Kriegsgefangene

2. Januar 2016

Ungefähr 11.000 niederländische Militärangehörige gerieten im 2. Weltkrieg in deutsche Kriegsgefangenschaft. Ihnen haben das Niederländische Institut für Militärgeschichte (NIMH) und das Nationaal Comité 4 en 5 mei nun eine Internet-Ausstellung gewidmet. Neben allgemeinen Informationen finden sich dort auch die Biografien von drei niederländischen Armeeangehörigen. Ihre sehr unterschiedlichen Geschichten stehen in der virtuellen Ausstellung stellvertretend für das Schicksal zehntausender niederländische Militärangehörige.

NIHM„Die Literatur, in der spannende Fluchtgeschichten dominierten, hat die Sicht auf dieses Thema lange bestimmt“, heißt es im einleitenden Text zur Ausstellung. „Die Wirklichkeit sah jedoch komplexer aus.“ Während (Reserve-)Offiziere aufgrund der Genfer Konvention nicht zur Zwangsarbeit herangezogen werden durften, kamen viele rangniedrigere Militärangehörige in sogenannte Arbeitskommandos. Mithilfe persönlicher Zeichnungen, Briefe, Dokumente und Fotos aus der Sammlung des NIMH verdeutlicht die Ausstellung diese Kontraste beim Thema Kriegsgefangenschaft.

So begegnet der Ausstellungsbesucher dem 20-jährigen Kunststudenten Frits Henderickx, der als wehrpflichtiger Soldat zwei Mal in deutsche Kriegsgefangenschaft gerät, in ein Arbeitslager verbracht wird und nur mit knapper Not Entbehrung, Krankheit und schwere Arbeit überlebt. Ganz anders stellt sich hingegen die Geschichte von Hans Larive, Leutnant zur See, dar. Er entkommt nach mehreren Fluchtversuchen 1941 tatsächlich aus der Kriegsgefangenschaft. Über die Schweiz flüchtet er nach England, wo er Kommandant der neunten Motortorpedoboot-Flotte wird. Sowohl England als auch die Niederlande zeichnen Larive nach dem Krieg mit hohen militärischen Orden aus.

Wer des Niederländischen mächtig ist, erfährt auf der Website, auch sehr viel darüber, was die Zeit der deutschen Besetzung für niederländische Militärangehörige bedeutete. So mussten beispielsweise alle niederländischen Berufssoldaten eine „ehrenwörtliche Erklärung“ unterschreiben, dass sie sich künftig nicht mehr an Kämpfen gegen die Deutschen beteiligen würden. Zurückkehrende Kriegsgefangene wurden deshalb von der niederländischen Bevölkerung häufig als Kollaborateure betrachtet.

Die Website ist übersichtlich und ansprechend gestaltet, mehr Video- oder Audiodateien mit Zeitzeugen, oder interaktive Landkarten hätten dem Ganzen jedoch sicherlich gut getan. Daneben kann kritisiert werden, dass die Ausstellung leider Besuchern ohne Niederländischkenntnisse verschlossen bleibt.

Die virtuelle Ausstellung finden Sie hier: Nederlandse Krijgsgevangenen 1940-1945

Mehr über die Zeit des Zweiten Weltkriegs erfahren Sie im Niederlande-Net-Dossier Die Geschichte der Niederlande 1940-1945

(Ein Beitrag vpn  Angelika Fliegner auf Niederlamde.Net: Fotp: Screenshot der digitalen Ausstellung Nederlandse Krijgsgevangenen 1940-1945, Quelle: tweedewereldoorlog.nl/krijgsgevangenen/)

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