gut, dass wir ihn haben

2. März 2015

BunkerWasserturm

Es gibt Gerüchte, dass der Spitzbunker neben den Emslandhallen doch nicht abgerissen wird, wenn dort ein >3000qm Supermarkt von Edeka entsteht, den bekanntlich niemand braucht. Zum Mahnmal Spitzbunker lese ich in der Facebookgruppe diesen Kommentar des im ostfriesischen Weener lebenden Lingeners Lutz Richter:

Um es so klar zu sagen, der Bunker ist hässlich und fügt sich nicht ins Gesamtbild der Stadt ein. Aber muss er das? Ist es sinnvoll, dass ein Mahnmal hübsch unauffällig und zweckmäßig ist? Würde ein nett Gestalten nicht die Greuel und das Leid des Krieges verniedlichen?

Als ich als Kind mit meinen Eltern über die Südbrücke gefahren bin, war dieser Bunker der Anlass, dass meine Eltern mir erklärten, was ein Bunker ist und -viel wichtiger- was denn Krieg war. Der Bunker weckte in mir das Interesse für Geschichte, unsere Geschichte, aber später auch für Politik. Damit hat der Bunker seine Funktion als Mahnmal erfüllt.

Herr van Lengerich: Krieg ist nie schön und die Erinnerung an die Nazizeit schmerzhaft oder zumindest unangenehm. Aber sie ist notwendig, heute wo überall auf der Welt wieder Stellvertreterkriege geführt und Menschen wegen ihrer Religion, Überzeugung oder Hautfarbe ermordet werden – so sehr wie in den letzten Jahrzehnten nicht.

So wie der Bunker früher der Bevölkerung diente, um den Bombenhagel der Alliierten zu entkommen, dient er heute der Bevölkerung, und vor allen den Nachkriegsgenerationen, um erinnert zu werden. Erinnert daran, dass es nie wieder einen Grund geben darf, Bunker zu bauen, weder hier noch irgendwo sonst.

So wie mir wird es vielen Kindern ergangen sein. Ich habe mich mit dem Thema auseinander gesetzt und es hat meine Werte, meine Moralvorstellungen geprägt. Wäre dieses auch so gekommen, würde es dieses oder auch andere Mahnmale nicht mehr geben? Niemand würde es wagen, auf den Baracken von Auschwitz ein Einkaufcenter zu bauen. Warum dieser Bunker? Er ist der letzte wirkliche Stachel im Fleisch der Stadt.

Es ist gut, dass wir ihn haben.

[Foto: „Zwei Gebäude, die zu Lingen gehören“ – Photo by © Pamo mit Steffi Ko und Patrick Möller]

Update: Hier ein Beitrag von ev1.tv:

Bildschirmfoto 2015-03-01 um 14.45.17

 

16 Antworten to “gut, dass wir ihn haben”

  1. Kann es sein, dass die historische Bedeutung des Bunkers ein wenig gerade gerückt werden muss? Der steht doch nicht zufällig an der Stelle – und die Aufnahmekapazität dieses einen Bunkers hätte bei weitem nicht ausgereicht, der gesamten damaligen Lingener Bevölkerung Schutz zu bieten. Sehr wohl konnte er aber die Beschäftigten in den kriegswichtigen Eisenbahnwerken schützen. Diese Werkshallen waren den Alliierten sehr wohl bekannt und Angriffsziel der Bomber.
    Unter diesem Aspekt könnte man den Bunker meiner Meinung nach auch als indirekten Rüstungsbeitrag sehen.

  2. Bolle said

    Ein Aspekt der beachtet werden sollte.

  3. Henk Muhammad Wilders said

    Politisch inkorrekte Denkmäler eben.

  4. kib said

    @Bolle, in Lingen schon immer bekannt, wer im Spitzbunker Schutz vor Bomben fand: B.S. hat hier durchaus Recht.

  5. kib said

    Ein Text, mit den beginnenden Worten: Es gibt Gerüchte …ist wenig seriös. Ebenso unseriör wie der Slogan der BN: Wir „krähen“ noch lauter bzw. wie die die „Bananen-Reportage“ hier im Blog zum Abriss der Kokemühle. Nchts gegen Wind- aber bitte keine lauen Lüftchen (oder Gerüchte-Furze).

