Soßenspritzer

16. September 2015

Rampe2Manchmal frage ich, ob bestimmte Lingener eigentlich nie Urlaub machen und ob sie überhaupt nicht sehen, wie in anderen Städten mit gestalterischer Qualität und richtig fein der öffentliche Raum gestaltet wird. Gefühlt seit 20 Jahren sind diese Plastikterrakottatopf-Imitate rund ums neue Rathaus und in den Innenstadtstraßen für mich ein Dauerbeispiel gelebter provinzieller Geschmacklosigkeit in unserem Städtchen.

Jetzt ist der Marktplatz für fast 1 Mio Euro renoviert worden. An manchen Stellen darf man sich über die handwerkliche Qualität der Arbeit ärgern (ja, Burkhard, Du weißt, es ist nicht alles gelungen, was Ihr da pflasternd abgeliefert habt) und nicht nur mir fehlen Blumen auf der Heilemann-Terrasse; aber mir stockt auch schon Rampeder Atem, wenn ich mir vorstelle, dass womöglich auch dort wieder diese Plastikterrakotta-Dinger hingeknallt werden. Wahrscheinlich mit derselben Begründung wie an den anderen Stellen, dass diese hässlichen Kunststoff-Exemplare preiswert seien.

Vor allem aber gibt es an der aufwändig neugestalteten Heilemann-Terrasse aktuell dieses Rampe-Beispiel geschmacklicker Gedankenlosigkeit. Gestalterisch völlig daneben und auch historisch ist das drangeblechte Wort nichts, was dahin gehört. Warum kein international verständliches, bescheiden-graues Piktogramm mit Kinderwagen, Rollstuhl und Pfeil?

Ich musste spontan an eine schöne Krawatte denken, an der nach dem Essen so ein kleiner Soßenspritzer an prominenter Stelle den Gesamteindruck von Schlips, Hemd, Anzug und Träger ruiniert. Wer macht so was?

 

Little Jimmy Reed

16. September 2015

Little Jimmy Reed
Twist  –  Heimathaus
Freitag, 18.09. ’15  –  20 Uhr
Eintritt VVK 17 € (Abendkasse 20 €)
Es gibt sie noch, die alten schwarzen Bluesmänner. Mit fast 85 Jahren erstmals im Heimathaus Twist, erstmals in Deutschland: Der Sänger, Gitarrist, Harpspieler und Songschreiber Little Jimmy Reed ak Leon Atkins.
Er hat den Blues wirklich erlebt. Aufgewachsen in einem Dorf in bitterer Armut. Er erfährt die Diskriminierung der Schwarzen tagtäglich. Aber er lebt auch mit der Musik. Nur ein Instrument ist unbezahlbar. Schließlich bekommt er eine Art Gitarre. Als Korpus ein Zigarrenkästchen und damit imitiert der sechsjährige Junge das Gitarrenspiel und träumt vom großen Erfolg. Bis dahin ist es ein weiter Weg. Nach der Schule arbeitet er in der Sägemühle und in einem Schuhgeschäft.

Dann die Überraschung: Sein Vater schenkt ihm eines Tages eine richtige Gitarre. Und schon legt er autoditaktisch auf dem Instrument los. Ein paar Jahre später kann man ihn dann in Kneipen und Bars hören. Der große Jimmy Reed – ein berühmter Bluesmann – spielt in der Nähe. Leon macht sich auf den Weg, sein musikalisches Vorbild live zu erleben. Das ist die Nacht, die alles verändert. Der große Mr. Reed war sturzbetrunken, zu betrunken für einen Auftritt. Kurzerhand wurde Leon gebeten einzuspringen. Das Publikum konnte keinen Unterschied zum großen Vorbild hören.

Die Show war grandios und Alan hatte seinen Namen: Little Jimmy Reed oder heute Lil’Jimmy Reed. (Andere verlieren im Alter Zähne, Jimmy ein paar Buchstaben) Auch mit prominentem Namen und etwas größeren Locations kann ein Bluesmann in den USA nicht von der Musik leben. Also folgen zwanzig Jahre Army. Und jetzt kann er von seinem Blues leben. Der Kindheitstraum ist wahr geworden.

Die etablierten Bluesstars nehmen ihn in ihre Band oder als Support. Er nimmt was er kriegen kann, Hauptsache Musik, Blues spielen: Parties, Hochzeiten, Jazz, Shows… Eigene Platten folgen und der angesehene Alabama Blue Treasure Award.

Letzte Meldung: Lil`Jimmy Reed hat einen ganz speziellen Gast dabei: Robbert Fossen, ein Meister des Chicagoblues aus den Niederlanden. Gewinner des Dutch Blues Challenge 2012, Finalist des International Blues Challenge in Menphis 2013 und Best Blues Vocalist 2014 in den Niederlanden. Das Line up wird immer exklusiver.