Köln-Zitate

6. Januar 2016

In diesem Kontext ist aber essenziell, zu unterscheiden zwischen den Kölner Tätern und denjenigen, die vermeintlich so aussehen wie die Kölner Täter. Hier ist der Scheidepunkt, und er ist schmerzhaft, weil Differenzierung nur eine Armlänge von Verharmlosung entfernt ist. Und weil die berechtigte Erschütterung über die Angriffe zu Wut führt, also der am wenigsten nach Hintergründen und Zusammenhängen fragenden Emotion. Und trotzdem bleibt sie zwingend notwendig, denn Differenzierung ist Zivilisation.

Sascha Lobo auf „SPIEGEL ONLINE“

Gleichwohl wurden hier sexuelle Handlungen ganz offenkundig von Trickdieben eiskalt genutzt, um die Opfer zu bestehlen – und nicht in erster Linie um sie zu „erniedrigen“. Wie gesagt, das ändert nichts an dem Leid der Opfer, es sollte aber auch von Jäger nicht so getan werden, als sei die sexuelle Erniedrigung der Frauen das primäre Ziel von also triebgesteuerten Tätern gewesen. Denen geht es um Handys und Portemonnaies.

Heinrich Schmitz auf „tagesspiegel.de“e
Der Kommentar erschien zuerst auf dem Portal „Die Kolumnisten“.

Politiker aller Parteien fanden starke Worte, sprachen etwa von „widerwärtigen“ und Die Beschimpfung als Schlampe, die zerrissene Strumpfhose, die Vergewaltigung: Da wird nicht nur der Rechtsstaat brüskiert, sondern meine ganz persönlichen Werte sind bedroht. Dann nur von „Antanzen“ und „Ablenkungsmaschen“ zu sprechen“, vernebelt die Frauenverachtung dahinter.

Sonia Seymour Mikich, WDR, auf tagesschau.de

„widerlichen“ Ereignissen. Es fehlte auch nicht der übliche Verweis auf die „ganze Härte des Rechtsstaates“, obwohl die Kölner Polizei bisher nicht einen einzigen Tatverdächtigen ermitteln konnte. Es wäre die Aufgabe eines kritischen Journalismus, die Substanzlosigkeit solcher politischen Stellungnahmen sichtbar zu machen – und den Rechtsstaat vor überzogenen Erwartungen an seine Handlungsfähigkeit zu schützen.

Frank Lübberding auf „faz.net“

Wer nun aber aus den Ereignissen in Köln schließt, „die Migranten“ seien eine Gefahr, wer gar fordert, wegen der Gewalttaten den Zuzug von Flüchtlingen grundsätzlich zu beschränken, der verfällt in plumpen Rassismus. Denn er nimmt damit Menschen nicht-deutscher Herkunft für die Taten einzelner Männer in Haftung, die die Rechte von Frauen missachten.

Hannah Beitzer auf „sueddeutsche.de“

Bevor wir überhaupt genau wissen, was passiert ist, bevor wir wissen, was die richtige Bezeichnung dafür ist, bevor wir darüber nachdenken konnten, ob das, was an Silvester in Köln geschehen ist, verwandt oder nicht verwandt ist mit dem, was wir andernorts an sexualisierter Gewalt erleben, sind aus allen Löchern Deuter und Kommentatoren gekrochen. Sonst schreiben sie nie über sexuelle Gewalt, aber zu solchen Anlässen leitartikeln sie und schnellschießen sie, und sie pressen Thesen heraus, die in ihr übriges Weltbild passen und uns Frauen zwingen, wiederum über unsere übrigen politischen Loyalitäten nachzudenken, bevor wir über die Sache selbst nachdenken können.

Hilal Sezgin auf „zeit.de“

Mitten in Köln hat sich eine Szene von Gewaltverbrechern etabliert und die Polizei weiß es. Aber was unternimmt sie dagegen? Das ist keine rhetorische Frage. Kriminalität, die man duldet, breitet sich aus. Die Silvesternacht ist ein schlimmer Beleg dafür.

