satt

11. Februar 2015

Unter dem Motto „Wir haben es satt – Wir machen Euch satt“ diskutierten am Montag dieser Woche im emsländischen Niederlangen regionale Landwirte mit Vertretern der katholischen Hilfsorganisation Misereor. Denn die Landwirte fühlen sich von Misereor und anderen als Sündenbock an den Pranger gestellt. Hier beispielsweise berichtet und klagt Internet-Landwirt Buggy Barkmann (Brümsel) und ihm folgend die meisten der Kommentatoren in seinem Blog

Misereor widerspricht: „Deutsche Export-Landwirtschaft bekämpft nicht weltweiten Hunger“ titelt die aktuelle Presseerklärung des katholischen Hilfswerks und berichtet -wenn auch anders als Teilnehmer Buggy Barkmann- über die Diskussionsveranstaltung:

„Mehr als 150 Landwirte und Bürger aus dem Emsland haben am Montagabend mit Vertretern des katholischen Entwicklungshilfswerks MISEREOR über die Zukunftsfähigkeit ihrer Landwirtschaft diskutiert. Dabei forderte das Hilfswerk erneut einen grundlegenden Wandel der globalen Agrarpolitik zur Bekämpfung des Hungers weltweit und eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft im Interesse zukünftiger Generationen.

„Bekommen Landwirte nur noch so viel Geld für ihr Produkt, dass sie die Versorgung ihrer Familien allein durch immer größere Ställe, immer mehr Fläche und mit immer stärkerer Übernutzung natürlicher Ressourcen gewährleisten können, dann ist unser Agrarsystem nicht zukunftsfähig. Sowohl im Norden als auch im Süden dieser Welt“, sagte Felix zu Löwenstein, Landwirt und Mitglied des MISEREOR-Beirats.

Felix zu Löwenstein war gemeinsam mit Theo Paul, Generalvikar im Bistum Osnabrück und Vorsitzender des MISEREOR-Verwaltungsrates, und Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung „Politik und globale Zukunftsfragen“ bei MISEREOR, auf Anregung der katholischen Landjugendbewegung (KLJB) nach Niederlangen im Emsland gereist. Viele Landwirte dort sehen sich in den Forderungen des katholischen Hilfswerks in ihrer Arbeit kritisiert und von Medien, Politik und der Öffentlichkeit immer wieder als „Sündenböcke“ dargestellt.

misereor_logoDie Vertreter MISEREORS bekundeten, dass es nicht um individuelles Fehlverhalten einzelner Bauern gehe, sondern um ein politisches System, welches den Bauern kaum noch Alternativen zwischen Wachsen oder Weichen lasse. „Wir müssen die Probleme unserer Agrarpolitik anerkennen und tabulos darüber diskutieren. Andernfalls gibt es keine Zukunft für die bäuerliche Landwirtschaft“, betonte Theo Paul. Aufgabe MISEREORS sei es, im Kampf gegen den Hunger in der Welt die Zusammenhänge zwischen der Wirtschaftsweise exportorientierter Nationen und der Not in vielen armen Ländern erkennbar zu machen. „Dazu gehört auch, unbequeme Fragen zu stellen.“

Bernd Bornhorst schilderte nachdrücklich die Probleme, die sich aus der gegenwärtigen Landwirtschaftspolitik für arme Menschen in Afrika oder Lateinamerika ergäben. Dort würden u.a. bäuerliche Betriebe durch billige Importe aus der EU zerstört oder Kleinbauern vertrieben, weil ihr Land für Sojaanbau genutzt werden solle. „Die Behauptung, dass die deutsche Exportlandwirtschaft den Hunger in der Welt bekämpft, ist falsch“, erklärte Bornhorst. „Allerdings reicht es nicht aus, nur die Landwirtschaft in die Pflicht zu nehmen. Wir müssen auch das Verhalten der Konsumenten und den großen Einfluss der Lebensmittelindustrie in den Blick nehmen“.

