satt

18. Januar 2015

Wir haben es satt! Unter dieser Schlagzeile gingen gestern in Berlin zum fünften Mal Bäuerinnen und Bauern, Imkerinnen und Imker zusammen mit Tausenden von Verbrauchern für eine andere Agrarpolitik auf die Straße. 50.000 zählten die Organisatoren. Nein, die zum Wochenende in der Lokalzeitung porträtierten Landwirte waren nicht darunter; sie versuchten mit 1.000 Landwirten aus ganz Deutschland unter dem Motto „Wir machen Euch satt“ ein Gegengewicht; das scheiterte gründlich und das wird auch durch den  Blogbeitrag des agilen Bernhard Barkmann nicht besser, der sich an skurrilen Einzeltweets abarbeite, doch  überhaupt nicht zu erkennen scheint, dass nicht die Agrarindustriellen und Agrarkonzerne  seine Verbündeten sind sondern die Wir-haben-es-satt-Aktivisten.

Das Bündnis der Kritiker der bisherigen Landwirtschaftspolitik setzte jedenfalls in Berlin die Akzente. Ein Traktorenkonvoi mit über 90 Traktoren führte den Zug von 50 000 Demonstranten an. Sie forderten von der Bundesregierung eine klare Absage an das EU-USA-Handelsabkommen TTIP, einen wirksamen gesetzlichen Schutz der Land- und Lebensmittelwirtschaft vor der Gentechnik sowie den sofortigen Stopp des weiteren Ausbaus von Mega-Ställen.

Das „Wir haben es satt!“-Bündnis hat in den letzten Jahren viel erreicht: TTIP ist in aller Munde und 97% der Europäer lehnen mehr Macht für Konzerne ab. Bürgerinitiativen haben mit Hilfe des neuen Baugesetzes mehr als 100 Mega-Ställe verhindert. Gentechnik hat durch das Engagement einer breiten Bewegung auf unseren Äckern keinen Fuß gefasst. Doch dies sind nur die Anfänge einer dringend notwendigen Agrarwende für eine Zukunft der Landwirtschaft in bäuerlicher Hand mit Rückhalt in der Gesellschaft.

„Das EU-USA-Handelsabkommen (TTIP) dient einseitig global agierenden Konzernen und wird vielen bäuerlichen Betrieben hier und weltweit die Existenzgrundlage entziehen. Gleichzeitig drohen die Verbraucherstandards gesenkt zu werden“, sagt Jochen Fritz, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. „Das heißt mehr Gentechnik im Trog und Hormonfleisch durch die Hintertür. Deswegen fordern wir von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel TTIP zu stoppen!“

Auch die Agrarpolitik der Bundesregierung wird von den Veranstaltern scharf kritisiert: Sie habe dazu beigetragen, dass beispielsweise seit dem Jahr 2000 mehr als Dreiviertel der SchweinehalterInnen aufgegeben haben, während Fleischkonzerne zunehmend die Tierhaltung übernähmen. Trotz eines Selbstversorgungsgrades mit Fleisch von 120 % würden weiter Mega-Ställe in Deutschland genehmigt.

„Die Strategie, die Produktion immer weiter auszudehnen, was zu Dumping-Exporten auf dem Weltmarkt führt, ist gescheitert. Die Landwirtschaft in Deutschland braucht eine Zukunft jenseits von Tierfabriken und Mega-Schlachthöfen“, so Fritz weiter. „Wenn die Bundesregierung jetzt nicht handelt, zementiert sich eine agrarindustrielle Struktur, die nicht mehr veränderbar ist. Die Zukunft liegt in der Ernährungssouveränität auf Basis regionaler Märkte.“ (Quelle)

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22 Antworten zu “satt”

  1. Du warst dort? Mensch Robert, da hätten wir uns ja noch in Berlin treffen können. 😉
    Unsere kleine Demo PRO Landwirtschaft ordnen wir als Achtungserfolg ein. Man sollte beachten, das zum Jahreswechsel gerade ein Hirngespinst entstanden war. Wir wollten aber ein kleines Zeichen setzten, dass die WHES – Demo nicht im Sinne der allermeisten Landwirte in ganz Deutschland ist.
    Unsere Gegner aus den Reihen von NABU, BUND, AbL, BDM, Misereor und Böll-Stiftung haben das das durchaus registriert und versucht, die Glaubwürdigkeit der Initiatoren und Unterstützer der „Wir machen Euch Satt“-Demo zu beschädigen.
    Ganz sicher ist, dass mehr Landwirte auf der kleinen Demo vertreten waren.
    Wichtig ist uns der Dialog- und da möchte ich den deutschen Tierschutzbund hervorheben. Wir haben zwar nicht eine Meinung, aber wir können vernünftig, sachlich miteinander diskutieren. Der Tierschutzbund hatte einen Stand auf der grünen Woche, um mit den Bauern ins Gespräch zu kommen.
    Alle andere Verbände hatten bezüglich der grünen Woche nur ein Ziel: sich mit der Teilnahme an der WHES-Demo sich auf Kosten der großen Mehrheit der Bauern sich zu profillieren. Eine Teilnahme an der Demo ist für das Spendenmangement essentiell!
    Übrigens: Auf der kleinen Demo waren große und kleine Betriebe, Ackerbauern und Tierhalter, Biobauern und konventionelle Landwirte vertreten. Mit so einer Breiten Vertretung kann WHES nicht mithalten!

