Nachvernichtung

12. Mai 2015

Ein dienstäglicher Planungszwischenruf aus der Metropole des Emslandes:

03-13-burgstrasseWie ich höre, gibt es doch noch Bewegung bei den Plänen, am Ende der Burgstraße ein neues Gebäude zu errichten; Sie erinnern sich? Kaufmann Hermann Klaas und Ingenieur Siegfried Zech, also die Bauherrn, scheinen sich dazu entschlossen zu haben, doch eine Tiefgarage unter das Bauwerk zu bauen, in dem künftig 60 Ingenieure arbeiten sollen. Außerdem soll es auch eine -leider nur diese einzige- Wohnung obendrauf geben. Die Tiefgarage ist schlechtem Baugrund und einem teueren Bodenaustausch geschuldet [für den ich keine Verantwortung trage, wie ich beteuere] und die Wohnung irgendeiner Überlegung, die ich bisher nicht kenne. Sinnvoll wäre es, die Tiefgarage an die Einfahrt der Pferdemarktgarage anzukoppeln; ich hoffe da auf bessere Einsicht.

Die Planänderungen sind natürlich sehr zu begrüßen. Schließlich bauen wir in unserer Stadt nicht für fünf Jahre sondern für mehr als einhundert. Dass dies Nachhaltigkeit verlangt, hat die Lingener CDU-Ratsmehrheit leider noch nicht erkannt. Sie hat sich statt dessen von ernsthafter Stadtplanung verabschiedet und neben sinnfreien, viel Geld der Häuslebauer vernichtenden „Baugebieten“ (die heißen entlarvenderweise wirklich so und nicht etwa „Wohngebiet“) tut sich die CDU Lingen dadurch hervor, seltsame Gebäudemonster unter dem Namen „Nachverdichtung“ durchzuwinken. Dabei wäre doch das Substantiv „Nachvernichtung“ passender – angesichts fehlender Maßstäblichkeit dieser, sowieso architektonisch meist nicht überzeugenden Bauwerke sowie des Zupflasterns auch letzter Grundstücksecken mit „Einstellplätzen“ und davor platzierter Hutzelhüttchen, in denen Mülleimer ihr Dasein fristen.

Solch grundsatzfreie Stadtplanung nach Landherrenart ist weder nachhaltig noch klug, und nicht nur ich denke da auch sofort an das Bauvorhaben in der Lookenstraße, dass unsere Volksbank gerade in den emsländischen Sand setzt: Ohne Wohnungen, und wie ich höre, gar ohne Treppenhaus und Aufzug, sowie ohne Tiefgarage, also vor allem billig. Vor sieben Jahren hatte der Bauherr um mehr Geschossfläche gebeten, um oben zwei Wohnungen bauen zu können. Darüber freuten sich die Stadtplanenden. Als dann nach der allgemeinen Bankenkrise die Realisierung kam, blieb zwar Geschossflächenwachstum, doch die Wohnungen blieben nur auf der Strecke. „Versicherungsrechtliche Gründe“ lautet die Streich-Ausrede, die man nicht glauben muss, weil man sie nicht glauben kann.

(Grafik: Architekten Krämer + Susok)

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