zweierlei Recht

28. Februar 2017

In Lingen gibt es jetzt zweierlei Recht. Da war vor knapp einem Jahr der ungesetzliche, gegen das Bundesnaturschutzgesetz und eine behördliche Anordnung durchgeführte „Kahlschlag“ auf dem Grundstück Villa Lühn an der Reuschberger Mühlenbachstraße. Sie erinnern sich an die große Aufregung, als innerhalb der Vegetationsperiode und gegen eine ausdrückliche Verfügung des Stadtbaurats vollendete Tatsachen geschaffen und 71 von 85 Bäumen gefällt wurden. Strafbar war das nicht, aber ordnungswidrig. Daher gab die prüfende Staatsanwaltschaft die Sache an die Stadt Lingen ab, die zuständig für die Verfolgung der Ordnungswidrigkeiten gegen das Bundesnaturschutzgesetz ist. Doch OB Krones Verwaltung wartet seither und hat (Stand: 21.2.17, 17 Uhr) immer noch kein formales Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Kurz gesagt: Sie drückt sich; denn gleichzeitig führt OB Krone mit dem Unternehmen Lühnbau größere Verhandlungen. Da passt ein Bußgeld wegen 71 Verstößen gegen das Bundesnaturschutzrecht nicht in den Kram. Deshalb liege ich wohl nicht mit der Annahme daneben, dass gar nichts mehr passiert. Vielleicht werden die Baumfäller und ihr Brögberner Unternehmen mit einer Geldbuße belegt, einer ausgesprochen maßvollen wahrscheinlich. Doch dem anstiftenden Auftraggeber des Kahlschlags wird nichts passieren. Er soll offenbar während der laufenden Verhandlungen nicht verärgert werden und darf daher den Sekt schon mal kalt stellen, dass alles geklappt hat.

RathausAuch die Verantwortlichen der Firma Rosen können sich zurücklehnen. Das für die Region wichtige Technologieunternehmen geht bisweilen -sagen wir- etwas hemdsärmelig vor und darf jetzt mit Erlaubnis der Stadt Parkplätze bauen – in einem durch Bebauungsplan geschützten Grünbereich. Weil nach dem Naturschutzrecht Bäume grundsätzlich nur bis Ende dieses Monats gefällt werden dürfen, war leider keine Zeit für eine Planänderung; die Parkplatzpläne seien „erst gestern eingetroffen“, hieß es. Doch Lingens Verwaltung zeigte sich kreativ-entgegenkommend. Das geschützte Grüngrundstück bleibt im Eigentum der Stadt; 16 von 64 vitalen Bäume werden gefällt („entnommen“ heißt das heute auf Verwaltungsdeutsch), alle anderen, den Parkplan störenden Bäume sind natürlich krank und kommen deshalb unter die Säge; wie viel genau blieb offen. Anschließend wird die Grünfläche mit „wasserdurchlässiger Schicht“ befestigt und siehe da: der neue, große Parkplatz für das Unternehmen ist fertig. Die Firma zahlt die Umnutzung des Grüngrundstücks und spart sich  baumfreundliche Alternativen, wie es eine Parkpalette hätte sein können.

Übrigens: Abstimmen konnten die Kommunalpolitiker über den Rechtsbruch (Verwaltungsdeutsch „Befreiung von den Festsetzungen des Beba7uungsplans“) nicht. Eher beiläufig informierte die Verwaltung darüber in nicht-öffentlicher Sitzung des (peinlicherweise nicht einmal zuständigen) Lingener Wirtschafts- und Grundstücksausschusses unter dem Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ und zwar in -Sie ahnen es- „nicht-öffentlicher Sitzung“, weil es ja doch etwas unangenehm ist, wenn so eine Fällaktion bekannt wird.  Diese, vom zuständigen OB Krone betriebene Verfahrensweise ist also auch eine Missachtung ehrenamtlicher Ratsarbeit. Schlimmer: Der Stadtrat präsentiert sich lächerlich hilflos. Den Dauersegen der CDU-Ratsmehrheit oder jedenfalls ihrer Fraktionsführung hat Krone dafür.

