Nasenschild

4. November 2015

Ich finde, das hat dieser Stadt wirklich noch gefehlt. Das Nasenschild an einem der wenigen klassizistischen Gebäude, dem ehemaligen Rektorenhaus der Castellschule in der gleichnamigen Straße im Stadtzentrum. Ende der 1970er Jahre haben meine damaligen SPD-Mitstreiter um Hajo Wiedorn, Martin Braese, Christoph Westermann, Willi Wolf und ich es efhtig kritisiert, wie und zu welchen Konditionen sich damals die CDU das städtische Baudenkmal unter die Nägel riss, wie wir das damals formulierten. Damals entstand fast handstreichartig das Konrad-Adenauer-Haus als CDU-Parteizentrale, dem ungeachtet des historischen Gebäudegrundrisses an der nicht sonderlich sichtbaren Ostseite des Hauses auch noch ein Versammlungsraum angeflanscht wurde, der den ganzen Charme der Union versprüht.

Die CDU-Gegenattacke kam damals prompt und bestand in dem plumpen Vorwurf, die SPD habe in den 1950er ein Grundstück an der Ludwigstraße kostengünstig erhalten und da sei es nicht in Ordnung, dass man später einen Teil weiterveräußert habe, um die Grundrenovierung des Falkenheim bezahlen zu können; nun es baute in den 1950ern auch nicht die SPD sondern es die „sozialistische“ Jugendorganisation „Die Falken„, die mit Hilfe vieler Sozis vom Keller das Gebäudes an der Ludwigstraße 15 (jetzt Nr. 42) in Hand- und Spanndiensten aufmauerte. Mein Freund Gerd Kastein besitzt davon noch einen sehr schönen „Schmalfilm„. Jedenfalls gibt es deshalb das Falkenheim, obwohl es  die Falken in Lingen schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, nachdem man den Aktiven mit Rauswurf und dem Arbeitsplatzverlust bedrohte und sie resignierten.

Vor 35 Jahren konnte die CDU auf diese Weise mit Hilfe der ihr radfahrerhaft-loyalen Stadtverwaltung (oder war die CDU gegenüber der Stadtverwaltung loyal?) und der ihr gewohnt-unkritisch zugetanen „Lingener Tagesposr“ die SPD-Kritik abbügeln. Seither ist das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdstandene Haus „CDU-privat“.

Die CDU-Gebäude, das rechtlich im Eigentum eines von den CDU-Granden gebildeten eingetragenen Verein („Hausverein“) steht, ist wie das Haus Webering (Burgstraße 26) und das Bürgerhaus Karolinenstraße 4 einer der wenigen Bauten, die bis etwa 1850/60 in der einfachen, gleichwohl auf gute Proportionen bedachten Art des späten Klassizismus erbaut wurden. Die architektonische Dekoration ist in „sehr zurückhaltender Weise“ angebracht.

Dieses gestalterischeres Defizit ist jetzt durch die lokale CDU behoben worden. Zwar nicht überzeugend, aber nachhaltig. Wir erkennen einen ausgesprochen geschmacklosen  Nasenschild-Missgriff.  Schämt Euch, Ihr Schwarzen!

CDU-Schild

 

 

Eine Antwort to “Nasenschild”

  1. Das ist sehr wohl wahr, und es kommt viel zu häufig in Lingen vor, das Historische Gebäude mit derartigen Reklamen verschandelt werden.Es geht aber auch anders, wie das Versicherungsbüro Diepenbrock und Robert Blanke z.B. in der Burgstraße beweisen.Hatte ja letztens von jemanden den Auftrag bekommen historische Gebäude zu fotografieren……..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s