verrückt

21. Februar 2015

erdgasfoerderungEin Bericht auf NiederlandeNet über die Auswirkungen der Erdgasförderung im Nord-/Osten der Niederlande, über Hintergründe und Proteste:

Maximaler Gewinn und und bestmögliche Förderungsbedingungen bei den niederländischen Bodenschätzen waren den Verantwortlichen bei der Gasgewinnung in der Provinz Groningen jahrelang wichtiger als die Sicherheit von Anwohnern. So lautet das Ergebnis einer Studie, die der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV) am Mittwoch veröffentlicht hat. Zornige Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Anlass für die Studie waren viele unterschiedlich starke Erdbeben, die immer wieder durch die Gasgewinnung verursacht wurden. Etliche Gebäude in der grenznahen nordniederländischen Provinz Groningen wurden durch die vielen Erschütterungen beschädigt und der Boden sank an etlichen Stellen spürbar ab. Im Jahr 2012 etwa bebte die Erde dort insgesamt 93 Mal, 2013 wurde diese Zahl mit 96 Erdbeben bereits Mitte September überschritten (NiederlandeNet berichtete). Erst in der vergangenen Woche hatte der für die Erdgasförderung zuständige niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) aktuelle verkündet, die Gasförderung bis zur Jahresmitte zunächst einmal herunterzufahren. Als Gründe führte er wachsende Proteste aus der Bevölkerung sowie erneute kleine Erdbeben an (NiederlandeNet berichtete).

Im Text der Studie hieß es, dass mangelhafte Kommunikation in den vergangenen Jahren zu einem beschädigten Verhältnis zu den Groninger Bürgern geführt habe. Die betroffenen Akteure aus Politik und Niederländischer Erdöl Gesellschaft (NAM) müssten das Verhältnis nun reparieren und es müsse viel stärker mit Anwohner über mögliche Risikos der Erdgasgewinnung gesprochen werden. Auch sollte zukünftig nicht mehr nur das Wirtschaftsministerium allein, sondern auch andere Ministerien in Den Haag am Entscheidungsprozess zur Gasgewinnung beteiligt sein.

Politiker und Groninger Bürgerinitiativen reagierten auf die am Mittwoch publizierte Studie entrüstet: „Die Schlussfolgerungen des Berichts ist schlichtweg schockierend“, so William Moorlag, PvdA-Abgeordneter im Groninger Provinzparlament gegenüber RTL Nieuws. Dass man noch im Jahr 2013 eine Rekordmenge an Gas gefördert habe, sei vor diesem Hintergrund ein „grober Skandal“. Groningens Bürgermeister Peter den Oudsten (PvdA) forderte die Einrichtung einer parlamentarische Enquete-Kommission zur Gasgewinnung. Erbost reagierte auch die Grünen-Abgeordnete Liesbeth van Tongeren auf den jetzt veröffentlichen Bericht des OVV: „Der Staat lief blind hinter den Milliarden hinterher und die NAM war blind für unbequeme Fakten über Erbeben und Bodensenkung.“

Bildschirmfoto 2015-02-21 um 23.12.04Vertreter lokaler Bürgerinitiativen forderten nach Veröffentlichung der Studie ein Handeln der Politik. So hofft John Lanting von der Interessengruppe Schokkend Groningen, dass Wirtschaftsminister Kamp nach der Veröffentlichung der neuesten Erkenntnisse nun einen anderen Kurs einschlägt. Selbst werden Lanting und seine Mitstreiter die Arbeit der letzten Zeit ungebremst weiterführen: „Für uns verändert sich nichts. Wir werden auch weiterhin Anzeigen gegen den Minister aber auch den Direktor der NAM erstatten. Sie bringen uns in Gefahr und so müssen sie rechtlich verfolgt werden.“ Dirk Kleijer von der Initiative Groninger Bodem Beweging sieht die jahrelange Arbeit seiner Bewegung und die Gefühle der Groninger Bevölkerung durch die Studie bestätigt: „Groninger liefen jahrelang gegen eine Mauer aus Unverständnis und wurden für verrückt erklärt. Endlich gibt es eine Bestätigung dessen, was wir bereits wussten: Unsere Sicherheit spielte keine Rolle und das ist ein Skandal.“

Mehr zum Thema Gasgewinnung auch im Dossier von NiederlandeNet Energiegewinnung in den Niederlanden.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

[Foto: Erdgasgewinnung in der Provinz Groningen, Quelle: NAM]

wieder kälter

21. Februar 2015

Es wird wieder kälter, hört man.

wiederkalt