Beide Beispiele zeigen, wie OB Krone und seine Mannen unsere Lingener Selbstverwaltung, aber auch sich selbst zum Clown, den im Zweifel niemand mehr ernst nehmen kann. Denn wie will man eigentlich auf Augenhöhe mit Unternehmen und ihrer Führung zum Wohle der Stadt (ver-)handeln, wenn man derart unterwürfig agiert?

Offenbar hat die Ratshausspitze nicht bemerkt: Das Recht bleibt auf der Strecke; es gilt nämlich nicht mehr für alle. Die Verantwortlichen um unseren OB  machen das Recht beliebig. Man kann es sich –genug Geld vorausgesetzt- in Lingen inzwischen kaufen.

auch ohne Helene F.

27. Februar 2017

Alarm! Das letzte Helau? Das betrifft die Nachbargemeinde Lohne. Aber auch der Lingener Rosenmontag zuckt nur so eben noch. These: Der lokale Karneval schwächelt seit mindestens fünf Jahren so bedenklich wie die aktuelle Webseite der Lingener Karnevalisten [Heutiger (!) Aufmacher : Der Rosenmontagsumzug der Karnevalsvereinigung Lingen e. V. findet wieder am 8. Februar 2016 statt…]. Gäbe es ihn längst nicht mehr, wenn die Stadtverwaltung nachmittags nicht dienstfrei hätte? Inzwischen übrigens schon ab 12.30 Uhr. So gelangen die städtischen Mitarbeiter über den Zwischenstopp „heimischer Herd“ auch noch pünktlich in die hochprozentige emsländische K-Hochburg Emsbüren. Helau. Auch ohne Helene F.

litfasskarneval

Nö, ist er nicht.

26. Februar 2017

Polizei, Regierung, Bundesamt für Statistik, UN, WHO, Amnesty International – alle geschmiert. Twitter-User Luduan (wohl ein Bot, denke ich) hat seine eigenen Quellen. Wollen aber lieber geheim bleiben.

noeisternicht

(meine Quelle)

Fehlanzeige

25. Februar 2017

Vor einigen Tagen habe ich hier schon einmal Kritisches über die aktuelle polizeiliche Kriminalitätsstatistik geschrieben. Daran möchte ich anknüpfen, nachdem für mich ein taz-Artikel über rechte Gewalttaten in Niedersachsen die Frage aufwirft, was eigentlich dazu in unserer Region an Ems und Vechte festzustellen ist. Die taz sieht den Schwerpunkt in Ostniedersachsen und Hannover:

„Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr wieder leicht gestiegen. Ein Gewalt-Hotspot ist Braunschweig. Braunschweig liegt vorn. In keiner anderen niedersächsischen Stadt hat die Polizei im vergangenen Jahr mehr rechtsextreme Straf- und Gewalttaten dokumentiert. „Mit 145 polizeilich registrierten rechten Straftaten, davon 19 Gewalttaten, liegt Braunschweig an der Spitze der Statistik“, David Janzen, Sprecher des Bündnisses gegen Rechts. „Nie gab es in den letzten zehn Jahren in Braunschweig so viele polizeilich registrierte rechte Straf- und Gewalttaten wie im letzten Jahr.“

Knapp hinter Braunschweig liegen die Stadt Hannover und die Region Hannover mit jeweils 141 beziehungsweise 139 Straf- und Gewalttaten. Die Zahlen beruhen auf der Antwort des Landtags zur quartalsweise gestellten Anfrage der Grünen zu politisch motivierten Straftaten im Bundesland.

