Wahn

3. Dezember 2015

Bis Mitte des Jahres 2016 soll die Kommission zur Lagerung hochradioaktiver Abfälle das Standortauswahlgesetz evaluieren und Suchkriterien entwickeln. Die Arbeit der Arbeitsgruppe 3 zu „Gesellschaftlichen und technisch-wissenschaftlichen Entscheidungskriterien sowie Kriterien für Fehlerkorrekturen“ wird von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Ihre nächste Sitzung findet am 17. Dezember statt.

ScienceSalz ist kein sicheres Endlagermedium für radioaktive Abfälle, das unterstreicht auch eine aktuelle US-Studie, die in der Zeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen nach, dass Salz aufgrund seiner Verformbarkeit und Porosität Risse bildet. Dies ist bei der Endlagerung eine Gefahr, denn durch diese Wegsamkeiten können Wasser- und Gasflüsse Radioaktivität an die Oberfläche transportieren.

Miriam Staudte, atompolitische Sprecherin der niedersächsischen Grünen, sagt:  „Große Teile der Fachwelt stellen Salz als Endlagermedium immer wieder in Frage, doch die Endlagersuchkommission setzt bislang unbeirrt darauf. Schon in der nächsten Sitzung soll in der Arbeitsgruppe 3 über die geologischen Anforderungen für die Endlagerung entschieden werden.“

Diese Arbeitsgrupp, kritisiert Staudte, halte starr am Konzept der tiefengeologischen Lagerung fest, dessen Basis die angebliche Verschlusswirksamkeit von Salz sei. „Die tonangebende Mehrheit der beteiligten Wissenschaftler will offenbar ihre bisherige Arbeitspraxis nicht in Frage stellen. Ic300px-Wippingen_in_EL.svgh halte es für zwingend notwendig,“ so Miriam Staudte, „dass in diesem Zusammenhang Anregungen des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel wie die Forderung nach einem verpflichtenden Deckgebirge weiter verfolgt werden. Ziel einer verantwortungsvoll arbeitenden Kommission muss doch sein, auch mit Blick auf nachfolgende Generationen, Kriterien zu entwickeln, die dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen.“
Weshalb ich darüber berichte?
Der Salzstock im nordemsländischen Wahn sei, so sagten schon vor 40 Jahren zahlreiche Experten, deutlich besser geeignet als der in Gorleben. 1976 fragte die zur NOZ zählende Emszeitung: „Hümmling bald atomare Müllkippe der Bundesrepublik?“ Der Salzstock nahe den Ortschaften Wippingen (Grafik links) und Renkenberge galt als gute Endlageroption: „Es handelt sich um eine große Struktur, die für die Anlage von Bergwerk und Kavernen im Grundsatz geeignet ist“, hieß es in einer Stellungnahme des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums und die Anwohner machten mobil. [mehr…].

Damals wurde auf Wahn allein aus politischen Gründen verzichtet; denn die damalige CDU-Landesregierung -frisch im Amt- wollte in ihrem konservativen Kernland keinen Aufstand der eigenen Wähler. Deshalb votierte das Kabinett von Ernst Albrecht (CDU) für den Salzstock in Gorleben, der mitsamt dem überirdischen Zwischenlager seither im Brennpunkt stand. Die neue kritische Studie aus den USA kann also verhindern, dass ein Endlager weder in Gorleben noch in Wahn noch einmal hervorgekramt wird…

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