Erstaufnahme

16. Oktober 2015

FlüchtlingshalleGeorgianumDie Erstaufnahmeeinrichtungen in Niedersachsen sind nicht nur voll; sie sind so überfüllt, dass Innenminister Pistorius vorgestern 20 Landkreis und kreisfreien Städte angewiesen hat, die neu ankommenden Flüchtlingen aufzunehmen. 600 kommen daher heute und in den nächsten Tagen  in den Landkreis Emsland. Jetzt, während ich dies schreibe, weiß aber offenbar niemand der Verantwortlichen, wer da bei uns mit dem Zug aus Bayern eintrifft: Afghanen, Eriträer, Pakistani, Syrer oder Menschen vom Westbalkan? Wir wissen nur, dass es schutzlose Flüchtlinge sind, die unsere Hilfe benötigen. Zunächst sollten übrigens alle 600 in den Emslandhallen Lingen unterkommen. Hätte das ein herzliches Grüßgott gegeben, wo doch an diesem Wochenende gleich zwei Mal die Lingener Emslandhallen ausverkauft sind: das Oktoberfest erfreut die Einheimischen…und weitere Veranstaltungen folgen. Der zuständige Landkreis hätte also kräftig wegen der Veranstaltungsausfälle zahlen dürfen.

Wohl aus finanziellen Gründen hat er sich stattdessen für die Bereitstellung eigener Baulichkeiten entschieden: 300 Flüchtlinge kommen im Lingener Georgianum (Foto) und 300 in den Meppener Berufsbildenden Schulen unter.

Gern können wir darüber streiten, ob diese Entscheidungen des Landkreises klug sind. Von einer über die Herbstferien hinausgehenden Sporthallennutzung, halte ich nichts. Die jetzige Entscheidung musste aber binnen 20 Stunden getroffen werden. Daher muss die Landkreisverwaltung bessere Lösungen realisieren. In Lingen fallen mir da die Tennishalle des insolventen Tennisvereins Grün-Weiß ein, die Pestalozzischule oder die Gebrüder-Grimm-Schule. Es gibt auch noch zahlreiche andere Baulichkeiten – von der alten Hüttenplatzschule an der Kokenmühle bis zum Alten Krankenhaus an der Gymnasialstraße. Allen ist eins gemein: Es sind bloß Erstaufnahmestellen, die für die notwendige Integration der Flüchtlinge ungeeignet sind. Schnellstens müssen sie wieder geräumt und die Flüchtlinge auf die Gemeinden der Region verteilt werden.

Außerdem sind die Flüchtlinge sofort gesundheitlich zu untersuchen (was zurzeit nicht ausreichend geschieht, worüber der Landkreis in einer Presseerklärung elegant hinwegtäuscht) und sie müssen auch registriert werden (was zurzeit ebenfalls unterbleibt, worüber genannte Presseerklärung auch nicht korrekt informiert). Erst wenn sie registriert sind, bekommen sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.

In den nächsten Monaten bleiben -jenseits von Erstaufnahmen- in Lingen 800-900 neue Flüchtlinge. Dafür muss unsere Stadt weiterhin dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten mieten und schaffen. Zwar liegen viele Vermietungsangebote im Rathaus vor. Den außerdem notwendigen Blick in das vorbildlich agierende Sögel habe ich in diesem Blog bereits angesprochen, also: Lasst uns eine private Wohnungsbaugenossenschaft Lingen gründen, die bauen, bauen und bauen soll – natürlich nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Lingener mit schmalem Geldbeutel. Und wir brauchen Sprachförderung und Integrationskurse, an deren Finanzierung sich gern und  endlich auch die heimische, so sehr nach Arbeitskräften suchende Wirtschaft beteiligen darf. Und wo sind unsere Lehrkräfte, die diese Kurse durchführen?

Es ist nicht einfach, und wir müssen uns anstrengen. Doch klar ist: Wir schaffen das.

