Gegenentwurf

5. Juni 2016

Das lokale Brauchtum kennt also doch noch anderes als fliegende Drohnen. Zweifelsfrei sehen wir den Lingen-Damaschkaner Gegenentwurf hierzu. Obwohl, die Deichkönigin hätte auch jetzt wahre Freude…

weitgehend sachlich

5. Juni 2016

NOZ_ÖzdemirpassageDie politische Einseitigkeit der Neuen OZ ist bekannt. Wie tief die Voreingenommenheit geht, ist nicht selten an vermeintlich kleinen Auslassungen zu sehen. Hier ein Beispiel aus der vergangenen Woche:
Am Donnerstag beschloss der Deutsche Bundestag eine –seit langem überfällige, richtige – Entschließung zum, 100 Jahre zurück liegenden Völkermord an den Armeniern durch das osmanische Reich und zur Rolle der Deutschen dabei; die Türkei schäumt deshalb seither. Über die Entschließung berichtete Redakteurin Beate Tenfelde in der NOZ; die wesentliche Rolle des -türkischstämmigen- Grünen Cem Özdemir beim jetzigen Zustandekommen der Entschließung ließ sie dabei unerwähnt (Ausriss lks), wiewohl über Özdemirs Urheberschaft und Mut zeitgleich DIE WELT „Teşekkürler, Cem Özdemir, für Ihren großen Einsatz“ titelte.

NOZ-Leser Heribert Lange reagierte darauf und  so gab es dann diesen kurzen, bemerkenswerten Briefwechsel. Lesen Sie selbst:

Sehr verehrte Frau Tenfelde,
Ihre Berichterstattung über die gestern vom Bundestag endlich beschlossene Armenien-Resolution („Völkermord“) ist umfänglich genug, um darin allen Aspekten dieser Debatte und ihrer Akteure gerecht werden zu können. Ersichtlich wird dieser, offenbar auch Ihnen nicht ganz unwichtige Ansatz aus dem letzten Absatz auf Seite 3, in dem Sie sachgerecht und zutreffend darauf hinweisen, wer diese Debatte im vergangenenen Jahr verhindert bzw. in die Ausschüsse verwiesen hat und wer dafür gesorgt hat, dass sie dann wenigstens in diesem Jahr wieder aufgenommen wurde – Joachim Gauck nämlich und Norbert Lammert.
Nachgerade wundersam mutet deshalb aber an, dass Sie den Initiator dieser nun endlich zustande gekommenen Resolution mit keinem Wort erwähnen, vielleicht ja auch, was nicht für Ihre allerbeste Recherche spräche, nicht einmal kennen. Das war nämlich der (Co-)Chef der Grünen Cem Özdemir – was insofern von Bedeutung und nicht ohne Hintersinn ist, als er ein Mensch mit, wie man heute zu sagen pflegt, Migrationshintergrund ist. Auch hat er dafür gesorgt, dass die passive Mittäterschaft des damaligen deutschen Kaiserreichs (durch Wegschauen) in den Blick der Öffentlichkeit gerückt wurde und damit der historische Diskurs erweitert und befördert werden konnte.
Würden Sie in Ihrer Berichterstattung die AfD das eine oder das andere Mal unerwähnt lassen, wäre das wahrscheinlich auch nicht richtig, aber erträglicher. In diesem Fall nehme ich zugunsten Ihres Blatts nun an, dass Sie lediglich einen Bock geschossen haben, aber keineswegs Informationsunterdrückung zu Lasten einer Person oder einer Partei oder gar Ihrer Leserschaft betreiben wollten.
Mit freundlichem Gruß!
Heribert Lange

Beate Tenfelde reagierte schnell und kurz:

Sehr geehrter Herr Dr. Lange,

danke für Ihre weitgehend sachliche Mail. Sie haben Recht, Cem  Özdemirs Rolle verdient besondere Würdigung. Das ist gestern unterblieben, an anderer Stelle aber geschehen (angefügt ein Beispiel).

Mit freundlichem Gruss

Beate Tenfelde

Und Heribert Lange, der bekanntlich insbesondere in seiner Funktion als Vorsitzender des JudenChristen eV so etwas wie das moralische Gewissen unserer Stadt verkörpert, antwortete:

Sehr verehrte Frau Tenfelde,

vielen Dank für Ihre freundliche und vor allem schnelle Rückäußerung. Zu mehr als dazu taugt Ihre Rückäußerung allerdings nicht. Sie belegt, insbesondere Ihr Hinweis auf den früheren Artikel vom 23. 04.15, dass Sie’s wussten bzw. wissen konnten, rechtfertigt aber keinesfalls, Herrn Özdemir in Ihrer aktuellen Berichterstattung unterzumangeln.