Alle drei MISEREOR-Vertreter betonten in der Diskussion mit den Landwirten, dass es mit Blick auf die Weltmarktabhängigkeit der Landwirtschaft, den Kampf um Preishoheit und dem Aussterben kleinbäuerlicher Betriebe in allen Ländern der Erde nur das gemeinsame Bestreben von Bauern und Verbrauchern sein könne, Lösungswege zu finden. Dazu sei es unabdingbar, den gemeinsamen Dialog weiterzuführen. Bernd Bornhorst: „Im Kern wollen Bauern in Nord und Süd das Gleiche: Für gute Nahrungsmittel gute Preise zu bekommen“.“

Angesichts der Empörung vieler Landwirte in der Region reibe ich mir verdutzt die Augen. Verstehen sie überhaupt ansatzweise das Anliegen der Kritiker an der industriellen Landwirtschaft [mehr…]? Etwa was es eigentlich bedeutet, dass 95 Prozent des in Europa verkauften Gemüse-Saatguts inzwischen von nur fünf Firmen geliefert? Allein der Monsanto-Konzern beherrscht zum Beispiel 24 Prozent des Marktes bei Tomaten-, Paprika- und Gurkensaatgut, nachdem der Konzern vor sieben Jahren das bei Tomaten-, Paprika- und Gurkensaatgut führende niederländische Unternehmen De Ruiter gekauft hat [mehr…]. Wer will das??!

„Landwirte müssen sich kritischen Fragen stellen“, sagte Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, bei der Diskussion in Niederlangen. Das fehlt ihnen aber in ihrer derEmpörung über die, die ihnen warnend den Spiegel vorhalten und ihnen sagen, dass ihre Art der industriellen Landwirtschaft unzweifelhaft in eine Sackgasse führt. Ein Besucher der Diskussion kommentiert dies auf der Webseite des NDR so:

„Ich bin bei diesem Termin dabei gewesen und ich glaube nicht, dass sich die Bauern, die diese Veranstaltung organisiert haben, einen Gefallen getan haben. Sie isolieren sich, das ist zu befürchten, durch Ihr Verhalten selber.
Für mich sah es so aus, als dass Einige immer noch nicht verstanden haben, dass sie sich durch Ihre Art zu wirtschaften (Massentierhaltung) selber den Ast absägen, auf dem sie sitzen.  Und dass sie sich nicht scheuten, sogar der Organisation Misereor mit Zurückhaltung der Spendenbereitschaft zu drohen, spricht Bände. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas möglich ist.“

NDR: „Wir haben es satt“. Landwirte sauer auf Kirche

ps.: Noch dies zum Thema aus dem Westen:

23 Antworten zu “satt”

  1. Moin,
    allen Lesern möchte ich, bevor ich ausführlicher antworten kann, einmal die Kommentare in meinem Blog empfehlen- da sind ein paar wirklich gute dabei.
    http://blogagrar.de/2015/02/09/dialog-mit-misereor-ii/#comments

  2. Cord Meier said

    Der Robert hat nichs verstanden. Warum läuft Miseror auf der Wir haben es satt Demo, neben so genannten Tierschützern wie Peta oder ARIWA mit? Letztere sind gegen Tierhaltung in der Landwirtschaft. Aber darauf geht der Robert nicht ein, das versteht er wohl selber nicht.