  6. heiner11 said

    Was die Kommentatoren B. Schulte, Bolle und Kib an dieser Stelle zum Thema „Spitzbunker“ geschrieben haben, ist, um es vorsichtig zu formulieren, der Sache nicht angemessen!

    zu Herrn Schulte:
    Die Erkenntnis, dass ein Bunker ein (indirekter ?) „Rüstungsbeitrag“ sei, ist eine Banalität. Was soll denn ein Bunker sonst sein? Man sollte in diesem konkreten Zusammenhang wissen, dass spätestens mit dem 4-Jahresplan von 1936 die deutsche Wirtschaft, ähnlich wie die Wehrmacht, kriegsfähig gemacht werden sollte, d.h. dass alle Infrastrukturmaßnahmen (z. B. Brücken, Straßen, Kapazitätserweitereungen etc.) der Vorbereitung des NS-Angriffskrieges dienten. Der Bau von Bunkern, die nicht als Kampfeinheit geplant waren (Westwall), ist da eher eine Nebenerscheinung.
    Nach Ihrer Lesart, ist doch auch der Pulverturm ein (direkter?) Rüstungsbeitrag oder?

    zu kib:
    Die Frage, wer im Lingener Bunker Schutz fand bzw. finden durfte, ist historisch längst nicht aufgearbeitet. In erster Linie ging es um die Belegschaft des Eisenbahnwerkes. Dies waren Arbeiter und Angestellte aus Lingen und Umgebung, die man hier nicht unter Generalverdacht stellen sollte. Nicht jeder Arbeiter, der eine Lokomotive in Lingen reparierte, war damit auch NS-Täter. Viel spannender ist die Frage, ob bei einem Bombenalarm auch die vielen sog. „Fremdarbeiter“ und zwangsrekrutierten Hilskräfte aus den Reihen der unterdrückten Völker Europas in den Bunker durften. Hier sollte die historische Forschung ansetzen. Es gibt Gerüchte, dass sie nicht in den Bunker durften!
    Ferner steht zweifelsfrei fest, dass auch Lingener Familien, die in der Nähe wohnten, den Bunker bei Fliegeralarm nutzen konnten, sofern sie es rechtzeitig über die Gleise und den damals noch vorhandenen Bahnübergang vom Strootgebiet in den Schutzraum schafften.

    Anfang der neunziger Jahre hat eine Klasse des Gymnasiums Leoninum in Handrup im Rahmen des Geschichtswettbewerbes der Körberstiftung den Spitzbunker untersucht und auch einige Zeitzeugen befragt.
    Schon damals hat sich Herr van Lengerich den Schülern gegenüber wenig kooperationsbereit gezeigt (Der Bunker diente quasi als Lagerraum) und die mit OB Neuhaus abgesprochene Anbringung einer Denkschrift am Bunker (Text von den Schülern entworfen) kam nie zustande. Man kann sich heute denken warum!

    Dieser Bunker ist ein Teil der Stadtgeschichte! Er wirft noch viele Fragen auf, die von Fachleuten angegangen werden sollten (vielleicht mit ähnlichem Schwung wie ihn die „Sauber“leute des Parkhügels an den Tag legen, allerdings mit einem Unterschied: Stadtgeschichte ist halt nicht immer schön!

  7. kib said

    Heiner 11: Ich stimme Ihnen „theoretisch“ uneingeschränkt zu. Allerdings übersehe ich nicht, dass der Bunker auf einem privaten Grundstück steht, jahrzehntelang den Eigentümer störte und in Lingen wirklich -bis vor Kurzem- niemandem wichtig war. Mein Wissen ist nicht „historisch“ bewiesen. Ich bin ja nicht Guido Knopp :)! Es rührt ausschließlich aus Gesprächen mit Zeitzeugen die u.a. die Bombardierung der damaligen Raffinerie in Salzbergen bzw. in Lingen am Eisenbahnausbesserungs-Werk an der Rheiner Straße erlebt haben.
    Niemand von den Betroffenen mit denen ich sprach hat in den schlimmen „Bombennächten“ Unterschlupf in halbwegs sicheren Bunkern gefunden! Der Zutritt war Arbeitern kriegswichtiger Unternehmen (vorrangig deren Vorgesetzten) vorbehalten und meines Wissens nach gab es damals im „armen“ Salzbergen nicht einmal einen Bunker.
    Ihr Thema Aufarbeitung ist wichtig: Aber, findet sie in den Köpfen (Schulen) statt oder benötigt man dazu ein Mahnmal auf einem nicht öffentlichen Gelände? Oder hat ein Städtchen wie Salzbergen gar Glück nicht einmal einen Bunker gehabt zu haben?

