Steinkauz

13. Oktober 2015

SteinkauzflugJetzt geht’s ihm wohl doch an den Kragen, dem Baccumer Steinkauz. Zu lange hat die bedrohte Spezies den Ortsrat in unserem östlichen Lingener Stadtteil geärgert, weil er partout da bleiben und nicht aussterben will. Doch jetzt  kommt den ortskommunalen Granden ein Plan ausgesprochen gut zupass. Genau da nämlich, wo der Steinkauz geschützt fliegt und fleucht, soll ein „Flüchtlingswohnheim in Modularbauweise„entstehen. Die Container entstehen exakt dort, wo wegen des Eulenvogels die in einem früheren Bebauungsplan-Entwurf vorgesehenen drei Einfamilienhäuser nicht gebaut werden dürfen. In Mitteleuropa gehen die Steinkauzbestände seit Jahrzehnten stark zurück. Hauptursache dieses Rückgangs ist die Zerstörung von Lebensräumen, die dem Steinkauz geeignete Umweltbedingungen bieten. Bei Flüchtlingsunterkünften aber spielt Natur- und Tierschutz nur die zweite Geige oder vielleicht auch nur die dritte oder vierte. oder gar nur eine Triangel…

Der augenzwinkernde „Wir-schaffen-das!“-Plan in Baccum ist simpel: Steht dort erst einmal Jahre lang ein Flüchtlingsheim in Modularbauweise, ist der scheue Steinkauz wohl auf Nimmerwiedersehen davon und dann können dort endlich die lange geplanten drei Einfamilienhäuser entstehen.

Bildschirmfoto 2015-10-12 um 22.10.06Keine Frage: Das Lingener Konzept der dezentralen Unterbringung ist etwas, auf das andere Kommunen neidisch blicken. Deshalb muss auch Baccum ran und in Kürze Brögbern.

Doch wenn so gezielt naturschutzfeindlich geplant wird, wie in Baccum nahe Rolingshof nordwestlich der Sportplätze (Lageplan lks) , treten deutliches Sodbrennen und klare Verstimmung auf. Denn selbst im Ortsrat Baccum, der an diesem Donnerstag – leider, wie in Lingen üblich, mal wieder nichtöffentlich- den Flüchtlingsstandort debattiert, sind längst mehrere, steinkauzschützende Alternativen bekannt.

„Ich hab da ’ne Wiese, da könnt ihr so ein Haus aufstellen; ich kümmer‘ mich dann auch um die Leute. Nebenan ist ein Haus von mir, in dem schon Flüchtlinge wohnen“, sagte beispielsweise in der letzten Ortsratssitzung ein aufgeweckter Lokalpolitiker der Mehrheitspartei. Dort auf seiner bäuerlichen Wiese gibt es aber keinen Steinkauz, der verscheucht werden kann, wiewohl der Mann sogar familiäre Kontakte bis in die besoldungsmäßig höhere Etage im Rathaus hat. Das aber ist offenbar nicht genug, wenn ein geschützter Vogel mittels Flüchtlingsheim vertrieben werden kann.

(Foto Steinkauzflug; F.C. Robiller / naturlichter.de CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unten Lageplan des geplanten Flüchtlingshauses in Baccum)

7 Antworten to “Steinkauz”

  1. Info aus dem Osten: „Der Ortsrat Baccum hat am Mittwoch einstimmig für den Standort Flüchtlingswohnheim am Kösterhook gestimmt.
    Nach Aussage von Frau Möllenkamp (Ordnungsamt) sind die baurechtlichen Bestimmungen bei Flüchtlingswohnheimen geändert worden. Das heißt im Klartext Container geht vor Steinkauz, 3 Einfamilienhäuser gehen nicht wegen Steinkauz.“

    • ulrike said

      Steinkauz hin oder her, die heiße Nachricht des Tages ist vor 20 Minuten hier aufgelaufen,daß nämlich in Turnhalle und Mensa des Georgianums mehrere Hundert Flüchtlinge einquartiert werden.

      Das ist eine tolle Idee.

      Besonders vor dem Hintergrund, daß wenige hundert Meter weiter eine auslaufende Schule plus Turnhalle steht .

      Und im Übrigen meine ich, daß die Kunsthalle an der Bahn weniger frequentiert wird als Mensa und Turnhalle des Gymnasiums. Dort könnte man leichter Hand anlegen-

      Zur Beruhigung der Eltern soll an der Schule aber fest Polizei
      einhäusig werden .

