Hoaxmap.org

10. Februar 2016

Bildschirmfoto 2016-02-10 um 23.11.13Spätestens seit Mitte des vergangenen Jahres ist zu beobachten, dass zunehmend Gerüchte über Asylsuchende in die Welt gesetzt und viral verbreitet werden. Von gewilderten Schwänen und geschändeten Gräbern – jetzt werden sie gesammelt.

Es sind allesamt Falschmeldungen, die über angebliche (Straf-)Taten von Flüchtlingen verbreitet und von den Medien oder Populisten im Netz weiter gereicht werden. Die Berichte werden dabei längst immer grotesker. Karolin Schwarz dokumentiert jetzt auf „hoaxmap.org“ die schlimmsten Gerüchte – und wo sie in Deutschland entstehen.

Die Erkenntnis: Geht es um Flüchtlinge, kursiert eine so große Menge grotesken Blödsinns, dass es sich lohnt, all die Falschmeldungen über Vergewaltigungen, Raub und andere Verbrechen grafisch darzustellen, findet die Unternehmensberaterin Karolin Schwarz.

Sie hat deshalb Hoaxmap.org ins Leben gerufen – ein Portal, in dem Falschmeldungen und Gerüchte gesammelt und auf einer Landkarte verortet werden. Spitzenreiter bei den bislang 170 gesammelten Meldungen sind Nordrhein-Westfalen und Bayern. Speziell in Bayern würde das Thema „Flüchtlinge“ gezielt negativ von den Politikern genutzt – somit sei es nicht verwunderlich, dass dort auch viele Angstmacher-Meldungen über Asylbewerber kursierten. Es fällt auf, dass Weser-Emsnicht vorkommt – mit Ausnahme der Region an der Unterweser übrigens…

Karolin Schwarz hat ihre Fälle im Internet gefunden, unter anderem bei Twitter. Sie habe nur solche Fälle dokumentiert, die nachweislich falsch seien und für die es eine Widerlegung von offizieller Stelle gebe.

Sie stellt fest:  „Es gibt uralte Vorurteile und Stereotype, die das Fremde als Bedrohung betrachten“, sagt Lena Frischlich, Medien- und Sozialpsychologin an der Universität Köln. „Solche Falschmeldungen sind eine Bestätigung dieser Vorurteile. Es passt in das vorgefertigte Bild. Man wurde immer wieder vor „dem Wolf“ gewarnt, und plötzlich ist er da.“ Da gab es doch -Sie erinnern sich?!- vor einiger Zeit diese Meldungen über einen weißen Bulli oder Wagen in Heukamps-Tannen oder Wietmarschen, aus dem heraus Kinder angesprochen wurden. Sie erinnern sich an die Kinderfänger-Story? Dasselbe dumme Strickmuster wie jetzt bei den Flüchtlingen. Sie glauben es nicht? Nun denn, klickst Du hier

#MyEscape

10. Februar 2016

Dokumentation mit originalen Videos von Geflüchteten, die ihre unterschiedlichen Wege nach Deutschland und Europa mit ihren Smartphones festgehalten haben.

Heute um 22:55 im WDR-Fernsehen

Für viele Flüchtlinge ist das Mobiltelefon ein unverzichtbares Mittel zur Organisation ihrer Flucht. Gleichzeitig transportieren sie damit Erinnerungen an das Zurückgelassene und einige dokumentieren damit auch die Fluchtstationen.

In den sozialen Netzwerken kursieren zahllose Clips, die nicht über sondern von der Flucht nach Deutschland erzählen, nicht aus sicherem Abstand, sondern aus unmittelbarer Nähe. Der Dokumentarfilm #myescape hat solche Fluchtgeschichten gesammelt: Die (Handy-)Videos der Flüchtlinge erzählen von ihrer Heimat, von ihrem Abschied, den verschiedenen Stationen der Flucht, der Ankunft in Deutschland und schließlich den ersten Eindrücken hier.

Die Flüchtlinge kommentieren ihr Filmmaterial in ausführlichen Interviews. So entsteht ein eindrückliches Bild aus nächster Nähe, von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen und sich auf den Weg machen – auf der Suche nach Sicherheit.
(Berlin Producers)