Verzweiflung

19. April 2015

Gestern Abend gegen halb zehn Uhr hat sich in Lingen ein 36-jähriger Marokkaner im Kreuzungsbereich Meppener Straße/ Wilhelmstraße angezündet und sich dadurch lebensgefährliche Brandverletzungen zugezogen. Der Asylantrag des Flüchtlings war abgelehnt worden.

Nach Angaben der Polizei hatte der Mann über Notruf einen Suizid angekündigt, dann aus einer mitgeführten Flasche Benzin über seine Kleidung gegossen und sich vor den Augen von Passanten mit einem Feuerzeug selbst angezündet. Die Passanten rissen den brennenden Mann zu Boden und versuchten das Feuer zu löschen. Erst eintreffenden Polizeibeamten gelang es schließlich, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu ersticken.

Der 36-Jährige kam mit schwersten Bandverletzungen in das Lingener Krankenhaus. Nach einer ersten Versorgung wurde er gegen Mitternacht mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik nach Gelsenkirchen-Buer geflogen. Der Mann sollte am morgigen Montag abgeschoben werden; genaue Gründe dafür sind nicht bekannt.

Ein direktes Fremdverschulden ist nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei auszuschließen. In einer lokalen, für ihre rechtsextremen Beiträge bekannten Facebookgruppe war noch in der Nacht von rechtsgerichteten Personen behauptet worden, der Mann solle bei einer Auseinandersetzung von ausländischen Kontrahenten angezündet worden sein. Tatsächlich handelte es sich bei der versuchten Selbstverbrennung offensichtlich um eine Verzweiflungstat.

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19. April 2015

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