Erfasst werden Taten, bei denen Rassismus, Hass auf Ausländer und Andersdenkende eine Rolle spielen: Hakenkreuz-Schmierereien oder rechte bildschirmfoto-2017-02-24-um-23-27-42Hetze im Netz, aber auch Brandanschläge oder gewalttätige Übergriffe. Auch in Braunschweig gibt es das ganze Spektrum rechter Taten: Stolpersteine sind mit Hakenkreuzen beschmiert worden, die KZ-Gedenkstätte Schillstraße wurde mit rechten Symbolen verunziert und es gab gewalttätige Übergriffe…..“

[weiter bei der taz]

Nicht nur mich interessiert aber, welche Entwicklung hier bei uns die rechtsextremen Straf- und Gewalttaten genommen haben. Es gibt genug davon, mutmaße ich. Als entsprechende, weil rassistisch motivierte Straftat muss man beispielsweise die menschenverachtenden Luftgewehrschüsse auf Bewohner einer Lingener Flüchtlingsunterkunft oder die dreifachen Körperverletzungen und Freiheitsberaubungen einstufen, die es in der Notaufnahmeeinrichtung im Lingener Georgianum gegeben hat; über die darin verwickelten Wachleute hatte vor acht Tagen das Lingener Schöffengericht ein klares, nicht rechtskräftiges Urteil gesprochen. Aber was gab es noch?

Die Internetseits der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim schweigt bisher dazu und belässt es bei der Statistik 2015, wie der heutige Webseitenausriss oben belegt; 2016 ist Fehlanzeige. Dabei wird doch sonst durch die regionale Polizei tagein, tagaus jede noch so kleine polizeilicher Erkenntnis gemeldet und durch diese Art der Öffentlichkeitsarbeit müssen inzwischen die Menschen an Ems und Vechte fühlen, dass sie in einer Art krimineller Vorhölle leben, zumal auch jede, noch so zweifelhafte Anzeige wie ein feststehendes Dogma gemeldet wird. Allemal bleibt da die Einordnung der übergeordneten Polizeidirektrion von einem Rückgang der Kriminalität auf der Brüggemannschen Medienstrecke.

Ach schau‘:
In einem „Newsroom“ findet man doch ein wenig aktuelle  PI-Statistik als  Powerpoint-Präsentation. Doch auch sie gibt keinen Aufschluss über rechtsgerichtete Kriminalität. Gleichermaßen peinlich wie oberflächlich, finde ich.


The Up Town Four & Beverly Daley
The Lady is a Champ
Jazzfrühschoppen
Lingen (Ems) – Professorenhaus, Universitätsplatz 5/6
So 26.02.2017 – 11.00 Uhr

Karten 10 Euro (erm. 5 Euro)

Beverly Daley aus Jamaika und „The Up Town Four“ aus Essen mit Kompositionen von Edward „Duke“ Ellington, Count Basie, George Gershwin, Cole Porter, Fats Waller und anderen Großen der Jazz- und Musikgeschichte, die das Thema Frauen, Liebe, Leidenschaft und alles, was damit verbunden ist, zum Inhalt haben. Songs aus der goldenen Ära des swingenden Jazz; Songs, die zu Klassikern und Evergreens geworden sind und auch heute noch die Jazzfreunde begeistern.

Beverly Daley ist als Sängerin in der europäischen Jazzszene bekannt und gefragt und nimmt eine Spitzenposition ein. Sie hat einen temperamentvollen und persönlichen Stil entwickelt, wobei sie besonders von Ella Fitzgerald beeinflusst wurde. Beverly Daley scheut nicht den Kontakt mit dem Publikum, ganz im Gegenteil, sie sucht und findet ihn. Die Musiker von The Up Town Four – Stephan Aschenbrenner aus Wien, Werner Geck aus Iserlohn, Ralph Kleine-Tebbe aus Düsseldorf und Hans G. Laaks aus Essen – mit ihren Instrumenten Saxofon, Klavier, Kontrabass und Schlagzeug sind ein seit vielen Jahren harmonierendes Quartett, das sowohl individuelle Klasse als auch einen runden organischen Gesamteindruck vermittelt.