  3. Johannes said

    Sehr geehrter Herr Koop,

    Glauben Sie allen Ernstes, dass wir Landwirte einfach ökologisch wirtschaften sollten und es ginge allen besser?
    Miserior, in Person von Herrn Bornhorst sagt, dass wir die Beteuerungen annehmen sollten , dass es Miserior um Ziele im Konzept geht und nicht darum Bauern zu verunglimpfen.
    Die Handlung von Miserior distanziert sich aber von diesen Beteuerungen, genau so, wie über 95 % der Verbraucher am liebsten billig kaufen, es aber auch oft anders kundtun.
    Worte und Handlungen sollten schon authentisch sein, sonst sinkt die Glaubwürdigkeit, wie man hier wieder sieht.
    Wenn wir deutschen Bauern einfach die Produktion zurück führen, damit jeder hier in Deutschland ein vermeintlich reines Gewissen hat wird folgendes passieren.
    90 % der deutschen Landwirte würden keine ausreichenden Einkommen mehr erzielen, weil Ihnen der Mehraufwand von niemandem bezahlt wird! Sehr schnell wird dann die Nahrungsmittel Lücke mit Importen gefüllt, aus Ländern in denen es den Tieren in jedem Fall schlechter geht und wo dann auch der Ackerbau womöglich mit noch mehr Pestiziden intensiviert werden muss. Das will doch niemand, oder? Ist es dann vor der Haustür nicht mehr zu sehen und es ist in Ordnung?
    Die Einflüsse der deutschen Landwirtschaft auf die globale Ernährung und besonders auf die Hunger leidenden Regionen wird scheinbar oft unterschiedlich dargestellt.
    Ich möchte Ihnen raten sich hier einmal auf den Seiten von Herrn Keckl zu informieren. Es ist, glaube ich viel zu einfach den reichen Ländern üble Auswirkungen auf die 3. Welt vorzuwerfen. Die Thematik ist viel komplexer!

    http://Www.keckl.de

    Wir Landwirte sind doch bereit umzudenken. Mal wieder. Wir machen eigentlich nichts anderes. Wenn die Politik und der Markt neue sinnvolle Anreize schaffen, setzen wir sowas sehr schnell um.
    Wenn wir mit unserer Lebensmittelproduktion „nur“ Deutschland ernähren sollen und wir unsere Familien damit ernähren können, wären wir sicherlich dazu bereit!
    Dann muss die Politik jedem vorschreiben was er zu essen hat, nicht nur in Deutschland, sondern Weltweit.
    Dann muss die Politik die positiven Auswirkungen der deutschen Landwirtschaft auf die 3. Welt ersetzen. …

    Ziemlich unrealistisch. ..wir Landwirte wissen was wir tun.
    Alle Landwirte, die mit Ihnen laufen haben wohl eine Nische gefunden um Ihre Familien zu ernähren, es ist aber total unrealistisch, dass das für jeden Betrieb so ist. Außerdem würde es viele positive Einflüsse der deutschen Landwirtschaft zerstören.

    Ich bewirtschafte in Spelle einen sehr klein strukturierten Betrieb mit Schweinen und seit 2,5 Jahren auch Bio Hühnern. Wenn ich die Chance den Hühnerstall zu nicht gehabt hätte, wäre ich heute kein Vollerwerbslandwirt mehr! !!
    Der Preis macht die Musik und der Menschen will! (zum Teil muss) billig einkaufen, jeder Urlaub ist doch wichtiger, als etwas was selbstverständlich ist.

    Wachsende deutsche Betriebe ersetzen das was kleinere aus Kostengründen nicht mehr schaffen. Somit erhalten wir die Selbstversorgung, die bei Eiern bei unter 80 % liegt.
    Es käme doch sonst einfach aus Ländern, die es noch billiger können.
    Nochmal, wenn der Verbraucher nur deutsche Lebensmittel will und dafür ordentlich bezahlt, das wir unsere Höfe an die nächste Generation übergeben können, steht dem kein Bauer im Wege!!!
    Also bitte nicht so belehrend und vielleicht nochmal richtig informieren, siehe
    Keckl.
    Gruß Johannes

  4. Ina said

    Na ja, der Kommentar enthält einige „Unschärfen“:
    1. Lt. FAO wird die Anzahl der kleinbäuerlichen. Betriebe von 550 Millionen aig 750 Mill. im Jahr 2050 steigen. V.a. in Asien und Afrika.
    2. Seit dem Soja-Moratorium ist in Brasilien die Abholzung des Regenwaldes sehr stark zurückgegangen und BRD importiert gerade einmal 0,5 % der Weltsojaernte – in Form von Nebenprodukten aus der Biodieselproduktion. Generell sei die Frage erlaubt, was unsere Rohstoffnachfrage mit den Lebensbedingungen im Exportland zu tun hat. Der Bauernverband aus Paraguay weist derartige Unterstellungen zumindest zurück.
    3. Warum geht der Bioboom am drt. Landwirt vorüber? Weil seine Produktionskosten im intern. Vergleich zu hoch sind. Schuld daran sind auch die Betriebsgrössenvorgaben Dr. Bioanbauverbände.
    4. In welche Länder exportieren wir welche Lebensmittel und warum? Wenn best. Imortländer ihre Warenströme durch länderspezifische Zölle steuern, hat das Gründe. Der Blog-Bezreiber sollte hinterfragen, warum dieses Instrument zu Gunsten der europäischen Landwirtschaft nutzt. Könnte etwas mit der Lebensmittelqualität zu tun haben …