(Foto: @ BN-Risse)

9 Antworten to “Erstaufnahme”

  1. Norman said

    Ist das die Islamisierung vor der PEGIDA gewarnt hat? Wir werden bald fremd sein in unserem Land! Dem Glaubenskrieg des IS sei dank!

    • Ist das die Hetze, vor der immer gewarnt wird, wenn es um PEGIDA geht? Selbst wenn ganz Syrien zu uns kämen (20 Millionen Einwohner), wären wir noch nicht fremd im eigenen Land. Lingen hat über 50.000 Einwohner, und es geht um einige Hundert Flüchtlinge.

      Vielen Dank, Herr Koop, für den sehr vernünftigen Beitrag.

      • Norman said

        Es wird nicht gut gehen! Hat Herr Koop nicht noch Platz unter seiner Wohnung?

        • max koop said

          Nein. Sie sollten sich besser informieren.

          • kib said

            Norman, ich möchte & kann Sie nicht belehren. Daran sind vermutlich bereits andere – selbst Profis – gescheitert und ich persönlich finde, es gibt gerade wichtigeres zu tun. Es mag sehr naiv anmuten, aber bevor Sie sich auf „Verschwörungs-Theorien a la Pegida“ einlassen, gönnen Sie sich die Zeit und gestatten sich einen Blick in die jüngste Geschichte (ab 1945 ist ausreichend) unseres Landes. Ich finde Sie haben die Alternative verdient und ich gebe Ihnen gern Buchtipps. Persönliche Anmerkung und als Erklärung dafür, dass Sie gerade meinen Unmut spüren : Wenn ich nur das Wort PEGIDA lese oder höre, sträuben sich meine Nackenhaare. So sehr ich nicht müde war und werde den Blogbetreiber – in unterschiedlichen politischem Umgang- zu kritisieren, desto sicherer könne Sie sich sein, dass ich es nicht zulasse, dass jemand wie Sie auch nur im Ansatz versucht ein Fitzelchen Papier zwischen „streitenden Demokraten“ zu halten. http://www.bing.com/videos/search?q=Kebulus+wie+doof+du+bist+you+tube&FORM=VIRE2#view=detail&mid=BE9A18F1425716D626EEBE9A18F1425716D626EE

          • „Norman“ ist übrigens, liebe kib, ein im wahrsten Sinne rechter Troll, den ich schon früher wegen diverser Beiträge blockiert habe. Er variiert etwas seine IP und seine Adresse, aber… So ein Mitmensch wird sich nicht sachlich informieren. Ihm sind die Flüchtlinge auch gleichgültig. Sie sind für ihn nur ein Vehikel zum rechten Zweck. Also, schicken wir ihn zum Schmollen & Pöbeln in diese unsäglichen Facebookgruppen, aus denen er kommt, und freuen uns stattdessen über die Aussage der Schüler des Georgianums also das, was sie über die Flüchtlinge in ihrer Schule gesagt haben.

  2. Moin Herr Koop, ich stimme Ihnen ja voll und ganz zu, dass leer stehende Gebäude genutzt werden müssen. Wenn Sie in diesem Zusammenhang allerdings die „Hüttenplatzschule“ erwähnen, liegen Sie falsch. Das Gebäude wird von der Volkshochschule ausgelastet, und zwar im Wesentlichen mit Integrations- und Sprachkursen für eben diese Flüchtlinge. Eine Unterbringung ist somit dort nicht möglich. Aber die gesuchten Deutschlehrer sind da. Also etwas bessere Recherche bitte 🙂
    Gruß
    Andreas Peters
    Volkshochschule Lingen

  3. kib said

    Robert, die Stellungnahme der Georgianer ist- ich fass mich kurz- einfach toll. In Dtl gibt es eine Vielzahl von Umfragen, Studien usw., die allesamt eins gemein haben- sie sind teuer. Hier eine, die es quasi „amtlich“ bestätigt, dass unsere „Penne“ Treffpunkt so manch hellwacher Köpfe war/ist/hoffentlich bleibt, die (so war es bei uns) sogar erstaunlich oft im Unterricht erscheinen und noch heute „Networking“ (= netten Klüngel) betreiben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/shell-jugendstudie-politik-interessiert-jugendliche-doch-a-1057403.html.