Deshalb bin ich leider nicht in der Lage, meine Kritik zurückzunehmen oder vielleicht zu relativieren, zumal Ihre Angaben nunmehr doch nur bestätigen, dass Sie eben doch nicht einfach nur einen Bock geschossen haben.

Die Presse sollte eigentlich bessere Beispiele und Belege für die freie und unvoreingenommene Berichterstattung liefern, vor allem die Leute in den Redaktionen der Zeitungen, um so die Notwendigkeit und vor allem das Grundrecht der Pressefreiheit überzeugender zu belegen und dafür zu arbeiten.

Sei’s drum!

Freundliche Grüße!

Heribert Lange

Der Vorgang mag klein erscheinen. Ich erwähne ihn gerade deshalb, weil eben immer wieder genau hingesehen werden muss, wenn die Presse, unsere so wichtige 4. Gewalt, vermeintlich objektiv berichtet, es tatsächlich aber nicht macht. Dafür ist das geschilderte Beispiel ein Lehrstück. Ein Dankeschön dafür an Heribert Lange; denn er hat genau hingesehen.

9 Jahre

5. Juni 2016

FriesenbrückeAm Abend des 3. Dezember 2015 rammte ein Frachtschiff das geschlossene Klappteil der Friesenbrücke zwischen Weener und Westoverledingen und zerstörte so die Eisenbahnbrücke, die auch für Fußgänger- und Radfahrer einen Weg über die Ems ermöglichte. Seither kann die Friesenbrücke nicht mehr genutzt werden und das wird noch lange der Fall sein. Ein notwendiger Neubau wird inklusive Planung, Planfeststellung und Bauausführung mindestens fünf Jahre dauern. Das sagten die Leute der Bahn sofort nach dem Unfall und lehnten sich bequem wieder zurück. Die niederländischen Nachbarn rieben sich ob dieses Zeitraums fragend die Augen. Nachdem Bahnchef Rüdiger Grube vor einigen Wochen in Emden „fünf Jahre sind viel zu lang“ gesagt hatte,  konterte ihn jetzt seine betuliche Belegschaft aus: Es kann auch 9 Jahre dauern, meinte der zuständige Bahn-Mann Gerd Matschke  (Titel: „Leiter der Regionalnetze Nord der Deutschen Bahn“). Offenbar noch 9 Jahre – für eine Brücke.

Und dann meldete der NDR noch diese kleine freche Bemerkung eines der betulichen Bahn-Herren auf den Bürgerversammlungen am Donnerstagabend, die zeitgleich auf beiden Seiten der Ems stattfanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die „Planungen auch so lange gedauert“, das wisse aber keiner mehr. Das behauptet er nur. Richtig geplant wurde nämlich erst, als das Geld da war und nicht schon 1945.

„Die heutige Friesenbrücke“, lese ich unterdessen auf wikipedia, „ist das zweite Brückenbauwerk an dieser Stelle. In den Jahren 1874 bis 1876 wurde zunächst ein 345 Meter langes Brückenbauwerk mit einer integrierten Drehbrücke über die Ems errichtet. Diese Vorgängerbrücke ersetzte man in den Jahren von 1924 bis 1926 durch eine stählerne Fachwerkbrücke mit einer Rollklappbrücke über der Schifffahrtsöffnung. Errichter der Brücke war das MAN Werk Gustavsburg. Das Bauwerk besteht seitdem aus sechs Abschnitten mit jeweils rund 50 Meter Stützweite und einer Klappbrücke mit 30 Meter Spannweite. Mitte April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, sprengten Wehrmachtsoldaten die Brücke. Von 1950 bis 1951 wurde sie in gleicher Form wieder aufgebaut.“

Mich erinnert all dies an die Meldungen in der letzten Woche, der neue Gotthardtunnel in der Schweiz werde erst wirklich für Entlastung im Güterverkehr sorgen, wenn die 182 Kilometer lange deutsche Zubringerstrecke Karlsruhe-Basel komplett ausgebaut ist: also „etwa 2034“, oder dass der Bahnhofsneubau in Stuttgart („S21“) länger dauert und mal eben eine halbe Milliarde Euro teurer wird.

Es stellt sich die Frage: Wo klappt eigentlich überhaupt noch etwas bei dieser trägen Groß-Organisation? Liegt nicht nahe, dass die Herrschaften der Bahn ihren Job nicht können oder ihnen diese Projekte gleichgültig sind? Beispielsweise in persona Gerd Matschke? Es zieht sie ja niemand zur Rechenschaft, auch wenn’s 9 Jahre dauert. Also sollte umgehend ein Festpreisauftrag für Planung und Bau einer neuen Brücke ausgeschrieben, dann ein internationales Unternehmen beauftrag werden. Das geht in echt, wenn man will.

(Friesenbrücke, Foto Martina Nolte, Creative Commons by-sa-3.0 de)