Der schwarze Obelisk

1. Februar 2015

dsoUngeahnt aktuell ist die neue Produktion des Theater Osnabrück. Es bringt erstmals den Zwischenkriegsroman „Der schwarze Obelisk“ auf die Bühne.  Gestern Abend war Premiere, die das Publikum begeisterte und die lokale Kritik enttäuschte.

Unter der Regie von Marco Štorman holte das sechsköpfige Ensemble mit dem brillanten Patrick Berg als Ludwig Bodmer das zwischen den beiden Weltkriegen spielende Drama in die Gegenwart. Schleichend, zunächst unauffällig mischten die Schauspieler Teile von Remarques Vorlage mit Reden der Pegida-Organisatoren in Dresden [mehr…]. Auf diese Weise spiegelte die Inszenierung heutige Entwicklungen vor einer früheren Gesellschaft am Scheideweg wider. Die taz schrieb zur Uraufführung:

„1923, Deutschland mitten in der Inflation. Es ist eine aus den Fugen geratene Zeit, in der Erich Maria Remarque seinen Zwischenkriegsroman „Der schwarze Obelisk“ ansiedelt. Eine Zeit, in der alles infrage gestellt wird: Nicht nur die Geldwerte brechen ein, auch moralische Werte bekommen eine andere Gewichtung. Und am Horizont tauchen die ersten Vorboten des drohenden Faschismus auf.

In der Stadt Werdenbrück – Remarques Romanversion seiner Geburtsstadt Osnabrück – versucht eine ganze Generation, ihre verlorene Jugend nachzuholen und sich im Leben zurechtzufinden. Zu überleben, das haben der Ich-Erzähler Ludwig Bodmer und sein Vorgesetzter Georg Kroll als Soldaten im Ersten Weltkrieg auf bittere Weise gelernt. Aber wie leben?

Auf ihre Weise versuchen beide, mit ihren Kriegstraumata fertig zu werden. Während Kroll sich in Drogen und Suff verausgabt, rettet Ludwig Bodmer schließlich die Liebe zu einer geheimnisvollen, schönen Frau, der schizophrenen Isabelle: Während die Welt ringsrum im Wahnsinn versinkt, entpuppt sie sich als Hellsichtige.

1956 schrieb Remarque…“ [weiter bei der taz]

Inszenierung Marco Štorman
Bühne/Kostüme Dominik Steinmann
Musik/Sounddesign Gordian Gleiß
Dramaturgie Peter Helling

Ludwig Bodmer Patrick Berg
Georg Kroll Dennis Pörtner
Isabelle Stephanie Schadeweg
Narr Stefan Haschke
Närrin Anne Hoffmann
Schatten Stephan Ullrich

Der schwarze Obelisk – Die nächsten Aufführungen im Theater Osnabrück
Mi, 4. 2., Do, 12. 2., Sa, 14. 2., Fr, 20. 2., Do, 26. 2.

Muttersprache

1. Februar 2015

Bei uns im Emsland, wird das noch länger dauern. Viel länger, glaube ich. Denn es fehlt leider und überhaupt an Internetkreativität und -kultur, von Diskussionsbereitschaft ganz zu schweigen. Ich muss nicht an die Deichkönigin erinnern, deren, den Spiegel vorhaltende Beiträge bisweilen auf blankes Entsetzen stieß. Und heute finde ich einen Blogbeitrag von Martin Pittenauer [@map]. Ihm fehlt noch ganz etwas anderes. Ein Auszug:

„Kürzlich hielt Barack Obama seine jährliche “State of the Union”-Rede. Eine Art Bestandsaufnahme und Ankündigung anstehender Gesetzesinitiativen. Im Rahmen dessen traf er sich – nicht zum ersten Mal – mit Youtuber_innen. Dieses mal durften GloZell GreenBethany Mota und Hank Green ihre Sets im weißen Haus aufbauen und Fragen stellen.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Die YouTube Stars fragen nach Drohnenkrieg und Ferguson und ringen dem Politiker die eine oder andere Stirnrunzel ab…“

„..ich möchte, dass YouTube in Deutschland vielfältiger wird, auch aus purem Eigennutz. Ich möchte die deutschen Mike RugnettasZe FranksGloZell Greens oder Hannah Harts sehen. Mehr Vielfalt! Dazu muss YouTube als Medium ernst genommen und nicht nur als der Ort, “wo die jungen Leute Unsinn machen” beschrieben werden. Das ist ein Henne-Ei Problem. Die deutschsprachige Community ist historisch dominiert von Jugendangeboten, wird deshalb exotisiert und dann nicht als ernstzunehmende Plattform für andere Formate wahrgenommen. Wenn überhaupt, dann finden sich dort nur Gesprächsformate, deren Bildinformation eher redundant ist. Podcasts mit Bewegtbild. Aber Video kann soviel mehr. Und das möchte ich auch in meiner Muttersprache erleben können.

Hank Green ist 34. Ze Frank ist 42. GloZell Green ist 52. Ich möchte auch hier ein derartiges Spektrum an verschiedenen Persönlichkeiten. Auch damit ich nie wieder von den “jungen Leuten auf YouTube” lesen muss.“ [mehr…]

Nun, ich lese und sehe oft und gern Dinge „von den jungen Leuten auf YouTube”.  Aber Lebenserfahrung plus Muttersprache plus Internetvideo – das wär’s in der Tat. Also frage ich mich, welche/r Ältere so ein inhaltliches Projekt bei uns im Nordwesten könnte/n. Denkt die verehrte Leserschaft mal drüber nach und hat sie gar einen Personalvorschlag?

Einhorn

1. Februar 2015