800px-Fussball_01367 Jahre Westfälischer Friede und dann das: Traditionell (!) treffen das Münsteraner Gymnasium Paulinum und das Osnabrücker Carolinum jährlich aufeinander, um auf sportliche Weise den Besseren zu bestimmen und gleichzeitig zu regeln, wer sich ein Jahr lang als älteste Schule Deutschlands nennen darf. Was jung und unschuldig klingt, findet dieses Jahr nicht statt.  Der Grund sind übereifrige Pädagogen, die sich mit Grausen an das längst kultige 9:0 der Osnabrücker gegen die Münsteraner vor einem Jahr erinnerten, wo es für Münster nicht nur 9 Dinger sondern beim ersten Osnabrücker Erfolg seit sieben Jahren Böller und Pyro gab. Altschüler, die inzwischen zur »Osnabrücker Hooligan-Szene« (Paulinum) gehören sollen, hatten die Partie gestört.

Auch die unübersichtliche Lage des Sportplatzes habe dem Paulinum-Schulleiter Gerd Grave Sorgen gemacht. Während die Osnabrücker Illoshöhe über zwei Eingänge verfüge, die man kontrollieren könne, sei das Gebiet auf der Sentruper Höhe in Münster sehr unübersichtlich. So gebe es mehrere Eingänge, und auch Unbefugte könnten heimlich auf das Gelände gelangen. Eine Situation, die das Paulinum nach einigem Hin und Her zur Absage bewegte.

Daher jetzt die schulleiterliche Spielabsage. Die Neue Osnabrücker Zeitung nimmt sich des Derbydramas an. Leider hinter der Verlags-Paywall; versucht’s mal bei der Grafschafter GN.; bei mir funzte dieser Link.

(Quelle: FokusFussball; Foto Normanvogel CC)

Die Protagonisten dieser DwdkaLw-Facebook-Seite haben mich ja mal rausgeworfen, als ich mich der eigenwilligen Orthografie des Gruppennamens widmete. Doch für diesen DwdkaLw-Beitrag kann es nur Lob geben:

LingenFußball

Hätte man mir nicht nur den Beitrag sondern auch den Nachnamen von Kommentator Christoph gemailt, würde ich ihm ein Bier ausgeben: Am Freitag vor Pfingsten auf dem ASV-Sportplatz am Wallkamp beim -ich glaube- letzten Meisterschaftsspiel gegen Blau-Weiß Dörpen. Autoschrauber wie mein Fraktionskollege Marc Riße („@twittarisse“) haben ja bekanntlich von Fußball keine Ahnung, aber die SVMeppen-Affinität dieser NOZ-Sportfreaks müsste selbst ihm auffallen. Zum Beispiel heute der Emsland(!)-Headliner (!) nach einer desaströsen 0:6-Niederlage der B-Juniorinnen des…klar SV Meppen.

MTLTEZ-Jungs, geht’s noch?!

06SVM

Feuerwehr

Na?
Auch erst gelächelt über die Einsatzkräfte der Feuerwehr Emsbüren?

Aber hinter der „pm“ (Pressemitteilung) aus der heutigen Lokalzeitung steckt ein gar nicht zu belächelndes Problem. Seit Ende 2012 ist die Leitzentrale für Polizei, Feuerwehr und Krankennotrufe im 60km entfernten Osnabrück zentralisiert. Die Folge in diesem Fall: Da wird einfach mal die falsche Feuerwehr alarmiert und in die falsche Straße geschickt. Wäre die Leitzentrale noch vor Ort in Lingen, wäre das schwerlich passiert.

Wie versicherte die Lingener Polizei es fälschlich vor zweieinhalb Jahren, als die Polizeieinsatzzentrale Lingen ab- und Anrufe aus dem Altkreis nach Osnabrück geschaltet  wurden? „Das wird aber kein Bürger merken“.

Der Brandeinsatz in Emsbüren „unter schwerem Atemschutz“ zeigt etwas anderes und auch sonst wird nicht selten davon berichtet, dass lange gewartet werden muss, bis in der Osnabrück Leitzentrale der Notruf überhaupt angenommen wird. Der Emsbüren-Salzbergen-Fall betraf „nur“ ein Auto. Nicht auszudenken, wenn Menschen betroffen wären.

