Müssen

8. Februar 2015

„Bäume müssen gefällt werden“, titelt die Lokalpresse und erläutert dem verständnisvollen Emsländer: Auf den Flächen der Schleusen in Hesselte (Emsbüren) und Rodde (Rheine) werden Bäume gefällt, „damit ein Vermessungsfeld angelegt werden kann“.

Was für ein ausgesprochener Vermessungsunsinn, denke ich spontan, zumal für die Baumaßnahmen kein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vorliegt und völlig offen ist, wann es denn konkret los geht. Steht etwa Geld im Bundeshaushalt ’15?  Natürlich nicht oder nicht nennenswert; denn auf der Internetseite der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung heißt es nämlich: „Der Baubeginn ist an diesem Schleusenstandort für 2016 vorgesehen und die Arbeiten sollen rund sechs Jahre dauern. “ [Dazu, dass die Maßnahme sechs (!) Jahre (!) und nicht sechs Monate dauern soll, fällt mir übrigens auch nichts mehr ein.] Auf dem Luftbild wird übrigens deutlich, dass die meisten Bäume nicht gefällt werden müssen, wenn man sie denn erhalten wollte.

Hesselte

Doch jetzt erst mal und sofort weg mit den Bäumen. Man kann nur dringend hoffen, dass die beantragten „Genehmigungen bei den Umweltbehörden“ (wer?) abgelehnt werden bis erstens  der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, der ja die Bäum schützen könnte, und zweitens klar ist, wann das Projekt überhaupt startet. Weil die Schleusenarbeiten erst noch europaweit ausgeschrieben werden müssen, wird dies nämlich noch 12 und mehr Monate wenn nicht  garJahre dauern.

Ich fürchte allerdings, dass den zuständigen „Umweltbehörden“ die Sache reichlich gleichgültig ist. Also wird der Kahlschlag kommen und anschließend ein kritischer Leserbrief in der Lingener Tagespost, oder gar zwei. Den verantwortlichen anonymen Verwaltungsbeamten, die Datteln sitzen, ist das reichlich egal, was eher nicht der Fall wäre, müssten sie sich öffentlich für den zumindest völlig verfrühten Baum-weg-Unsinn  rechtfertigen; irgendwo in den Tiefen des Internets findet sich als Projektleiterin übrigens  die stellvertretende Leiterin des Wasserstraßen-Neubauamtes Datteln (WNA) Dipl.-Ing. Birgit Maßmann.

Gefällt werden die Bäume laut Pressemitteilung von Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rheine während der jährlichen Baumschau. Noch so ein Begriff in verwaltungschinesisch. Ob bei derselben Gelegenheit auch am Dortmund-Ems-Kanal gerade zwischen Lingen und Altenlingen zwei stattlich-prägende und gesunde Laubbäume verschwunden sind? Ist der spontane Eindruck etwa falsch, dass es vor allem darum geht, Kaminholz zu produzieren und sich damit Einnahmen zu verschaffen?

„Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben begleitet die Arbeiten aus naturschutzfachlicher Hinsicht“, lese ich weiter und denke, noch so ein ausgesprochener Dumpfbackensatz. Weshalb muss das Beseitigen von Bäumen „naturschutzfachlich begleitet“ werden? Vielleicht weil es im Bereich der Schleuse Hesselte vom Aussterben bedrohte Fledermausarten gibt, die jetzt vertrieben werden?

(Foto: www.lgln.de)

 

Lingen 1956

8. Februar 2015

Lingen 1956, Bundeswehr, Tropi und mehr…

Privates

8. Februar 2015

SamsungTVUnd ich dachte immer, Modell 1984 sei stets ein Röhrenfernseher gewesen. Aber liest Du selbst diese Information aus der wunderbaren Technikwelt:

Wie Netzpolitik.org berichtet, wird Samsung-Kunden in der EULA des Konzerns empfohlen, vor ihren smarten Fernsehern nicht über Privates zu sprechen, weil die Spracherkennung das Gesagte aufzeichnen und an die Server von Drittanbietern schicken könnte, die für die Verarbeitung der Sprachbefehle verantwortlich sind.

