prekär

19. Mai 2015

Bremen-TeneverDie taz titelt in ihrer Nachlese zur Bremen-Wahl vor einer Woche: „Orte der sozialen Spaltung – Wo die Nichtwähler wohnen“ und beschreibteine Entwicklung, die unsere Demokratie bedroht. Das Nichtwählen.

„Ein grell-oranger Zettel ist in Tenever [Foto oben] der letzte sichtbare Hinweis auf die Wahl. „Hier geht es zum Wahllokal“, steht da – darunter ein Wort mit 17 Ausrufezeichen: „Hingehen“. Viel gebracht hat’s nicht: Mit 31,8 Prozent hat das Hochhausquartier am Stadtrand die niedrigste Beteiligung in Bremen.

Die Bertelsmann-Stiftung hat bereits nach der Bundestagswahl 2013 konstatiert: Je prekärer die Lebensverhältnisse, desto weniger wird gewählt. In Tenever sind 21,3 Prozent der Menschen arbeitslos, fast 70 Prozent haben Migrationshintergrund. Die seit Freitag vorliegende Anschlussuntersuchung zur Bremen-Wahl bestätigt dieses Bild – die Schere hat sich sogar noch weiter geöffnet. „Deutschland ist längst eine sozial gespaltene Demokratie“, sagt Robert Vehrkamp, der die Studie durchgeführt hat.

In Tenever ist die Situation sogar noch drastischer als die Zahlen angeben. Denn…“

[weiter bei der taz]

Vor einigen Monaten habe ich im Magazin Cicero gelesen, Nichtwählen sei ein „Indiz für Desintegrationsprozesse in einer demokratischen Gesellschaft, ein Indiz für den bröckelnden politischen Zusammenhalt und damit letztendlich doch eine Gefahr für die Demokratie. Die Nichtwählerversteher und die Nichtwählerapologeten, die leichtfertig die Nichtwahl zum Zeitgeist erheben, nehmen dies fahrlässig oder sogar vorsätzlich in Kauf.“

Das stimmt zwanglos, und ich denke dabei nicht nur an Bremen sondern auch an unser Städtchen und seine Bereiche, in denen (fast) nicht gewählt wird. Exemplarisch dafür sind die Wohnbezirke Goosmanns Tannen (ehem. Neue Heimat) oder auch der Bereich östlich der Kaiserstraße. Denn dort sind die Lebensverhältnisse für viele Menschen prekär und eben dort liegt die Wahlbeteiligung (ohne Briefwahl) traditionell mehr als niedrig: Bei der letzten Kommunalwahl bspw. bei rund 24 % (!). Ein Schelm, wer denkt, dass dies der Grund dafür sein könnte, dass für diese Quartiere keine Kommunalpolitik stattfindet…

(Foto: Bremen-Tenever Jürgen Howaldt CC Attribution-Share Alike 3.0 Germany license).

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