Peter Pauls für „ksta.de“

Gleichwohl sollte die allgemeine Empörung jetzt schnellstens einer nüchternen Bestandsaufnahme weichen. Denn sonst setzt sich im Handumdrehen die Auffassung fest, dass die Flüchtlingspolitik in deutschen Städten zunehmende Gesetzlosigkeit verursache.

Andreas Petzold für „stern.de“

Die Empörung über Rekers Äußerung lenkt vom eigentlichen Thema ab. Sie lenkt davon ab, dass die Polizei die Lage in der Silvesternacht falsch eingeschätzt hat. Sie lenkt davon ab, Zeugen und Bildmaterial zu finden, um mögliche Täter ausfindig zu machen und strafrechtlich zu verfolgen.

Dana Schülbe für „rp-online.de“

 

—-

Foto: Hauptbahnhof Köln von Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Lingen – New York

6. Januar 2016

Über die Mühen der politischen Arbeit in der Provinz

Teil 1
Anfrage und Antwort im Rat  2014

Lingen (Ems) – Ratssitzung am 22.10.2014

TOP 12.3 Abbau von Telekommunikationsstellen
Herr Koop bat um Prüfung, inwiefern die von der Telekom geplante Einrichtung von sog. HotSpots, welche teilweise an Telekommunikationsstellen geknüpft sein sollen, durch den Abbau dieser Telekommunikationsstellen gefährdet sei….

Ratssitzung am 26.11.2014
…Herr Krone informierte, dass die Telekom Deutschland GmbH für die Einrichtung von HotSpots folgende Standorte/Bereiche mit entsprechend viel Publikumsverkehr ausgewählt habe:

Am Markt 2
Am Wall Nord 31
Bernd-Rosemeyer-Straße 18
Große Straße 22
Lookenstraße 20
Marienstraße 18
Neue Straße 1 …

Die Reichweite der HotSpots sei abhängig von der örtlichen Bebauung und betrage ca. 100 Meter Sichtweite.

Herr Krone teilte abschließend mit, dass somit keine HotSpots durch den Abbau der Telekommunikationsstellen an den Standorten Langschmidtsweg 35, Burgstraße 28, Kiesbergstraße 87, Nordhorner Straße 15, Altenlingener Weg 48, Jägerplatz 1 und Forstweg 10 betroffen seien (Planungs- und Bauausschuss am 15.10.2014 [Presse], Vorlage 320/2014).

 

Teil 2
Was andernorts möglich ist: Beispiel New York
[vom Kraftfuttermischwerk]

New York macht aus alten Telefonzellen WLAN-Hotspots

Bildschirmfoto 2016-01-05 um 21.11.25

Mal unabhängig von der Art der Betreibung ist das technisch eine vorbildhafte Innovation, finde ich.

Es soll das schnellste und größte städtische WLAN-Netzwerk der Welt werden: Das Projekt „Link NYC“ will 7500 Internetstationen mit superschnellem WLAN in die Straßen von New York bringen. Dafür werden derzeit ausrangierte Telefonzellen umgebaut. Der erste umgerüstete Netzkiosk ist am Dienstag in der Third Avenue enthüllt worden, schreibt die „Financial Times 

[…]

Bis Mitte Juli sollen bereits 500 weitere Internetstationen online sein.“
(mehr bei Spon)

Die Zellen, die dann zu Säulen werden, werden über einen Touchscreen verfügen, über den Nutzer auf Apps zugreifen können. Es werden USB-Ports zur Verfügung stehen, um leere Akkus zu laden und auch das Telefonieren innerhalb der USA wird von dort aus möglich sein. Notruf sowieso. Soweit zumindest die Vision von Link NYC.

Guckt mal, Berlin, München, Hamburg, Köln, Leipzig, Eisenhüttenstadt! [und Lingen!]

2