Michiel de Ruyter

28. Januar 2015

Ein kurzer Blick mit Niederlande.Net zu den Nachbarn im Westen, wo ein klein wenig gemeutert wird, lese ich:

„Die Uraufführung des neuen niederländischen Abenteuerfilms „Michiel de Ruyter“ hat am Montagabend zu Protesten geführt. Der Namensgeber des Werks war ein Seefahrer (1607-1676), der in den Niederlanden vielfach als Nationalheld angesehen wird. Die Demonstranten werfen den Machern des Films jedoch Geschichtsfälschung vor, weil de Ruyters Beitrag zum Kolonialismus und zum Sklavenhandel darin bewusst verschwiegen werde.

Vor dem Amsterdamer Schifffahrtsmuseum haben gestern rund vierzig Mitglieder der Facebook-Aktionsgruppe „Michiel de Rover“ (dt. Michiel der Räuber) demonstriert. Die Aktivisten stellen den Heldenstatus des berühmten niederländischen Seefahrers in Abrede. Aus ihrer Sicht war de Ruyter kein strahlender Held, sondern der „Schutzherr des niederländischen Sklavenhandels“ und daher ein „kolonialer Seeschurke“; so steht es auf der Facebook-Seite der Gruppe nachzulesen.

Bei der gestrigen Kundgebung machten die Teilnehmer mit Lärm auf ihre Kritik aufmerksam, während im Museum die Premiere stattfand. Ein Sprecher der Gruppe sagte: „Wir sind wegen dieses ‚Mistfilms‘ hier. Unsere Geschichte wird darin nicht erzählt, über Sklaverei wird nicht gesprochen.“ Gleichzeitig versammelte sich eine Gruppe von etwa zwanzig ehemaligen Marineangehörigen zu einer Gegendemonstration, die den Heldenstatus de Ruyters verteidigen wollten. Beide Kundgebungen verliefen nach Angaben der Polizei friedlich.

Der Seefahrer Michiel de Ruyter gründete vor 350 Jahren das niederländische Marinekorps. „Er hat zweifellos im Auftrag der damaligen Regierung Dinge getan, die im Zusammenhang mit Sklaverei stehen“, sagte einer der ehemaligen Marineangehörigen gestern. Er habe aber auch Sklaven befreit. Die Aktionsgruppe „Michiel de Rover“ wartet im Internet mit geschichtlichen Details auf: De Ruyter habe die westafrikanischen Forts Gorée und Elmina für den niederländischen Sklavenhandel erobert bzw. beschützt. Das sei nicht „ehrenwert“, sondern „verabscheuungswürdig“.

Der Regisseur des Films, Roel Reiné, hatte den Inhalt seines Films zuvor in einem Pressebericht als „essenziellen Bestandteil der niederländischen Geschichte“ bezeichnet; die von Frank Lammers gespielte Titelfigur nannte er uneingeschränkt „einen Helden“. Die feierliche Uraufführung des Films gestern wurde durch die kleine Schar der Gegendemonstranten übrigens nicht gestört. Der Vorführung im – speziell zu diesem Anlass eingerichteten, 1.200 Sitze umfassenden – Kinosaal des Schifffahrtsmuseums in Amsterdam wohnten viele niederländische Prominente bei.

Eine historische Übersicht über das Leben und Werk des Seefahrers Michiel de Ruyter findet sich in dieser Kurzbiografie.“

Trailer und Interviews zur Kritik am Film (auf Niederländisch):

Youtube-Text: Wanneer het diep verscheurde Nederland van alle kanten wordt aangevallen en op de rand van een burgeroorlog staat, probeert één man te vechten voor het landsbelang: Michiel de Ruyter. Maar zijn successen maken hem in ogen van de machthebbers te populair…

mit: Frank Lammers, Sanne Langelaar, Lukas Dijkema, Barry Atsma, Lieke van Lexmond, Roeland Fernhout, Hajo Bruins, Egbert-Jan Weeber, Tygo Gernandt, Derek de Lint, Jelle de Jong, Victor Löw, Jules Croiset, Pip Pellens, Bas van Prooijen, Rutger Hauer.

Regisseur: Roel Reiné

https://www.facebook.com/michielderuy…
https://twitter.com/MdeRuyterfilm