zunächst zerschlagen

23. Februar 2017

Darf die Öffentlichkeit erfahren, welche Personen hinter Briefkastenfirmen stehen? Wolfgang Schäubles Finanzministerium wehrt sich gegen die Veröffentlichung der Namen von wirtschaftlichen Eigentümern. Unterstützung kommt von Wirtschafts-Lobbyverbänden.

transparenzregister Viel Zeit bleibt nicht: Noch vor den Bundestagswahlen muss die Bundesregierung ein Transparenzregister beschließen, um nach Vorgaben der Europäischen Union im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung wirtschaftliche Eigentümer von Unternehmen zu sammeln. Die Umsetzung der dazugehörigen EU-Richtlinie, die eigentlich in der vergangenen Woche im Bundeskabinett beschlossen werden sollte, gerät jedoch ins Stocken.

Das liegt an einem Streit zwischen dem federführenden Bundesfinanzministerium (BMF) und dem Justizministerium (BMJV) sowie dem Auswärtigen Amt (AA). Kernpunkt des Konflikts: Während ein ursprünglicher Entwurf für das Gesetz vorsah, dass die gesamte Öffentlichkeit zumindest gegen Gebühr Zugriff auf die Daten hätte, machte das BMF in den letzten Wochen einen Rückzieher. Inzwischen will es Einsicht in die Daten nur noch Behörden und in Einzelfällen Organisationen und Personen gewähren, wenn sie ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen können.

Erfolgreicher Lobbyismus der Familienunternehmer

Der Sinneswandel des BMF geht offensichtlich vor allem auf eine Lobby-Intervention der Familienunternehmer zurück. Die hatten gewarnt, ein öffentlich zugängliches Register mit Daten von wirtschaftlichen Eigentümern mache Unternehmer „zu leichten Opfern für Datenmissbrauch, Entführung und Erpressung“.

In dieser Hinsicht würde das Register allerdings kaum einen Unterschied zur jetzigen Situation bringen. Schon jetzt können über Quellen wie das Handelsregister und Bonitätsauskünfte Daten von Unternehmenseignern ermittelt werden, vor allem von Familienunternehmern. Das Transparenzregister soll es vor allem möglich machen, Personen zu ermitteln, die sich hinter Briefkastenfirmen und anderen komplizierten Firmenstrukturen verbergen – also gerade denjenigen, die im Verdacht stehen, Steuerhinterziehung zu begehen sowie für Terrorfinanzierung verantwortlich zu sein.

Fällt Maas um?

Bisher hat sich das Justizministerium dafür eingesetzt, dass das Register für die Öffentlichkeit zugänglich wird, wenngleich der Zugang vermutlich immer noch kostenpflichtig wäre und Einsicht in einzelne Datenblätter etwa 4,50 Euro kosten würde. Außerdem würde wohl der Zugriff aufs Register „aus Datenschutzgründen“ protokolliert werden, was gerade im Zusammenhang mit journalistischen Recherchen problematisch erscheint.

Es ist jedoch unklar, ob sich das Ministerium von Heiko Maas mit seiner vergleichsweise transparenteren Linie gegen den Koalitionspartner durchsetzen wird. Soll das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden, müsste es voraussichtlich am kommenden Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.

Die Aussicht auf ein Transparenzregister, das wie in Bulgarien, Dänemark, Ukraine und Großbritannien als Open Data veröffentlicht wird, hat sich zunächst zerschlagen. Trotz des Beitritts zur Open Government Partnership nutzt Deutschland damit nicht die Chance, mit einer Öffnung der Daten ein klares Zeichen für mehr Kontrolle von Geldwäsche zu setzen – zumal es selbst als eine der großen Steueroasen innerhalb der EU gilt.

