Montagmorgen-Polemik

23. Februar 2015

Meine Montagmorgen-Polemik.

„Der „Trimm-Dich-Pfad“ am Kiesberg in #Lingen braucht dringend eine Generalüberholung“, twitterte gestern Nachmittag @Lingen_Fehler; @Lingen_Fehler ist ein ausgesprochen kritischer Zeitgeist, der regelmäßig seinen twitternden Finger in die Wunde kommunaler Unfähig- und Unfertigkeit legt und ihn dann gleichermaßen öffentlich wie sanft dreht.

Ausnahmsweise möchte ich ihm widersprechen, wenn auch nur etwas. Der Trimmpfad nebst Laufstrecke am Kiesberg braucht nämlich nur die nölige Aufmerksamkeit. Twitterer @ewoh_de antwortete auch schnell, das sei doch mit allen Trimm-Dich-Pfaden so. „Kenne keinen, der in Schuss ist. An die Unterhaltung wird nie gedacht.“

Spontan habe ich da meinen Fraktionskollegen Atze Storm angerufen, das Thema in der Sitzung des Sportausschusses anzusprechen, die heute in einer Woche stattfindet. Aber im Vertrauen, geschätzte/r Leser/in: Ich nehme an, dass bis dahin die Dinge schon geregelt sind und die PR-Abteilung des Rathauses unsern fotofreudigen OB an eine der bis dahin frisch gesäuberten Trimm-Dich-Reckstangen gehängt hat, um sein fortwährendes Engagement für den Sport im allgemeinen und den Trimmpfad an der Kiesbergstraße im besonderen für alle nicht twitternden Lingener -also 95% – nachdrücklich unter fotografischen Beweis zu stellen. Das Eingangstor wird diese Verwaltung allerdings sofort abreißen, damit im Brandfall die Feuerwehr ungehindert durchfahren kann – also, Sie verstehen, wegen der Verkehrssicherungspflicht; die nämlich ist das neue Lieblingsargument der öffentlich Bediensteten und damit lassen sie sofort jedes gewählte Ratsmitglied verstummen. Denn das meint, selbst sofort in Haft und Haftung genommen zu werden also jedenfalls Haus und Hof zu verlieren, falls es nicht bedingungslos Ja zu dem sagt, was Verwaltung „wegen der Verkehrssicherungspflicht“ will: bspw. Straßen für Radfahrer und Fußgänger sperren, dem lokalen Pöttemarkt durch Feuerwehrautoschneisen viel Charme nehmen oder auch Salz ohne Ende auf die Straßen knallen lassen, wenn auch nur der Hauch einer minutenlangen morgendliche Glätte zu erahnen ist.

Denn merket auf, Ihr Lieben: So tickt öffentliche Verwaltung heutzutage.

Bildschirmfoto 2015-02-22 um 18.06.57

ps Bevor die Arbeiten wieder dem städtischen Bauhof angetragen werden, darf man auch das Christophoruswerk fragen, ob seine Wohngruppen nebenan nicht mit ’nem Eimer warmes Wasser etwas Zeit investieren können, um die völlig verdreckten Schilder zu reinigen. Und das Trimm-Pfad-Tor und die beanspruchten Trimm-Geräte werden doch bestimmt je zur Hälfte von den rührigen Ortsräten Laxten und Darme instand gesetzt – liegt doch der Trimmpfad in etwa auf der Grenze zwischen ihren Zuständigkeitsbereichen.

 

[Foto: © Lingen_Fehler; danke für das OK, die Fotos verwenden zu dürfen]

spanisch

23. Februar 2015

Wie spanisch war die spanische Zeit in Lingen?
Eine Zeitreise in die Lingener Geschichte
Vortrag von Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Heute – 19 Uhr

Eintritt frei – Spende erbeten

Zu einem Vortrag über die „Spanische Zeit in Lingen“ lädt die Deutsch-Hispanische Gesellschaft am Montag, 23. Februar, um 19.00 Uhr in das Emslandmuseum Lingen in. Dr. Andreas Eiynck wird anhand zahlreicher Dokumente und Bilder über Lingen im Zeitraum zwischen 1550 und 1630 berichten. In diese Zeit fallen der Ausbau der Lingener Festungswerke, die wechselseitigen Eroberungen der Stadt im spanisch-niederländischen Krieg, aber auch der Wechsel der Konfession, der mit jeder Eroberung der Festung verbunden war. Der Referent wird dabei insbesondere der Frage nachgehen, wie stark die sogenannte „Spanische Zeit“ in Lingen wirklich von Spanien bestimmt wurde, oder ob im damaligen Habsburgerreich nicht ganz andere Kräfte das Schicksal Lingens leiteten.

Zur Einordnung: Der Habsburger Kaiser Karl V. eroberte im 16. Jahrhundert Lingen, um hier die unter den Tecklenburger 1541 eingeführte lutherische Reformation wieder rückgängig zu machen. Als bald darauf in den Niederlanden ein Aufstand gegen die Habsburger losbrach, kam den Habsburgern die Festung Lingen aufgrund ihrer verkehrsräumlichen Lage sehr gelegen. An der Spitze des Hauses Habsburg stand mittlerweile Philipp II, König von Spanien. So gelangten auch spanische Truppen auf den niederländischen Kriegsschauplatz, in dem die Festung Lingen eine wichtige Rolle spielte. Als „Teil von Spanien“ wurde Lingen aber nie betrachte, sondern die Habsburger zählten es immer zu den Niederlanden. Der Begriff „Spanische Niederlande“ kam erst später auf, als sich die calvinistisch geprägten nordlichen Niederlande entgültig von den Habsburgern lossagten. Auch der bekannte Admiral Spinola (Bild oben lks), der 1605 die Festung Lingen den Oraniern nach achtjähriger Besetzung wieder entreißen konnte, war kein Spanier, sondern ein gebürtiger Genuese, der in den Diensten der Habsburger stand. Die von ihm auf dem heutigen Universitätsplatz errichtete Garnisonskirche nannten man folgerichtig auch nicht die „Spanische“, sondern die „Italienische Kirche“. Das Heer der Habsburger bildete ohnehin einen bunten Mix von Söldnern aus vielen Ländern Europas.

Neben den großen politischen und militärischen Ereignissen dieser Zeit schildert Andreas Eiynck (Foto unten) aber auch alltägliche Begebenheiten aus jener Epoche. Hierzu gehört das Leben der Bauern, wie es sich im Spiegel der „Beschrivinge“ der Grafschaft Lingen von 1555 darstellt, aber auch das Schicksal der Bewohner von Stadt und Land in den damaligen Kriegszeiten. Schließlich zeigt der Referent Beispiele, wo Spuren der „Spanischen Zeit“ in Lingen bis heute zu entdecken sind.
Die Deutsch-Hispanische Gesellschaft lädt zu diesem Vortrag ein.

(Aufnahmen: Oben Ambrogio Spinola – Gemälde von Michiel Jansz. van Mierevelt, 1633; unten: Dr. Andreas Eiynck, Foto von J.-H. Janßen CC BY-SA 3.0)