Emsland 42,3

29. Juni 2016

Alter! Das Magazin brand eins analysiert das deutsche Durchschnittsalter so:
Im Osten: viel rot. Und im Westen: gelb-grün. Im Emsland 42,3.
Warum das so ist, erklärt der Bevölkerungsforscher Reiner Klingholz.

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„Ohne Zuwanderung würde Deutschland längst schrumpfen“

Herr Klingholz, was sehen Sie als Experte auf der Karte, was ein Laie eher nicht sieht?

Zunächst könnte man denken: Dort, wo es rot ist, werden die Menschen besonders alt, weil die Lebenserwartung hoch ist. Aber das ist nicht der Fall.

Sondern?

Die roten Gebiete sind meist Abwanderungsregionen. Im Osten Deutschlands befinden sie sich in peripheren Regionen, also dort, wo die großen Städte weit entfernt sind: Das sind etwa die südlichen Teile von Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Im Westen Deutschlands gibt es diese Regionen auch, wenn auch weniger stark ausgeprägt: in der Südwestpfalz, an der tschechischen Grenze von Bayern, in Oberfranken, im Saarland oder im Ruhrgebiet.

Wie wird eine Region zu einer Abwanderungsregion?

Wenn junge Menschen wegziehen, weil sie nach der Schule eine Ausbildung suchen, auf eine Universität gehen wollen oder nach der Ausbildung einen Job suchen. Wenn Regionen schrumpfen, verlieren sie immer zuerst die jungen Leute. Übrig blieben die älteren, vor allem die im Rentenalter.

Und wohin zieht es die jungen Leute?

Meist in Universitätsstädte. Im Osten nach Dresden, Jena, Leipzig, Erfurt oder Berlin. Im Westen nach Münster, Tübingen, Heidelberg oder Marburg. Die Ausnahme bilden die Kreise Cloppenburg und Vechta, das sogenannte Oldenburger Münsterland. Diese Region hat seit vielen Jahren eine der höchsten Geburtenraten in Deutschland und einen gut funktionierenden Arbeitsmarkt, der die Leute vor Ort hält. Und selbst junge Leute, die woanders studieren, kommen häufig zurück. Außerdem leben dort viele gläubige Protestanten aus der ehemaligen Sowjetunion, die traditionell viele Kinder bekommen. Diese Russlanddeutschen haben die Geburtenrate nochmals erhöht und das Durchschnittsalter somit gesenkt….

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Haft wg Probleme machen

29. Juni 2016

@wickedonnaaWer in der Volksrepublik China Arbeiter und Arbeiterinnen bei Protesten und Aktionen unterstützt, wandert ins Gefängnis. Das weiß man nicht erst seit Dezember 2015. Wer über Proteste und Aktionen berichtet – auch, das weiß man nun spätestens seit zwei Wochen. Lu Yuyu und seine Partnerin Li Tingyu sind seit Mitte Juni im Gefängnis unter der „Anklage“, Probleme zu machen (provoking troubles), weil sie seit einigen Jahren über solche Ereignisse in der VR China berichten. Dasselbe Vorgehen wurde früher beim Verteilen von Flugblättern benutzt. Für die Freilassung der beiden gewaltfreien Blogger hat Amnesty International eine Kampagne („urgent action“) gestartet. Dazu aktuell:

[Quelle: Labournet.de]

schwer und intensiv

29. Juni 2016

Bachmannpreis16Der Schriftsteller Burkhard Spinnen eröffnet heute den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann von ihrer Geburtsstadt Klagenfurt (Kärnten) gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Veranstaltung Tage der deutschsprachigen Literatur verliehen.  Spinnen war sieben Jahre lang Juryvorsitzender des Lesewettstreits und hält unter dem Titel „Grand Tour durch das Nähkästchen eines Veteranen oder: 15 Mal Bachmann-Preis“ die traditionellen Klagenfurter Rede zur Literatur.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt sind der bedeutendsten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Sie  finden in diesem Jahr bis zum 3. Juli statt und feiern gleich zwei Jubiläen: 2016 wäre nämlich die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 90 Jahre alt geworden, und der nach ihr benannte Preis wird 2016 zum 40. Mal vergeben. 14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Serbien, Türkei, Israel und der Schweiz lesen bis kommenden Samstag um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis, der am 3. Juli vergeben wird.

Die Zuhörer selbst können via Internet den Publikumspreis in Höhe von 7.000 Euro vergeben. Außerdem vergibt 3sat, der werbefreie Gemeinschaftssender von ZDF, ORF, SRG und ARD, an „ein vielversprechendes Talent aus dem Kreise der zum Klagenfurter Wettbewerb eingeladenen Autorinnen und Autoren“ den mit 7.500 Euro dotierten 3sat-Preis.

Direkt nach Burkhard Spinnens Eröffnungsrede wird übrigens die Le­sereihenfolge der eingeladenen Autorinnen und Autoren ausgelost. Alle sich in den folgenden Tagen anschließenden Lesungen überträgt 3sat live bzw. per Livestream: Am Donnerstag (30.6.) und Freitag (1.7.) jeweils von 10.00 bis 15.30 Uhr, am Samstag (2.7.) von 10.00 bis 14.00 Uhr. Die Schlussdiskussion mit der Preisverleihung zeigt 3sat am kommenden Sonntag von 11.00 bis 12.00 Uhr. Beim Wettbewerb zugelassen sind übrigens ausnahmslos unveröffentlichte deutschsprachige Prosatexte mit einer maximalen Lesedauer von 25 Minuten.

Eine der im Wettstreit  lesenden Autoren ist in diesem Jahr die in Osnabrück lebende, in Hannover geborene Ada Dorian. Die studierte Literaturwissenschaftlerin liest auf Einladung der Jurorin Hildegard E. Keller.  Ada Dorians Romandebüt „Betrunkene Bäume“ erscheint 2017 bei Ullstein.

Ada Dorians Texte sind schwer und intensiv, schreibt der NDR. Sie sei kein Fan der Heiterkeit, erklärt die 34jährige über sich selbst und sagte dem NDR: „: „Ich würde mich selbst als optimistische Melancholikerin bezeichnen. Ich glaube, dass meine Texte ganz viel Mut machen, aber inhaltlich rückwärtsgewandt sind und sehr nachdenklich. Sie werden in meinen Texten keine Explosionen und keine Witze finden.“ Im Vorfeld der Veranstaltung hat die Niedersächsin wie die anderen Kandi­daten eine persönliche Visitenkarte in Form eines rund 2-minütigen Videoporträts eingereicht.

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