(Text von netzpolitik.org, Creative Commons BY-NC-SA 3.0.; Foto: Jakob Huber/Campact. CC BY-NC 2.0)

In der vergangenen Woche hat sie zusammen mit dem „Silk Road Ensemble“ einen Grammy gewonnen: Dima Orsho – die syrische Sängerin ist vielen Morgenland Festival Besuchern bekannt. Seit Jahren ist sie in verschiedenen Konstellationen aufgetreten, sei es mit der Morgenland All Star Band, dem Morgenland Chamber Orchestra oder mit dem Ensemble Hewar, das sie gemeinsam mit Kinan Azmeh und Issam Rafea in Damaskus gegründet hat.

Ihr Werk „Those Forgotten on the Banks of the Euphrat“ ist im vergangenen Jahr in Osnabrück uraufgeführt worden und hat das Publikum begeistert. Aus diesem Grund hat die ‚Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück‘ die Ausnahmemusikerin eingeladen, ein Sonderkonzert in der Friedensstadt zu gestalten. Seit Montag ist die mittlerweile in Chicago beheimatete Dima Orsho zurück in Osnabrück und studiert zusammen mit fantastischen Sängern und Solisten sowie dem Osnabrücker Jugendchor und dem Osnabrücker Bassisten Andreas Müller ein Programm für das jährliche Morgenland Festival Sonderkonzert ein. Von Osnabrück geht es weiter in die Elbphilharmonie nach Hamburg für mehrere Konzerte im Rahmen des Festivals Salam Syria.

Das Sonderkonzert ist eine Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück.

For those Forgotten
Sonderkonzert des Morgenland Festival Osnabrück
Sonntag, 26.2.2017
Kleine Kirche am Dom
18.00 Uhr

Karten 18,00€, ermäßigt 12,00€ (zuzüglich Vvk-Gebühren)

Fakenews

22. Februar 2017

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„Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast“ ist ein Zitat, welches in kaum einem Artikel über Statistiken fehlt.  Es soll vom ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill stammen, was aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stimmt. Es ist auch egal, von wem das Zitat stammt. Denn es gibt neue Fakenews aus dem Emsland und die betreffen die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS):

Wie zu jedem Jahresbeginn nämlich stellte die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim ihre Polizeiliche Kriminalitätsstatisik des vrgangenen Jahres vor. In einem Pressegespräch. Man muss zunächst wissen, dass es im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim rund 460.000 Einwohner gibt, die in rd. 175.000 Haushalten in den Landkreisen Emsland (ca 122.000) und Grafschaft Bentheim (ca 53.000) leben. Da sind die 641 angezeigten Wohnungseinbrüche nicht viel, betreffen sie doch nur etwa 0,5 % der emsländischen Haushalte. Keine Frage: Wohnungseinbrüche sind ärgerlich und manche Menschen sind auch schwer getroffen, wobei ich selbst zwei, drei Mal Opfer solcher Straftaten war und mich vor allem darüber geärgert habe, dass es Einbrechern überhaupt gelungen war, in meine Wohnung zu kommen.

Apropos geärgert. Geärgert habe ich mich über einen kleinen polizeilichen Trick in der gestrigen Presseberichterstattung der Lokalzeitungnämlich über diesen hier:

Mit treuherzigen Augen, nehme ich an, frickelten die beiden Polizeibeamten Brüggemann und Defayay gegenüber der Presse nämlich eine Erklärung zurecht, die falsch ist. Die Statistik bei Wohnungseinbruchdiebstählen, erklärten sie, sei zwar rückläufig, doch in Wahrheit gebe es einen Zuwachs, sagten sie und setzten hinzu: „Wir haben noch rund 100 Fälle in der Bearbeitung, die in der Statistik nicht auftauchen“. Da sagt sich jeder Zeitungsleser: „Dann sind es ja nicht 80 Taten weniger als 2015 sondern rund 20 mehr.“ Er lehnt sich zurück, denkt „Siehste, also doch!“ und verdächtigt im Zweifel Osteuropäer, Geflüchtete oder andere Fremde, bei denen man ja nie weiß… usw. usf.