Genau heißt es im Text:

“Please be aware that if your spoken words include personal or other sensitive information, that information will be among the data captured and transmitted to a third party through your use of Voice Recognition.”

[„Seien Sie sich bitte bewusst, dass wenn das Gesagte persönliche oder sensible Informationen enthält, diese Information Teil der erfassten Daten ist und durch die Spracherkennung an Drittanbieter weitergegeben wird.“]

Samsung weist in den Nutzungsbedingungen darauf hin, dass dies nur gilt, wenn die Sprachsteuerung aktiviert ist.

(Quelle futurezone.at; Foto: Kärlis Dambräns via flickr CC BY 2.0)

Ampel

8. Februar 2015

Ob tatsächlich 81 % weniger Leute bei Rot über die Ampel gehen, weiß ich nicht. Die  tanzende Ampel der #WhatAreYouFOR-Kampagne der Automarke Smart wünscht man sich jedenfalls nicht nur im portugiesischen Lissabon. Ich musste übrigens sofort an die von Hochschulstudenten ersonnene Ampel in Hildesheim denken, an der Wartende mit ihrem Gegenüber Pong spielen – und daran, dass es auch bei dem Projekt sofort ein Treffen der bundesdeutschen Bedenkenträger gab.

Oostwaarts!

8. Februar 2015

Immer mehr Niederländer zieht es zum Arbeiten nach Deutschland. Doch auch zum Wohnen ist die Grenzregion beliebt und die ersten Unternehmen haben sich hier ebenfalls angesiedelt. RTVNoord hat nun eine Webreportage über die Grenzgänger veröffentlicht. Das Besondere daran ist, dass der Zuschauer selbst entscheiden kann, was er sich anschaut.

Die niederländische Rundfunkanstalt RTVNoord hat am Dienstag die Webdokumentation „Oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt.: Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) veröffentlicht. Darin wirft sie einen Blick über die Grenze, spricht mit Niederländern, die in Deutschland wohnen oder arbeiten über ihre Erfahrungen und lässt auch Experten zu Wort kommen. Vorteil dieses Formats ist, dass der Nutzer selbst entscheiden kann, was er sich ansehen will. Und die Dokumentation ist ein lebendiges Projekt: ihr sollen weitere Geschichten und aktuelle Informationen hinzugefügt werden. Im Grunde handele es sich um eine Reihe von Dokumentationen, nur dass sie nicht im Fernsehen zu sehen seien. Dafür könne man sie liken und teilen, es sei eine moderne Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, so Remco in ´t Hof, einer der Macher der Dokumentation.

oostwaartsDas Projekt sei vor allem auch für Menschen interessant, die darüber nachdenken, den Schritt über die Grenze zu wagen. Sie finden hier viele Informationen und erste Eindrücke, so die Macher. Und Deutschland wird bei den Niederländern immer beliebter. Einer RTVNoord-Umfrage zufolge wären 73 Prozent der Befragten bereit, in Deutschland zu arbeiten. Noch vor fünf Jahren sei das wahrscheinlich umgekehrt gewesen, vermutete Remco in `t Hof.

Das hat vor allem mit der Wirtschaftskrise zu tun. Im Emsland liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 3,8 Prozent, in den angrenzenden niederländischen Provinzen dagegen bei bis zu 17 Prozent. „Vor allem im Emsland liegen die Jobs auf der Straße. Das bringt Chancen für die Groninger“, weiß Karel Groen, Geschäftsführer der Ems Dollart Region. „Wir haben in unserer Region viele Menschen, die arbeiten können und wollen, aber uns fehlen die Stellen”, erzählt Arie Dijkhuis von der Gemeinde Oldambt. „Aber die Menschen, die wir haben, passen ausgezeichnet zu den Stellen in Deutschland.“ Vor allem bei der Meyer Werft in Papenburg, VW in Emden, aber auch in den Bereichen Gesundheit und Pflege oder Windenergie würden Fachkräfte gesucht. Auch hätten sich dank der A 31 viele Unternehmen in der Region angesiedelt.