Meine These: Zentralisierungen sind immer und ausnahmslos mit mehr Bürokratie (hier mit einer eigenes gegründeten „Kommunalen Anstalt des öffentlichen Rechts“ und mietender Polizei) und vor allem Nachteilen für die Bevölkerung oder brennende Autos verbunden. Die weitere Behauptung, es würden „Kosten gespart“, klingt zwar immer gut, wird aber nie geprüft.

(Textausschnitt aus: Lingener Tagespost, 12.5.15)

ps Dass Polizei, Feuerwehr und Krankeneinsätze übrigens in einer einzigen Leitzentrale auflaufen und bearbeitet werden, ist unter Datenschutzgesichtspunkten ebenfalls ein Problem; auch wenn die Protagonisten dieser gemeinsamen Einrichtung dafür den mediensympathischen Begriff „bunte Leitzentrale“ verwenden. Bunt ist da nämlich gar nichts; denn wer möchte immer schon gleich auch die Polizei informieren, wenn nur Hilfe benötigt wird? Aber das ist ein anderes Thema….

Nachvernichtung

12. Mai 2015

Ein dienstäglicher Planungszwischenruf aus der Metropole des Emslandes:

03-13-burgstrasseWie ich höre, gibt es doch noch Bewegung bei den Plänen, am Ende der Burgstraße ein neues Gebäude zu errichten; Sie erinnern sich? Kaufmann Hermann Klaas und Ingenieur Siegfried Zech, also die Bauherrn, scheinen sich dazu entschlossen zu haben, doch eine Tiefgarage unter das Bauwerk zu bauen, in dem künftig 60 Ingenieure arbeiten sollen. Außerdem soll es auch eine -leider nur diese einzige- Wohnung obendrauf geben. Die Tiefgarage ist schlechtem Baugrund und einem teueren Bodenaustausch geschuldet [für den ich keine Verantwortung trage, wie ich beteuere] und die Wohnung irgendeiner Überlegung, die ich bisher nicht kenne. Sinnvoll wäre es, die Tiefgarage an die Einfahrt der Pferdemarktgarage anzukoppeln; ich hoffe da auf bessere Einsicht.

Die Planänderungen sind natürlich sehr zu begrüßen. Schließlich bauen wir in unserer Stadt nicht für fünf Jahre sondern für mehr als einhundert. Dass dies Nachhaltigkeit verlangt, hat die Lingener CDU-Ratsmehrheit leider noch nicht erkannt. Sie hat sich statt dessen von ernsthafter Stadtplanung verabschiedet und neben sinnfreien, viel Geld der Häuslebauer vernichtenden „Baugebieten“ (die heißen entlarvenderweise wirklich so und nicht etwa „Wohngebiet“) tut sich die CDU Lingen dadurch hervor, seltsame Gebäudemonster unter dem Namen „Nachverdichtung“ durchzuwinken. Dabei wäre doch das Substantiv „Nachvernichtung“ passender – angesichts fehlender Maßstäblichkeit dieser, sowieso architektonisch meist nicht überzeugenden Bauwerke sowie des Zupflasterns auch letzter Grundstücksecken mit „Einstellplätzen“ und davor platzierter Hutzelhüttchen, in denen Mülleimer ihr Dasein fristen.

Solch grundsatzfreie Stadtplanung nach Landherrenart ist weder nachhaltig noch klug, und nicht nur ich denke da auch sofort an das Bauvorhaben in der Lookenstraße, dass unsere Volksbank gerade in den emsländischen Sand setzt: Ohne Wohnungen, und wie ich höre, gar ohne Treppenhaus und Aufzug, sowie ohne Tiefgarage, also vor allem billig. Vor sieben Jahren hatte der Bauherr um mehr Geschossfläche gebeten, um oben zwei Wohnungen bauen zu können. Darüber freuten sich die Stadtplanenden. Als dann nach der allgemeinen Bankenkrise die Realisierung kam, blieb zwar Geschossflächenwachstum, doch die Wohnungen blieben nur auf der Strecke. „Versicherungsrechtliche Gründe“ lautet die Streich-Ausrede, die man nicht glauben muss, weil man sie nicht glauben kann.

(Grafik: Architekten Krämer + Susok)