Bloß: Auch Ende 2015 waren „noch rund 100 Fälle“ (oder 10, 20 weniger oder mehr) in der Bearbeitung – genauso wie 2014 und 2013 und 2012 und 2011 und 2010 und und und. Jede Kriminalitätsstatistik wird zum Stichtag 31.12. erstellt, immer zum Jahresletzten. Dass also Diebstahlsakten noch auf dem Schreibtisch liegen, nicht an die Staatsanwaltschaft abgegeben sind und daher nicht in der PKS auftauchen, hat es immer gegeben.

Denn die amtliche Statistik erfasst die Straftaten erst, wenn die Ermittlungsakten an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden. Die Aktualität der PKS wird daher durch Straftaten mit langer Ermittlungsdauer gemindert. Diesen Effekt und seine statistischen Folgen gibt es aber, seitem es die PKS gibt -meines Wissens nach seit 1971. Immer derselbe statistische Effekt durchzieht seit 45 Jahren alle polizeilichen Kriminalitätsstatistiken.

Brüggermann und Defayay sollten sich also vielleicht besser mit der niedrigen Einbruchdiebstahl-Aufklärungsquote (25%) befassen, für die sie Verantwortung tragen. Wie wär’s daher mit dem Griff an die eigene Nase und die selbstkritisch gestellte Frage: Was können wir als Polizei tun, um die Aufklärung zu verbessern. Übrigens: Das wäre durchaus auch anwaltsfreundlich… 😉

Journalist Wilfried Roggendorf, mit dem die beiden Polizeibeamten Brüggemann und Defayay sprachen, hat den Fehler der polizeilichen Erklärungen offenbar nicht bemerkt. Dabei war er doch schon in seiner Zeit als Schiedsrichter ein konsequentes, -im wahrsten Sinne- pfiffiges Kerlchen. Doch dass er den polizeilichen Taschenspielertrick nicht erkannte, wird ihn ausgesprochen ärgern. Da bin ich mir sicher.

RTL-Absage

21. Februar 2017

Das sorgt in den benachbarten Niederlanden knapp vier Wochen vor den Parlamentswahlen  für Schlagzeilen:

Die für den 26. Februar geplante RTL-Wahldebatte wurde abgesagt, weil sowohl die [konservative] VVD als auch die [rechtspopulistische] PVV nicht mehr daran teilnehmen wollten. Anfänglich hatte RTL zugesagt, nur die vier in den Wahlumfragen am besten abschneidenden Parteien einzuladen. Weil aber die Unterschiede zwischen D66, CDA und GroenLinks in den Umfragen so gering waren, dass sie unter die Fehlertoleranz fielen, hatte RTL beschlossen, sie alle drei einzuladen. Hierdurch fühlten sich sowohl Geert Wilders als auch koenvossenMark Rutte, die keinerlei Bedarf an noch mehr Konkurrenten hatten, vor den Kopf gestoßen. „Dann kann ich schön Karneval feiern“ twitterte Wilders bereits. Zwei Tage später beschloss RTL, die Wahldebatte doch stattfinden zu lassen, allerdings ohne Beteiligung von PVV und VVD.

Alle Parteien messen der RTL-Wahldebatte, die bei den letzten Wahlen immer die erste große Fernsehdebatte zwischen den wichtigsten Parteien war, eine große Bedeutung bei. Es hat sich in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt, dass diese Wahldebatte eine enorme Wirkung auf die Popularität eines Kandidaten haben kann. So hinterließ der PvdA-Vorsitzende Wouter Bos 2003 bei der RTL-Wahldebatte einen starken Eindruck. Nach der Sendung wurde er von einer Gruppe von Kommentatoren überall als der große Sieger betrachtet, wodurch seine Popularität  einen kräftigen Aufschwung verzeichnen konnte. Ein solcher Aufwärtstrend wird dabei noch einmal verstärkt, weil viele Wähler gerne für Sieger stimmen (der so genannte „Bandwagon-Effekt“).

