Füttern? Füttern!

23. Oktober 2016

„Don’t feed the troll“ – so lautet eine alte Weisheit aus den frühen Internettagen. Im Grundsatz hat sie auch heute noch Relevanz: Netzkommentatoren mit einem Faible für Provokation oder dem Bedürfnis, ihren Frust an anderen zu entladen, drehen dann so richtig auf, wenn sie Beachtung erfahren. Auf Trolle nicht weiter einzugehen, kann somit ein Ansatz sein, um sich Zeit, Ärger und schlechte Laune zu ersparen.

Doch angesichts einer um sich greifenden Polarisierung in der digitalen Welt hat das Nichtreagieren auf Trolle einen enormen Nachteil: Der fehlende Widerspruch auf hetzerische, pöbelnde und populistische Parolen produziert ein verzerrtes Gesamtbild. So werden aus Minderheitsmeinungen für den flüchtigen äußeren Beobachter, für Journalisten und Politiker, aber auch für die Trollenden selbst scheinbare Mehrheitsmeinungen. Erst recht, seit immer mehr Social Bots [mehr hier…] in den Debatten bei Facebook und Twitter mitmischen.

Ein verlässliches Bild davon, wie viele Personen tatsächlich hinter einer extremen Position und dem dazugehörigen Hashtag stehen, lässt sich ohne tiefgehende Analysen kaum erhalten. Bots, Trolle aus Fleisch und Blut (teilweise mit mehreren Accounts) sowie Sympathisanten und Mitläufer agieren in gemeinsamer Mission und schaffen es teilweise, mit fragwürdigen Standpunkten, Desinformation und der Verbreitung falscher Fakten alle moderaten Anwendergruppen zu übertönen.

Trollen widersprechen, ohne sie überzeugen zu müssen

Das Ausbleiben konfrontierender Reaktionen wird in einer solchen Umgebung zum Problem. Bislang sind es primär einige wenige Aktivisten und Einzelkämpfer, die sich mit Trollen anlegen. Doch die breite, die Extrempositionen der Populisten und Radikalen nicht teilende Netzöffentlichkeit kann etwas tun: Sie kann aufhören, die Trolle* zu ignorieren, und sie stattdessen zur Rede stellen.

Wohlgemerkt nicht mit…

[weiter bei t3n.de]

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