1,7 Mio verpulvert

5. September 2015

RWEDie taz weiß was aus dem Landkreis Osnabrück:

„Dass sie am Donnerstag noch mal kurz über die 13-Euro-Schwelle gelugt hat, ist derzeit das beste, was sich über die RWE-Aktie sagen lässt. Am Dienstag wurde das Ausscheiden des Energieversorgers aus dem europäischen Index Eurostoxx verkündet, am Mittwoch drückte ein Gesetzentwurfs von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) auf die Stimmung: Atomstromkonzerne sollen für den Abbau ihrer Meiler zahlen müssen, weia.

Der Kurs erreichte das 24-Jahres-Tief von 12,92 Euro, das Freitag noch mal deutlich unterboten wurde. Und die Dividende soll von zuletzt 100 auf 50 Cent runter gesetzt werden. Im Kreis Osnabrück sorgt das für Verzweiflung, Wut und Tränen.

Denn der Landkreis ist im Besitz von etwas über zwei Millionen RWE-Aktien, und, „wenn ich an die Zahlen denke“, sagt Rainer Kavermann, „werde ich richtig sauer“. Kavermann, Chef der Grünen-Fraktion im Kreistag, war schon 2008 für den Verkauf der Wertpapiere gewesen, als sie knapp 100 Euro wert waren. Beim Absturz auf 35 Euro im Fukushima-Jahr 2011 hatte er den Kreistag dann, unterstützt von der Linken und von der FDP zum Verkauf gedrängt. Die Finanzexperten der CDU und der SPD verlachten ihn als ahnungslos.

Jetzt lacht niemand mehr. Höchstens in Südniedersachsen: In Göttingen stand man vor zwei Jahren vor der gleichen Frage, bloß hatte man nicht RWE-, sondern Eon-Aktien. Man hat, zusammen mit Kassel und gut 20 anderen Kommunen, einfach den Betrieb übernommen. Aus der Eon-Mitte AG wurde die 100 Prozent kommunale Energie aus Mitte GmbH. Die Eon-Aktie ist, klar hinter RWE, mit 9,69 Euro Schlusslicht im Dax. Göttingen kann das egal sein. Osnabrück nicht.“

Tja, und bei uns?
Hier ist alles bestens und wenn es Mist ist, berichtet die Lokalpresse darüber nicht. Wahrscheinlich, weil sie es nicht darf. In Lingen jedenfalls liegen ebenfalls 61.995 RWE-Stammaktien der RWE „im Portfolio“, wie es so schön heißt. Sie wurden 2000/2001 für für ca. 2,58 Mio. € erworben und aus steuerlichen Gründen nach Beschluss des Rates der Stadt Lingen (Ems) vom 26.06.2001 auf den Eigenbetrieb Emslandhallen übertragen.

Deren Kursverfall war spätestens seit Fukushima absehbar; trotzdem wollte man dem Vorschlag der BürgerNahen (vor drei Jahren, zwei Jahren und im letzten Jahr) nicht folgen, die RWE-Aktien zu verkaufen. Jetzt sind sie gerade mal noch 800.000 Euro wert und bringen keine 35.000,- Euro Dividende. 1,7 Mio Euro sind also verpulvert (oder wenn man den Höchstwert der RWE-Aktien vor 10 Jahren mit knapp 100 Euro nimmt sogar rund 6 Mio Euro) – und das absehbar sowie  seit Jahren reichlich zweckfrei. Interessiert aber keinen. Oder?

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