Die RTL-Wahldebatte kann auch die umgekehrte Wirkung haben. Im Jahr 2012 machte Emil Roemer hier keinen besonders starken Eindruck: Der SP-Vorsitzende schien nicht alle Zahlen gut zu kennen und ließ sich von dem gewitzten Debattierer Rutte die Butter vom Brot nehmen. Damit war der Vormarsch, den die SP in den Umfragen erlebt hatte, abrupt beendet. Die Partei fiel in den Umfragen zurück, woraufhin viele Wähler das sinkende Schiff verließen. Viele von ihnen stiegen auf die PvdA von Diederik Samson um. Dieser hatte bei der RTL-Debatte gerade einen überraschend starken Eindruck hinterlassen und erhielt auf einmal Aufwind. Die PvdA, um die es zu Beginn des Wahlkampfs des Jahres 2012 dramatisch bestellt war, ging völlig unerwartet als einer der großen Sieger aus der Wahl hervor.

Die Tatsache, dass Wahldebatten einen so großen Einfluss haben, zeigt, dass viele niederländische Wähler bis zum letzten Augenblick zwischen verschiedenen Parteien zweifeln. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die inhaltlichen Unterschiede zwischen Parteien wie dem CDA und der VVD auf der rechten oder GroenLinks, D66 und PvdA auf der linken Seite sind nicht übertrieben groß. In dieser Situation kann der Eindruck, den ein Kandidat bei den Debatten macht, den Ausschlag geben. So gesehen ist es nachvollziehbar, dass Rutte und Wilders beide beschlossen haben, nicht an der RTL-Debatte teilzunehmen. Beide Parteien wollen, dass die Wahlen auf eine Art Zweikampf zwischen Wilders und Rutte hinauslaufen. In diesem Fall werden viele Wähler möglicherweise für einen der beiden stimmen, um den jeweils anderen zu verhindern. Besonders Rutte hofft auf Stimmen von Wählern, die befürchten, dass Wilders mit der PVV die größte Kraft wird. Einer Untersuchung der Universität Amsterdam zufolge kann er dadurch sogar der D66 und GroenLinks Wähler abjagen.

Diese Strategie würde allerdings gefährdet, wenn es dem D66-Vorsitzenden Alexander Pechtold oder dem GroenLinks-Vorsitzenden Jesse Klaver während der RTL-Debatte gelänge, sich als die progressive Alternative zu profilieren. Die Entscheidung von RTL, fünf statt vier Parteien einzuladen, bot Rutte und Wilders so eine perfekte Entschuldigung dafür, ganz auf eine Debatte zu verzichten, in der sie mehr zu verlieren als zu gewinnen hätten. Jetzt, wo RTL beschlossen hat, die Debatte doch – nun aber ohne PVV und VVD – stattfinden zu lassen, war dies vielleicht doch die falsche Entscheidung.

 

>>Ein Beitrag von Koen Vossen (Fot) für NiederlandeNet<<

victor_petersenVictor Petersen – „Eine Frau Schau“
Lingen (Ems) –
Professorenhaus, Universitätsplatz 1
Do 23. Febr. 2017 – 20 Uhr
Eintritt: 15 € (erm. 7,50 €)

Luis Alberto Molina flüchtet sich aus seiner farblosen, tristen Gefängniszelle in die bunten und prächtigen Erinnerungen und Wunschvorstellungen, die von opulenten Opernsequenzen bis hin zu stillen Reflektionen seiner selbst reichen. Nahezu geschlechtslos, übertrieben und immer vom Herzen geleitet, spricht er mit seinem Zellengenossen, den Gefängniswärtern und seinen Zuschauern über sich selbst. Am liebsten aber spielt er selber die Hauptrolle in seiner ‘Frau Schau‘.

Victor Petersens Soloprogramm ‘Eine Frau Schau‘ (Regie: Timo Radünz) feierte im Frühjahr 2015 im Münchner Prinzregententheater seine Uraufführung und wurde von der Bayerischen Theaterakademie mit einer Auszeichnung versehen.

Musikalisch wird der Abend von Oresta Cybriwsky begleitet.