  5. Nadine Henke said

    Bitte erklären Sie mir den Zusammenhang Ihres Blogs zu unserem Auftritt bei WDR West Art Talk.

  6. Jan said

    Da haben Sie absolut recht, Herr Barkmann, wir Verbraucher haben es in der Hand. In meiner Familie ernähren wir uns seit gut 10 Jahren ökologisch. Richtig ist auch, dass ÖKO etwas, manchmal auch sehr teuer ist, aber man kann ja nicht alles haben.

  7. Raddetal said

    Ich denke, dass jedem, der sich wertneutral mit der Frage beschäftigt, sehr schnell klar wird, dass wir mit der jetzigen Form unserer Landwirtschaft in eine Sackgasse laufen!

    Was ich nicht verstehe: warum unsertützt unsere Landwirtschaft nicht die Forderung nach höheren Erzeugerpreisen, damit man besser von seinen Produkten leben kann? Warum ist man der Meinung, dass nur die anderen vom „Höfesterben“ betroffen sind? Anstatt zu versuchen, eine Lösung für ein offensichtliches Problem zu suchen, werden leider vielerorts die Augen verschlossen.

    Dabei sind die resultieren Probleme mit jedem Jahr größer und offensichtlicher: Unsere Böden, Unser Wasser, Unsere Kultur, all das leidet!

    • Welcher Landwirt würde die Forderung nach höheren Erzeugerpreisen denn nicht unterstützen? Verstehe ich nicht so ganz. Welcher Arbeitnehmer hat was gegen Lohnerhöhungen? Die Suche dürfte schwer fallen. Wir sind hier aber nicht bei „Wünsch‘ dir was!“ sondern bei „So is‘ es!“!

      Dass nicht jeder Marktteilnehmer überleben kann, gehört zu unserem Wirtschaftssystem. Wäre ja auch n Ding, dann könnten die Landwirte sich schön zurücklehnen.
      Dass die Auswirkungen des Marktes nicht immer schön sind, ist vollkommen klar. Aber was wäre denn die Alternative? Diese Antwort bleiben die Teilnehmer von Wir haben es satt (und damit auch MISEREOR) schuldig.

      Die Landwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelt. Vor allem aufgrund des technischen Fortschrittes, der Arbeitskräfte freigesetzt hat. Diese Arbeitskräfte standen anderen Wirtschaftsbereichen zur Verfügung, Wertschöpfung wurde geschaffen, Kaufkraft erhöhte sich. Im gleichen Zug wurden Nahrungsmittel günstiger, was wiederum günstig für andere Wirtschaftsbereich war, da mehr Kaufkraft für Konsumgüter zur Verfügung stand. Wer diese Entwicklung zurückdrehen möchte, muss erstens die Gesetze der Marktwirtschaft außer Kraft setzen und zweitens der Bevölkerung erklären, warum sie sich denn nun kein Smartphone, kein Auto, keinen Ballermann-Urlaub und keinen neuen Fernseher mehr leisten kann.

      Viel Spaß dabei

      • raddetal said

        Ich denke nicht, dass es Ziel sein kann und sollte, ins letzte Jahrhundert zurück zu fallen, aber die – zum Teil durch verfehlte Subventionpolitik – geschaffene Schieflage sollte wieder gerade gerückt werden – davon würden meiner Meinung nach alle profitieren.

