raum verloren. Alles sei ausgesprochen beengt.

Allerdings hatte sich wohl Schulleiterin Ulla Maaß-Brüggemann im Vorfeld mit dem Angebot der CDU-Stadträte zufrieden gegeben, die (nur) zwei Mobilklassen wollten. Es war dann Ratsmitglied Jens Beeck (FDP), der bessere Nägel für klügere Köpfe machte und vier Mobilklassen („zwei Doppelcontainer“) forderte, prägnant die -geringen- Kosten pro Schüler ausrechnete und eine Abstimmung verlangte. Allerdings sah die Ratsmehrheit-CDU keinen Grund auf den Vorschlag einzugehen, selbst nach einer Sitzungsunterbrechung nicht, in der CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling die Seinen noch einmal auf Bruder Schmalhans einstimmte.

Dann wurde abgestimmt. Das war spannend, denn im Schulausschuss haben auch Eltern-, Schüler- und Lehrervertreter Sitz und Stimme, weshalb die CDU sich nicht -wie sonst- des Erfolgs ihres Vorschlags („zwei Container sollten reichen“) sicher sein konnte. Ausgerechnet die Elternvertreterin im Schulausschuss Dr. Karin Funke-Rapp verhinderte dann den Erfolg für die Schülerinnen und Schüler und stimmte mit der CDU, die Beecks Antrag ablehnte und dafür sieben Stimmen bekam. Die siebte Nein-Stimme war die von Elternvertreterin Funke-Rapp. Die mag eine kluge Frau „mit fundiertem journalistischen Hintergrund (ZDF, NDR, dpa und NHK/Tokio) sowie internationaler Arbeitserfahrung“ sein. Sie mag auch 1996 über die japanische Automobilwirtschaft („Die Investitionen japanischer Automobilhersteller in den ASEAN-Staaten: Eine empirische Studie über die Investitionen in Thailand unter besonderer Berücksichtigung des Transfers von Human Resour­ces Management Praktiken“) promoviert haben. Doch den Bedürfnissen der Schüler der Lingener Friedensschule, der Flüchtlingskinder dort und derjenigen, die von der Inklusion profitieren sollen, hat sie am Montagnachmittag einen wirklichen Bärendienst erwiesen und eine notwendige Zwischenlösung verhindert – aus welchen Gründen auch immer.

Hätte die Elternvertreterin nämlich für den Beeck-Antrag gestimmt, wäre der mehrheitlich angenommen und sofort geholfen worden. So half sie dem hart- und halbherzigen CDU-Vorschlag („Die Verwaltung soll zum kommenden Schuljahr eine Lösung finden…“) zur Mehrheit und und Beecks Antrag  scheiterte bei 6 Ja und 7 Neinstimmen.

Zusatz:
Elternvertreterin Dr. Karin Funke-Rapp hat mir inzwischen mitgeteilt, sie habe so entschieden, weil seitens der Schulleitung der Friedensschule kein schlüssiges Container/Schulhof-Konzept vorgelegt wurde: „Einen ohnehin beengten Schulhof mit Container zuzustellen, kann nicht die Lösung sein.“

(Foto: Jens Beeck, via twitter)