      Das ist auch toll.

  2. Ach Ulrike, Deinen etwas bemüht wirkenden Hieb Richtung Kunsthalle hättest Du Dir sparen können. Der Landkreis will _eigene_ Liegenschaften nutzen, weil die nichts kosten. So einfach ist das. Es gibt in Lingen aber durchaus gute Alternativen, mit den notwendigen Sanitäreinrichtungen übrigens, die statt des Georgianums genutzt werden können. Dafür müssen wir uns einsetzen und sie realisieren, bis diese Erstaufnahme nicht mehr nötig ist.
    Übrigens haben wir ab morgen zwei Wochen Herbstferien. Danach kann und muss eine andere Lösung her.

    • ulrike said

      Ach Herr Koop, warum so empfindlich? Und kreiseigene Liegenschaften sind weder die Tennishalle von Grün-Weiß ( außerdem mit defekter Be-und Entlüftungsanlage versehen)
      noch die Elsterschule,Halle von Blau-Weß etc. Und Geld kosten auch kreiseigene Liegenschaften. Denken Sie doch mal an Wasser,Warmwasser und Strom?Um nur mal die Verbrauchskosten zu erwähnen.
      Und dann bleibt zu hoffen, daß die Flüchtlinge nach den Herbstferien wirklich anderswo untergebracht werden können, wo doch dann schon die nächsten Hunderte ein Dach über den Kopf benötigen .
      Trost kommt nach Aussagen von Herrn Kretschmann laut der Stuttgarter Zeitung aus der Erfahrung, daß nach kurzer Zeit etwa 50 % der Flüchtlinge aus der Erstaufnahme einfach verschwunden sind.
      Dann ist wieder mehr Platz da.

      • ulrike said

        Na bitte, alles halb so schlimm.
        Am Samstag waren schon 181 Ankömmlinge insgesamt weg.
        Hat Herr Winter festgestellt und kein Problem damit.
        Mit der Rate von 2/3 der Gesamtzahl toppen wir Baden Württemberg aber locker.

        • Und das, obwohl das Emsland morgen mit 13° Celsius die wärmste Region in Deutschland ist. 😉

          • ulrike said

            Neues zum Steinkauz :

            Nicht nur der Steinkauz ist seines Nahrungshabitats beraubt .

            Ähnlich gehts den Georgianern .
            Wenn nämlich der unbedarfte Beobachter meint, na ,dann haben die eben keine Turnhalle …
            für die nächsten zwei drei Jahre muß das mit Draußenfußball und gleichzeitiger Teilhabe an der Gesamtschulturnhalle eben passen

            dann ist diese Meinung noch ausbaufähig.

            Das Nahrungshabitat von über 1000 Schülern ist futsch-
            die Mensa mit Personal und Nahrung ist no-go-area.

            Nun sind in den Fluren so zwei drei Bierbänke aufgestellt worden, aber wenns draußen regnet , wirds schon knapp.
            Mit Sitzplätzen.
            Zum Mittag kann Imbiß-Yavuz Pizza auf Bestellung liefern.
            Das ist zwar einseitig, aber für zwei drei Jahre muß das eben gehen.
            Daß ich nicht vergesse zu erwähnen, eine Spülküche ist in der no-go-Mensa.

            Und daß ich nicht vergesse zu erwähnen, der Schwimmunterricht kann nicht in der Schwimmhalle stattfinden.
            Die Umkleiden und Duschen sind auch von der belegten Turnhalle zu betreten, und das ist nicht erwünscht.
            Der Schwimmunterricht wird dafür im Linus stattfinden.
            Für Fahrradfahrer quer durch die Stadt.Auch bei Regen, na klar.
            Dafür verkürzt sich die evtl. anschließende Mittagspause von 45 Minuten auf einen Bruchteil, aber das macht nix. Für Pizza im Stehen brauchts eh nicht so lang.
            Und außerdem muß das für die paar zwei drei Jahre gehen.

            Und heute kam durch die Zeitungen, daß der Herr Innenminister vorschlägt, Ansprüche und Niveau in den Schulen abzusenken. Wegen der neuen Situation.
            Da ist doch hier schon mal ein kleiner Anfang gemacht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s