    Deinem Dankeschön schließ ich mich an. Ich hab allerdings nicht vergessen, wie ich seinerzeit „Laberbacken“ wie mich wahr genommen habe. Deshalb, liebe SV spende ich jetzt direkt an den http://www.abifestival.de/15/
    In der Hoffnung, dass Ihr a) ordentlich Spaß habt (Priorität!) und b) ich – im Sinne eines gescheiten Markettenderings – den ein oder anderen Blogleser motiviere, es mir gleich zu tun. Liebe Leute: ich bin mir sicher, da geht was! Und als Gegenleistung verrate ich vielleicht die Waldpilz-Stellen 2015 (wobei Steinpilze dieses Jahr wirklich im EL mau wachsen).

    In diesem Sinne, bleibt gelassen & heiter!
    Kib

  4. jfkuester said

    Ich weiß, dass ich das schon öfter geteilt habe. Ich weiß auch, das dieses Lied lange vor dem Flüchtlingsstrom entstanden ist. Es hat also mit der aktuellen Lebensituation überhaupt nichts zu tun. Ich weiß aber auch, das Künstler manchmal Dinge sehen oder Situationen, die niemals verbunden werden können; z.B. mit einer Zeit, mit einer Epoche. Ich glaube, das Kulturschaffende die Welt mit anderen Augen sehen, weil sie Träumer sind, Weil sie ein Wald anders beschäftigt als den Jäger oder angenehmer einen Förster.

    Aber wir erleben gerade eine Zeit -und ich bin noch völlig benommen von den Bildern der letzten zwei Stunden- in dem sich Millionen Menschen auf einen für sie unbestimmten Weg durch Dreck, Schlamm und kaltes Wasser machen. Und ich frage unsere PEGIDAISTEN ob sie nicht einmal ihre eigenen Eltern, Großeltern, Tanten, Vettern und was ich fragen sollten, wie ihre Flucht gewesen ist. Es war der gleiche Schlamm, der gleiche Dreck und ganz wahrscheinlich das gleiche kalte Wasser. Nur eine andere Route.

    Sie wissen nicht was kommt, sie hoffen, dass es besser kommt. Und wir, ja wir Europäer, die wir doch so stolz waren auf unsere „freie Welt“, wie bauen neue Zäune. Zäune und Mauern, die wir 1989 abgerissen oder einstürzen liesen. Manchmal heißt es heute noch im Westen, wir sollten die Mauer wieder aufbauen. Aber die Rufe danach, aus dem östlichen Dresden sind nicht nur lauter, sie fordern diese neue Mauer, die sie selber einmal eingerissen habe, um in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben. Und 25 Jahre danach in Frage stellen. Der gleiche Staat, der diese Recht garantiert.

    Gestern sagte einer von diesen PEGIDAISTEN, er hätte 25 Jahre in der DDR leben müssen, heute dürfte er endlich „NEIN“ sagen. Übertragen im Radiosender NDR-INFO. Dem PEGIDAISTEN möchte ich gerne sagen: „Die Würde des Menschen ist Unantastbar. Art. 1 GG; der wichtigste Artikel unseres Grundgesetzes. Das ist für mich nicht verhandelbar. Und wer sein Recht auf Demonstrationsfreiheit für sich in Anspruch nimmt und sich dabei auf unser Grundgesetz beruft und der freien Meinungsäusserung und sich selbst der Menschwürde verweigert hat weder aus 25 Jahren Diktatur in der DDR noch aus einer Rechtsstaatlichkeit der BRD gelernt. „Der ist unbelehrbar“!

    Manchmal sollte man tanzen!

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