Stadhuiskwartier

4. Mai 2016

Tatverdächtige müssen bekanntlich ihre Fingerabdrücke bei der Polizei abgeben, inzwischen jedermann auch bei der Einreise in die USA oder beim Freischalten seines iPhone. Die Bürgerinnen und Bürger im benachbarten Deventer an der Ijssel können ihre Fingerabdrücke seit kurzem auf der Fassade des neuen, vor ein paar Tagen eröffneten Rathauses wiederfinden. Vielfach vergrößert hat die niederländische Künstlerin Loes ten Anscher 2.264 einzigartige Fingerabdrücke in Aluminium gegossen und in Eichenholz gerahmt.  Bei Nacht verleihen sie dem von Architect Michiel Riedijk (Neutelings Riedijk Architectenentworfenen Gebäude eine goldig-warme Aura, schreibt BauNetz.

Mit dem Rathaus-Projekt in Deventer haben die bekannten Rotterdamer Architekten einen fast vollständig neuen Baukörper geplant (Video unten), der sich trotz seines Volumens perfekt in die historische Altstadt einfügt. Nur 4.000 Quadratmeter des insgesamt 24.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudekomplexes macht der vorhandene denkmalgeschützte Bestand aus.

Das in der Planungsphase außerordentlich umstrittene Rathaus füllt fast einen ganzen Block in der Altstadt („Stadhuiskwartier“), organisiert sich um zwei Innenhöfe und schafft gleichzeitig mit dem „Mayor’s Square“ einen zusätzlichen überdachten Platz. Mehrere öffentliche Wege führen durch die Erdgeschosszone und verbinden die Innenhöfe mit zwei wichtigen öffentlichen Plätzen den „Grote Kerkhof“ und den Brink-Platz. Der Neubau knüpft damit an die historisch gewachsenen Stadtstrukturen Deventers mit ihren Gärten, Plätzen, verbindenen Pfaden und Wegen an.

Im Inneren wechseln sich öffentliche mit privaten Räumen ab und sind auch in ihrer Materialität verschieden. Robuste Materialien und einfache Details charakterisieren die öffentlich zugänglichen Bereiche. Boden, Wände, Säulen und Deckenpaneele sind entweder aus Beton gegossen oder aus schwerer Eiche gezimmert.

Die Eröffnung des Neubau für die ehemalige Hansestadt (einschließlich eines beeindruckenden Ratssaals) mit inzwischen fast 100.000 Einwohner war ein halbes Jahr später als geplant. Es kostete mehr als  65 Mio Euro und damit übrigens nominal etwa fünf Mal mehr als vor 20 Jahren die Rathausrenovierung in unserer halb so großen Stadt. Allemal unterstreicht es, wie wichtig qualitätsvolle Architektur im Zentrum einer Stadt ist. Bei uns gibt es da noch reichlich Nachholbedarf – nicht zuletzt wegen der von 2006 bis 2014 andauernden grandiosen Fehlbesetzung im Amt des Stadtbaurats.

Geplant sind in Lingen für die nächsten zehn Jahre  u.a. die Randbebauung des Universitätsplatzes, die Erweiterung und Modernisierung des Emslandmuseums und eine Brücke von der Innenstadt nach Reuschberge – allesamt notwendig und Gelegenheiten, unter Beweis zu stellen, dass gute Architektur auch im Emsland machbar ist.

(Quelle: Baunetz/lr; arch.daily, Neutelinks Riedijk Architecten)

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