        Es kann doch nicht sein, dass ein Landwirt jedem Schwein 25 auf den Schinken kleben muss, wenn er es zum Schlachter bringt. Und das ist leider das Ergebnis von „Wachsen-oder-Weichen“. Es gibt nur noch eine Hand voll Firmen, die die Marktpreise (beim Futter angefangen bis zum fertigen „Produkt“) diktieren zu Lasten von Landwirtschaft UND Verbraucher (Natur und Umwelt ganz zu schweigen).

        Zu sagen „so ist es“ hilft da leider nicht weiter. Es MUSS sich daran was ändern, will eine Region wie die unsere überleben. Denn billig können andere (USA, Brasilien, Russland etc.) besser. Ich denke auf die Dauer wird unsere Region nur über Qualität überleben können. Das das nicht einfach ist, ist klar, aber einfach kann auch jeder 😉 Und das auch der Verbraucher wieder einen Schritt weg von 2., 3. und 4.-Händy weg muss, wenn wir noch länger mit den knappen Ressourcen klar kommen wollen, sollte jedem einleuchten.

        • Johannes Pott said

          Die Qualität ist bereits ausgesprochen hoch, auch wenn es viele gibt, denen daran liegt, etwas anderes in die Köpfe zu pflanzen. Die konventionelle Tierhaltung erzeugt Produkte auf hohem Qualitätsniveau und das sehr effizient. Ein mehr an Tier- und Umweltschutz braucht auch mehr Ressourcen in Form von Geld, Land, Stallplatz etc. Also eine geringere Effizienz. Der durchschnittliche Verbraucher ist aber trotz anderslautenden Lippenbekenntnisse nicht bereit, dafür zu zahlen. Consumer-Citizen-Gap.

  8. Ich lasse mir als gelernter Landwirt sehr gerne einen Spiegel vorhalten und wage zu behaupten, dass ich durchaus reflektiert über Landwirtschaft, ihre Produktionsweisen und auch das Auftreten der Landwirte urteilen kann – ich bin da selbst nicht immer unkritisch.
    Das Problem ist jedoch nicht, wie Herr Koop schildert, dass die Landwirte blind in ihr Verderben rennen. Das Problem ist, dass die Menschen sich von den überspitzten Aussagen einzelner verleiten lassen und sich mittlerweile ein Zerrbild der Landwirtschaft etabliert hat, das einfach nicht mehr zutrifft.
    Man hat aber – zum Glück – schon von Menschen gehört, die auch die Aussagen von NGOs kritisch hinterfragen. Deren meist hehre Ziele rechtfertigen zu keiner Zeit die unlauteren Mittel, die ich immer wieder eingesetzt sehe.
    Ich weiss sehr wohl, dass es unklug ist, gegen den Mainstream der Meinungen anzurennen und der Mehrheit der Bevölkerung vorzuwerfen, sie wüssten nicht, wovon sie da redeten – kommunikationstechnisch schießt man sich damit meist ins Knie. Allerdings liegt mir die Sache so sehr am Herzen, dass ich nicht anders kann, als gegen solchen Humbug zu protestieren!