Dennoch gibt es noch immer eine Reihe von Hindernissen für Niederländer, die in Deutschland arbeiten wollen. Ein Problem stellt die Sprache dar. Obwohl bei den Deutschen noch immer die Vorstellung vorherrscht, alle Niederländer sprächen mehr oder weniger perfekt Deutsch, lernen viele Schüler gar kein Deutsch mehr. Verantwortlich dafür ist Bildungsministerin Jet Bussemaker, die trotz Protesten in der Grenzregion eine zweite Pflichtsprache in der Schule abschaffte. Englisch ist ihrer Meinung nach ausreichend für den europäischen Arbeitsmarkt (NiederlandeNet berichtete). Daher heißt es nun Hilfe zur Selbsthilfe: Vor allem in der Grenzregion werden viele Deutschkurse organisiert, die gut besucht sind.

Weitere Stolpersteine stellen unterschiedliche Sozialversicherungs- und Steuersysteme sowie die Anerkennung von Abschlüssen dar und auch Kulturunterschiede sind nicht zu vernachlässigen. Das größte Problem sei allerdings, dass sich die Menschen einfach nicht trauen. Mit der Wirtschaftskrise habe sich das allerdings verändert, so in `t Hof. Die Menschen schauen nun eher über die Grenze. Laut Nils Siemen vom Netzwerk Ems-Achse müssten aber auch die deutschen Chefs bereit sein, auf die niederländische Mentalität einzugehen. „Aber die, die es gemacht haben, sagen alle, dass es eine große Bereicherung für ein Unternehmen ist, wenn man Mitarbeiter aus dem Nachbarland hat.“

Einige der Niederländer kommen nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland, sondern auch zum Wohnen. Denn die Immobilienpreise sind hier deutlich niedriger als in den Niederlanden. So ist ein Neubaugebiet in Rhede zu einer niederländischen Enklave geworden. Selbst die niederländische Tageszeitung bekommen die Bewohner hier. Das Verhältnis zu den deutschen Nachbarn ist trotzdem gut, denn die Niederländer, die nach Deutschland ziehen, wollen hier auch wohnen und sich integrieren.

Das Interesse der Niederländer in Deutschland ein Unternehmen zu gründen habe ebenfalls enorm zugenommen, so die IHK Emden. Bei den monatlichen Gesprächstagen der Ems Dollart Region war der Anteil niederländischer und deutscher Unternehmer in der Regel gleich groß. Nun kommen nun von zehn Unternehmern, die sich beraten lassen, aus den Niederlanden. Wagten sie zunächst vor allem wegen der günstigen deutschen Grundstückspreise den Schritt über die Grenze, ist nun vor allem die gut laufende deutsche Wirtschaft ein Grund. Noch vor rund acht Jahren war der Trend genau umgekehrt. Damals waren es vor allem deutsche Bauunternehmen, die in die Niederlande gingen.

Achim Haming, Leiter der Arbeitsagentur Nordhorn, will die Zusammenarbeit mit der niederländischen Arbeitsverwaltung ausbauen. „Gute Ansätze gab es hierfür schon im letzten Jahr, daran wollen wir anknüpfen.“ Die EUREGIO bietet seit Anfang des Jahres gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der deutschen Agentur für Arbeit regelmäßige Sprechstunde für arbeitssuchende Niederländer an. Sie bekommen hier neben Jobangeboten auch Tipps zu Bewerbungen und Informationen über das Arbeiten in Deutschland. Ebenso gibt es mittlerweile erste Pilotprojekte, bei denen sich niederländische Arbeitslose auch auf der anderen Seite der Grenze bewerben sollen (NiederlandeNet berichtete). Die deutsch-niederländischen Euregios beschäftigen sich darüber hinaus am 13. März 2015 auf der Konferenz Sprache – Beratung – Arbeit mit den Rahmenbedingungen eines funktionierenden grenzüberschreitenden Arbeitsmarktes.

Zu sehen ist die Webdokumentation „oostwaarts! Werken in Duitsland“ (dt. Ostwärts! Arbeiten in Deutschland) online.

(gefunden bei NiederlandeNet)

%FOTO Quelle: Screenshot Oostwaarts!]