    • Hendrik Ganike said

      Was ein Unsinn, dass der Spitzbunker erst „vor kurzem“ den Lingenern wichtig geworden ist. Für ein unschönes Mahnmal des Krieges kämpft man aber nun mal erst dann, wenn es beseitigt werden soll.
      Und bis vor wenigen Jahren brauchten die Lingener, eben aufgrund der eigenen Erfahrungen oder direkten Erzählungen der Kriegsgeneration, kein vermeintlich zusätzliches Mahnmal.
      Gerade aber das macht den Bunker für mindestens die nächsten 60 Jahre und weit darüber hinaus so wichtig.

  8. kib said

    Ganz besonders Geschmacklos empfinde ich die Facebook-Gruppe die in ihren Anfängen mit „Rettet Bunki“ gestartet ist.

  9. Im Kommentar von Heiner11 am 06.03. heißt es abschließend: „Stadtgeschichte ist nicht immer schön!“
    Gerade im Zusammenhang mit dem Spitzbunker ist dem nur zustimmen. Und wenn der Bunker erhalten bleibt um das aufzuzeigen, kann ich gut damit leben.
    Schwer erträglich ist jedoch die Argumentation vieler Nostalgiker mit ihrer „Erinnerungskultur“, die das Bauwerk als Kriegsmahnmal und Schutzeinrichtung für die Bevölkerung darstellen. Im Laufe von nunmehr 70 Jahren ist es anscheinend nicht gelungen, die wahre Bedeutung des Bunkers für die Stadt herauszuarbeiten. Stattdessen haben sich im Laufe der vielen Jahre Legenden und rührselige Erzählungen gebildet, die einer genauen Betrachtung kaum standhalten.
    Die Aufnahmekapazität des Bunkers war begrenzt, und so stand er wohl vorrangig den Bahnbeschäftigten zur Verfügung.
    Ob auch die Zwangsarbeiter diese Schutzeinrichtung nutzen durften, wage ich zu bezweifeln. Das Raumangebot wäre doch viel zu kostbar gewesen, um „Osteuropäische Untermenschen“ (für ironieresistente Menschen: Das ist nicht meine sondern Naziterminologie) zu schützen. Stattdessen fanden dann die zitierten Privatpersonen, in der Umgebung wohnende Angehörige der Bahnbeschäftigten, Unterschlupf im engen Bunker.
    Wirkliche Mahnmale für die Kriegsschrecken sind die Fassaden einiger alter Häuser, die bis in die Giebelspitzen hinauf noch Spuren von umher fliegenden Granatensplittern und Geschossen aufweisen. Die Bewohner dieser Häuser konnten sich bestenfalls im dünnwandigen Keller ihres Hauses verkriechen.

  10. kib said

    Heiner und wer sich mit unserer Stadtgeschichte auseinandersetzt, demokratisch rechtsstaatlich denkt wird mir ggf. zustimmen: Robert Koop fischt sich Themen aus Facebook, Instergram, twitter… zusammen und bastelt sich aus vielen „Oppositionen“ seine politische Wirklichkeit (u.a. wie Sie schon erkannt haben: PARKHÜGEL). Die viele Themen hier in seinem Blog zeugen davon: allesamt weder Fisch noch Fleisch.
    Er hat sogar Zeit sich mit Administratoren einer Facebook-Gruppe in Lingen zu streiten, die ihn nicht wollten… Ok, die Lingener SPD ja auch nicht.

    • CTS said

      Weder Fisch noch Fleisch,so so……dafür, dass sie diesen Blog nicht sonderlich interessant finden,posten Sie aber dennoch ganz ordentlich auf diesem Blog…..obwohl ich Sie nicht kenne kib,werde ich dass Gefühl nicht los dass Sie eher eine persönliche Abneigung gegen Herrn Koop hier ausleben….wenn Sie die Themen nicht interessant finden,dann bleiben Sie dem Blog doch einfach fern,und jut is ;),keiner zwingt sie täglich zu gucken, was es spannendes auf Roberts Blog gibt….

      • CTS said

        Dass was mich stört kib,dass Sie Menschen persönlich angehen,es ist völlig OK sich über Themen zu äussern,aber ihre Art ist ja gerade zu abfällig…nicht OK…

  11. kib said

    CTS: Dank Ihnen. Ich denk drüber nach.

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