  9. Bernhard Schulte said

    In der von Herrn Barkmann zitierten Pressemitteilung von Misereor (Misereor und Landwirte im Dialog) heißt es u.A. wörtlich: „Die Vertreter Misereors bekunden, dass es nicht um individuelles Fehlverhalten einzelner Bauern gehe, sondern um ein politisches System, welches den Bauern kaum noch Alternativen zwischen Wachsen und Weichen lasse.“ Die Pressemitteilung schließt dann ab mit: „Alle drei Misereor-Vertreter betonten in der Diskussion mit den Landwirten, dass es mit Blick auf die Weltmarktabhängigkeit der Landwirtschaft, den Kampf um Preishoheit und dem Aussterben kleinebäuerlicher Betriebe in allen Ländern der Erde nur das gemeinsame Bestreben von Bauern und Verbrauchern sein könne, Lösungen zu finden. … Im Kern wollen alle Bauern in Nord und Süd das Gleiche: Für gute Nahrungsmittel gute Preise bekommen.“
    Ähnlich werden das auch seriöse Vertreter nationaler und internationaler Tierschutz- und Umweltverbände sehen.
    Um so unverständlicher ist die polemische, unsachliche Reaktion auf den Misereor – Auftritt.
    Als eher religionsferner Mensch hätte ich bislang nie daran gedacht, jemals einen Ableger der „heiligen Mutter Kirche“ ausgerechnet gegen katholische Bauern zu verteidigen. Entweder können oder wollen die Bauern die Misereor- Argumentation nicht verstehen und sind auch nicht bereit, eine Änderung der politischen Rahmenbedingungen zu fordern.
    Nach meiner Überzeugung lassen sich die Bauern von den wahren Profiteuren, als da sind die Agrar- und Nahrungsmittel – Multis, vor den Karren spannen und missbrauchen.
    Ich glaube nicht, dass z.B. die Ausgestaltung der Nutztier- Zusatzverordnung im Tierschutzgesetz auf die Initiative bäuerlicher Familienbetriebe zurück zu führen ist. Und erst durch diese Zusatzverordnung, die das Tierschutzgesetz ad absurdum führt,
    ist doch die industrielle, effiziente, rationelle u.s.w. Wirtschaftsweise möglich.
    Argumente, der Verbraucher sei nicht bereit, seine Nahrungsmittel zu angemessenen Preise zu kaufen, sind doch absurd. Die meisten Menschen wurden seit Kindertagen zur Sparsamkeit angehalten und erzogen. Die Werbung sagt: „Geiz ist geil.“ Das gilt für alle Konsumgüter. Wieso erwarten Sie bei Nahrungsmitteln ein anderes Verhalten?
    Wenn gesetzlich geregelte art- und umweltgerechte Wirtschaftsweisen eingehalten werden müssten, würden die angemessenen Preise vom Verbraucher auch akzeptiert. Das dürfte dann natürlich nicht durch die Hintertür per Freihandelsabkommen durch Unilever & Co umgehbar werden.
    Und ganz großer Quatsch ist das Argument der zu ernährenden 10 Milliarden Mensch auf der Erde. Was haben die mit der Fleisch- Überproduktion im Emsland oder Europa zu tun? Höchstens so viel, dass man in manchen Ländern den Menschen ihre Grundnahrungsmittel nimmt um unser Vieh damit zu füttern.
    Also, liebe Bauern, bleibt Misereor und der heiligen Mutter Kirche treu und zeigt lieber der Politik und den Multis die rote Karte.

  10. Polemik und Unsachlichkeit sind Ansichtssache – Gleiches kann man den „seriösen“ Umwelt- und Tierschutzverbänden vorwerfen, wenn Zahlen verdreht und Zusammenhänge falsch wiedergegeben werden. Aus der Feder des überaus seriösen BUND: https://www.youtube.com/watch?v=KsK-TWrR8Xg
    Wie war das mit dem Zweck und den Mitteln?

    Dass sich MISEREOR in einer Pressemitteilung die Dinge so dreht, wie es am besten in den Kram passt, daran haben Sie bestimmt schon gedacht.

    Ich kann die Argumentation MISEREORS durchaus verstehen, in dem Sinne, dass ich begreife, was diese Menschen umtreibt. Zustimmen kann ich ihr jedoch nicht, aus bereits mehrfach genannten Gründen.
    Dass MISEREOR das Verhalten einzelner Landwirte angeblich nicht anprangert, ist mir indes wurscht. Das besorgen schon andere, die bei Whes mitlaufen, mit denen sich MISEREOR durch die gemeinsame Protestaktion in eine Reihe stellt.

    Im Augenblick ist es einfach schick, solche Meinungen zu vertreten – auch ohne Fachwissen. Dem Trend scheint MISEREOR auch gefolgt zu sein, was ich mehr als bedauerlich finde.

  11. Jan said

    Also, wenn ich jetzt die Herren Barkmann und Pott richtig verstanden habe, sind sie vorbehaltslos für die Erweiterung der Massentierhaltung. Egal ob der Verbraucher es will oder nicht. Vogelgrippe, BSE, Nipah-Virus, Gammelfleisch, Rinderwahn usw. nehmen sie billigend im Kauf.

