Rang 5

8. Januar 2017

RathausOK, OB Krone ist ein Verkäufer. Er verkauft vor allem sich. Heute beispielsweise beim Neujahrsempfang der Stadt in der Halle IV. Die meisten der 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben geglaubt, dass er das selbst geschaffen hat, was er als Leistungsbilanz vortrug.

  • Da gab es mindestens diese Dinge, die anzumerken sind: Der persönlich begrüßte Bernd-Carsten Hiebing ist nicht „unser Landtagsabgeordneter“. Der heißt Heinz Rolfes und kommt aus Clusorth-Bramhar, war aber nicht da.
  • Lingen ist nicht nach Oldenburg und Osnabrück die nächstgrößere Stadt in Weser-Ems. Da haben die Wilhelmshavener und auch die Delmenhorster etwas dagegen. Beide Weser-Ems-Kommunen bringen jeweils rund 20.000 Einwohner mehr auf die Bevölkerungswaage als unsere Stadt. Lingen ist also auf Rang 5.
  • Zweifelhaft erscheint auch Krones Aussage, wonach Lingen mehr Theaterabos habe als die Nachbarstädte Papenburg, Meppen, Nordhorn und Rheine zusammen. Ich hab‘ vergeblich ein wenig recherchiert, denn tatsächlich halten die anderen Städte ihre Abo-Zahlen seltsam unter Verschluss.
  • Wenn Krone schon ausdrücklich „die Unternehmer“ gleich mehrfach lobte, hätte es dem OB gut angestanden, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erwähnen, ohne die jeder Unternehmer und jedes Unternehmen nichts wäre.

Und dann die Plattitüde: „Ich habe überhaupt nichts gegen Kritik. Aber sie muss konstruktiv sein.“ So einleuchtend dieses Krone-Argument auf den ersten Blick klingt, so unklug und potenziell gefährlich ist es. Der durchsichtige taktische Schachzug: Der Kritisierte definiert die Bedingungen, unter denen Kritik zulässig ist, und macht sich zugleich zur höchsten Instanz in der Frage, ob die Kritik zulässig („konstruktiv“) war. Damit begibt sich der Kritisierende in die Hand des Kritisierten. Also: Ein rhetorisches Quatsch-Argument.

Vor allem aber fehlten der OB-Rede einmal mehr die Ziele und Perspektiven für das nächste Jahrzehnt. Wohin soll die Reise gehen? Sicherlich nicht zu neuen denkmalgerechten Fenstern im Bahnhof und einer neuen Wirtschaftsloge („mit verschiebbaren Wänden“) in der EmslandArena. Die zentralen Fragen sind: Was kommt nach 2022 und dem Ende der Atomkraft? Wie integrieren wir Zuwanderer?

Wie gesagt: OB Krone ist ein Verkäufer. Er verkauft vor allem sich. Ein Ziel hat er aber bisher nicht zu entwickeln vermocht, wohin sich Lingen entwickeln soll.

 

 

7 Antworten to “Rang 5”

  1. josche said

    Dem ist nichts hinzuzufügen und ich wünsche mir, dass die Lingener die Hinweise lesen oder auch erkannt haben.

  2. Olaf Schnieders said

    Abgesehen von den Fehlern finde ich es absolut in Ordnung, auf das zu blicken, was man geschafft und geschaffen hat. Jedes Unternehmen präsentiert stolz seine Referenzen. Krone glaubt sich sicher nicht selbst als alleiniger Macher aller Erfolge; vielmehr ist er doch so etwas wie der Manager dahinter. Und am Ende derjenige, der die Ergebnisse vorträgt. Ich persönlich freue mich über die Entwicklung dieser Stadt, in die ich vor 13 Jahren nach 15 Jahren Großstadt gern zurückgekehrt bin.
    Wer in Zeiten von Social Media, Shitstorms und Internetanonymität konstruktive Kritik einfordert, der tut nichts Unanständiges; es ist eine Frage des beiderseitigen Respekts. Viele derjenigen, die unkonstruktive Kritik äußern, sind weit davon entfernt, Kontexte zu erkennen und überblicken. Ihre Kritik kann entsprechend kaum etwas etwas bewegen. Soll man jedem anonym geraunzten „Find ich scheiße“ akribisch nachspüren, den Erklärbären vortanzen, um am Ende ein „Ach so, das wusste ich nicht“ zu ernten?

    • Andreas Sudowe said

      Respekt muss man sich verdienen: mit Ehrlichkeit, Vorbildwirkung und (wenn es sein muss) auch mit Selbstkritik. Wer in Bezug auf sich selbst schon nicht fähig oder willens ist, sich kritisch zu hinterfragen, der darf eben auch keine konstruktive Kritik einfordern. Da braucht es keinen Shitstorm, der Hr. OB hat sich wieder einmal selbst disqualifiziert. Wer es nötig hat, sich immer wieder mit Halbwahrheiten und Ungenauigkeiten (und teilweise auch auf Kosten anderer) selbst in den Vordergrund zu stellen, der darf sich nicht wundern, wenn es auch mal Gegenwind gibt. Aber da zeigt sich wieder, wo der Fisch am meisten stinkt. Lingen hat sich nun einmal diesen Mr. Wichtig als OB gewählt und der kann sich strecken wie er will, mit diesem Verhalten und seiner offensichtlichen Ignoranz wird Lingen immer provinziell bleiben, für mehr hat Hr. Krone eben nicht das Potential. Vielleicht wollen die LingenerInnen ja auch einfach nicht mehr als eine gemütliche Kleinstadt sein, auch ok, aber dann muss es irgendwer dem Hrn. OB auch mal sagen. Es ist doch wirklich lächerlich, (etwas überspitzt, aber nur etwas) im Sinne von „Wir sind bald die Größten“ zu argumentieren, das interessiert doch (fast) keinen; die Menschen zählen doch, die Menschen machen eine Stadt wie Lingen aus und nicht der feudalistische Lingener Politadel an der Spitze mit seiner Großmannssucht.
      Na, was sagen Sie jetzt Hr. Krone? War das konstruktiv genug? Nein? Dann haben Sie eben auch nicht mehr verdient!

  3. Heinz said

    Oh, Herr OB. Das ist aber dumm gelaufen. Vergessen hat der Herr Krone auch, zu erwähnen, dass die BP in Holthausen in 2016 über 100 Arbeitsplätze abgebaut hat.

  4. Andreas Sudowe said

    Aber, aber Heinz, das war jetzt aber wirklich zuviel der unsachlichen Kritik am Lingener Sonnenkönig! Wen interessieren schon Arbeitnehmer, die kosten nur Geld und stellen manchmal vielleicht auch noch Forderungen. Und was sind schon 100 optentielle Nichtwähler für den OB bei den tausenden ihm nachlaufenden Lingener Lemmingen?

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