    • Johannes Pott said

      Ich wäre mit Worten wie „vorbehaltlos“ etwas vorsichtiger, lieber Jan. Das habe ich so nie gesagt. Dass Sie es hineininterpretieren ist entweder bewusste Provokation oder – Verzeihung – dumm.

      Was der Verbraucher will, weiß er selbst nicht. Dazu gibt es hinreichend Marktforschungsstudien. Dass man gegen Stallneubauten in der eigenen Nachbarschaft ist, ist wenig verwunderlich. Im Supermarkt aber nur nach Preis einkaufen – auch wenn es kaum einer zugibt – ist selbstverständlich. Ähnliches gilt übrigens für Überlandleitungen („Stromtrassen“). „Not in my backyard!“ Aber regenerative Energien will jeder (hohe Strompreis wiederum nicht). St. Florian lässt grüßen.

      Die von Ihnen genannten Krankheiten/Skandale haben überhaupt nichts mit Massentierhaltung zu tun. Der so genannte Gammelfleischskandal war das Machwerk einzelner Krimineller, die auch erwischt und bestraft wurden. Was haben Landwirte damit zu tun?
      Die genannten Tierseuchen haben allesamt NICHTS mit der so genannten Massentierhaltung zu tun. Im Gegenteil: Sie haben ihren Ursprung in sehr kleinteiliger Tierhaltung und/oder werden in ihrer Ausbreitung von dieser verstärkt. Das Thema Biosicherheit wird auf einem Betrieb mit 15 Kühen, 30 Schweinen, Hahn, Henne etc. nicht so groß geschrieben wie im „Massentierhaltungsbetrieb“ mit 2.000 Mastschweinen, bei dem der Wert des Vieh wesentlich höher liegt. Dieser schottet sich hermetisch nach außen ab, betreibt konsequente Schädlingsbekämpfung etc.
      BSE ist die einzige der aufgeführten Seuchen, die in ihrer AUSBREITUNG durch die moderne Tierhaltung gefördert wurde, nämlich durch die Verfütterung von infiziertem Futter, und ist seit Jahren nicht mehr aufgetreten.

      Ich halte ihre Unterstellungen für sehr frech und suggestiv. Entweder sind sie das oder aber Sie haben einfach nicht verstanden, was ich geschrieben habe.

      • Jan said

        Johannes Pott: Sie schreiben, dass es für Nachbarn von Stallneubauen wenig verwunderlich ist, dass sie dagegen sind. Wie kommen Sie darauf?

        • Johannes Pott said

          Tatsächliche Beeinträchtigungen durch den Stall, gepaart mit diffusen Ängsten. Im Übrigen wird kein Stall in direkter Nähe zu Wohnhäusern gebaut

    • Ich glaube, dass sich die Tierhaltung in Deutschland und erst recht im Emsland nicht mehr deutlich steigern lässt. Dazu sind die Rahmenbedingungen einfach zu mies.

      Aber ich möchte betonen, dass ein neuer Stall bessere Bedingungen für die Tiere bietet. Weiter dürften die Emmisionen des neuen Stalles niedriger sein und auch der Bauer wird diesen Stall effizienter mit weniger Arbeit betreiben können.
      So gesehen ist ein neuer Stall gut für Tier, Umwelt und Mensch!

      Leider sind die Hürden für die Genehmigung sehr hoch. Es müssen sehr hohe Kosten und viel Zeit einkalkuliert werden. Daher müssen die neuen Ställe leider immer großer werden, damit überhaupt noch eine Wirtschaftlichkeit hergestellt werden kann. Viele kleinere Betriebe scheuen diese Investitionen und übrig bleiben die tendenziell größeren Betriebe. Ein Strukturwandel wird damit leider noch befeuert.

  12. kib said

    Buggy/ Bernhard! Ich freu mich über Deine Initiative und dank Dir, dass wir über den (lästigen) Umweg dieses Blogs einen privaten Austausch hatten. Von Dir habe ich einiges gelernt! Das landwirtschaftliche Motto “ Wir machen Euch satt“ , gefällt mir!

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