    • BN Riße said

      Gefällt mir! Ich glaube, der Bauer Barkmann ist nicht einer von denen, die die dicksten Kartoffeln haben.

      • Bernhard Schulte said

        @ BN Riße: „Ich glaube, der Bauer Barkmann ist nicht einer von denen, die die dicksten Kartoffeln haben“. Wenn Sie mal bei >campact.de< vom 19. 01. nachschauen unter der Überschrift: "50 000 fegen TTIP von der Strasse", dann relativiert sich das mit den "dicken Kartoffeln" ein wenig und man kann erkennen, dass in Messingen ganz besonders dicke Kartoffeln wachsen. Gegner des Herrn Barkmann sind
        u.A. BUND, Brot für die Welt, Arbeitsgemeinschaft bäuderliche Landwirtschaft, NABU, Misereor und viele mehr.
        Herr Barkmann wird natürlich so argumentieren, dass seien alles landwirtschaftliche Laien und sie hätten keine Ahnung.
        Die hätten sich vor der Demo von ihm oder dem Landvolkpräsidenten beraten lassen sollen.

        • bernhardbarkmann said

          Die allermeisten Organisationen von whes wollen sich nur auf Kosten der Landwirtschaft profilieren. Diese Demo ist für ihr jeweiliges Spendenaufkommen mittlerweile sehr wichtig. Mit der Wahrheit bzw. mit der breiten Bewertung der Daten und fakten haben diese scheinbar ein Problem. Es werden Ängste geschürt- mit Erfolg.

    • Dicke Wurst said

      „Unsere Gegner aus den Reihen von NABU, BUND, AbL, BDM, Misereor und Böll-Stiftung …“
      Wer diejenigen, die für fairen Handel, artgerechte Haltung von Nutztieren, gerechte Preise für die Güter von Landwirten und eine gentechnikfreie Saatgut-Vielfalt demonstrieren als „Gegner“ bezeichnet, hat nichts verstanden. Da mag er noch so viel im Internet machen, seine Position ist nicht zukunftsfähig.

      • bernhardbarkmann said

        Ein Herausforderung für die Zukunft wird sein, zu aufzeigen, dass die Lösungsansätze der NGOs und Grünen für die heimische Landwirtschaft in der breite und Vielfalt schädlich sind!
        Die Grünen sind ebenso wenig eine Bauernparteil wie die AfD eine Partei für Migranten ist!

        • Dicke Wurst said

          Ob eine Partei eine „Bauernpartei“ ist oder nicht, ist mir reichlich schnuppe und kann nicht das Kriterium sein. Wir müssen vielmehr darüber diskutieren, was Ihr „für die heimische Landwirtschaft … schädlich“ eigentlich bedeutet.

          Gentechnik, Megaställe und Agrarindustrie haben mit Landwirtschaft und Bauern wenig bis gar nichts zu tun. Für die Menschen im Lande sind sie aber einfach nur schlecht.

          Aktuelle Stichworte: Nitratbelastung im Grundwasser (http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Nitratbelastung-Kontrollen-bleiben-mangelhaft,nitrat108.html) und Antiobiotikarückstände/multiresistente Keime (http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-BUND-Neun-von-zehn-Putenfleischprodukte-mit-MRSA-Keimen-1643725.html). Das sind Folgen der Art unserer Nahrungsmittelerzeugung, die niemand will und uns allen schaden.

          • Tommytulpe said

            Hier werden einzelne Nitratüberschreitungen herangezogen, um die Landwirtschaft schlechtzureden. Wenn Sie sich informieren würden ,würden Sie wissen, dass im Durchschnitt aller Probebrunnen die Nitratwerte im Grundwasser sinken. Diskutieren Sie auch jeden Verkehrsunfall dahingehend, dass der gesamte Verkehr doch bitte in Frage gestellt werden sollte? Übrigens: BUND, Peta und Grüne untersuchen ergebnisorientiert, falls es Sie das Ergebnis jetzt überrascht hat… Für die Landwirtschaft gibt es nur einen Weg, und der heisst Effizienz: Würden alle Schweine der Welt so betreut und so rationell wie in Deutschland gehalten, könnte bei gleichem Fleischertrag die Zahl der Stallplätze um 42% sinken, also der Welt-Schweinebestand um 42% reduziert werden. Deswegen werden die Tiere so gehalten, wie sie heute gehalten werden: mehr Fleisch pro Stallplatz bei gleichzeitig geringerem Futtereinsatz pro kg erzeugtem Fleisch und weniger Gülle pro kg erzeugtem Fleisch.

  2. Bernhard Schulte said

    Im Kommentar @ „tommytulpe“ kommt sowohl das Wort „Effizienz“ als auch „rationell“ vor. Von artgerechter Haltung im Sinne des Tierschutzgesetzes (§ 1:Tiere sind Mitgeschöpfe des Menschen …) ist hingegen mit keinem Wort die Rede. Also geht es den Mästern wohl nur um Gewinnmaximierung.

    Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen „bäuerlichem Familienbetrieb“ und „Agrarindustrie“? Nach meiner Einschätzung nur in der Art der Subventionierung und der steuerlichen Behandlung. Den Schweinen (und Hühnern, Puten Enten …) ist es wohl ziemlich egal, ob sie, eng zusammengepfercht, in einem bäuerlichen Stall mit 1000 oder einem agrarindustriellen mit 10 000 Leidensgenossen „effizient“ und „rationell“ dahinvegetieren müssen.

    Angeblich müsse man schließlich so wirtschaften, weil der Verbraucher nicht bereit sei, mehr für Fleischprodukte zu bezahlen.Ob der Verbraucher aber wirklich so viele billige Fleischprodukte braucht oder sich gesünder ernährte, wenn er seltener mal ein teureres Stück Fleisch genösse, wird nicht hinterfragt. Das kann aber mit Sicherheit die Lobby der Fleischindustrie und der Handelsketten beantworten. Und die bäuerlichen Familienbetriebe merken nicht, dass sie von diesen Interessengruppen missbraucht und über den Tisch gezogen werden.

    • tommytulpe said

      Landwirte können nur das produzieren, was der Verbraucher auch kauft: Würde dieser Verbraucher verstärkt Tierwohlprodukte nachfragen, die von Seiten des Handels, wie auch auf Initiative der Landwirte immer mal wieder angeboten wurden (Stichwort Markenfleischprogramme), würde diese Sparte sich zunehmend entwickeln, und die Landwirte sich der Sache anpassen. Stattdessen verschwinden solche Projekte so schnell in der Versenkung, wie sie ins Leben gerufen worden sind: Aktuell gibt es das mehrstufige Tierwohllabel des Tierschutzbundes, welches mangels Nachfrage vor dem Aus steht.

      Auch der Marktanteil von Biofleisch zeigt mit seinem einen(!) Prozent, dass der Deutsche nicht gewillt ist, hierfür sein Geld auszugeben, da schwirrt mir das Wort „Profitgier“ als Ursache im Kopf, welches ansonsten ja gernemal auf Landwirte bezogen zum Einsatz kommt, aber vielleicht ist es auch der zusätzliche Urlaub oder das zusätzliche Cabrio, was in der Priorität beim Verbraucher schwerer wiegt.

      Übrigens scheint dieser Verbrauchergeiz auf den Deutschen beschränkt zu sein, denn in Holland kommt das „Beter Leven“ Label auf 12% Marktanteil. Es gibt sogar deutsche Landwirte, die ihre Tiere darüber vermarkten, weil es hier keine Nachfrage für dieses so erzeugte Fleisch gibt. Landwirte, die in teure Tierwohlställe investieren, und für das aufwändigere Produkt später nur den konventionellen Marktpreis bekommen, begehen wirtschaftlichen Suizid, produzieren irgendwann gar nichts mehr und überlassen den nach Standart produzierenden Landwirten den Markt.

      Wie Sie sehen, es liegt in der Hand des Verbrauchers, hier seine Kaufentscheidung bewusst(er) zu treffen, um den Markt zu verändern- meinetwegen mit einer deutlicheren Kennzeichnung der Produkte, wie es bei den Eiern der Fall ist. Im Moment fragt die überwiegende Zahl der Verbraucher, demokratisch und frei, vor allem gute und günstige Lebensmittel nach, so wie sie die konventionelle Landwirtschaft erzeugt.

      Wer sowas wie eine Agrarwende fordert, sollte mir seinem eigenen Kaufverhalten am Ladenregal damit anfangen, etwas zu verändern, so wird es ehrlich und nachhaltig, weil: vom Verbraucher getragen. Die Landwirte werden sich den Kundenwünschen schon anpassen, sofern diese Wünsche anhaltend und nachhaltig sind.

      • Emsland said

        Ich stimme tommy absolut zu. Jedoch ist der Begriff Bio genauso wie das von Opel benutzte Eco oder Zero Emission in Kalifornien sprachlicher Unsinn. Das niederländische beter leven gefällt da schon wesentlich mehr.

        • tommytulpe said

          Mag so sein, mit dem Begriff „Bio“. Eine verstärkte Nachfrage solcher Bio- Lebensmittel würde aber zumindest zeigen, dass der Verbraucher sich öffnet für vermeindlich besser hergestellte Produkte, und auch bereit ist, die notwendigen Mehrkosten für entsprechende Lebensmittel zu tragen. Da würden sich Markt und öffentliche Forderungen zumindest mal einwenig überschneiden, und ein künftiges Potenzial für nächste, weitergehende Schritte in der Landwirtschaft erkennen lassen- alles aber geht eben so, wie es der Verbraucher am Ladenregal gerade verlangt… Abschliessend noch ein Link zum Thema Tierwohllabel Tierschutzbund: http://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=326846534187994&id=222208327985149

          • Emsland said

            Ich denke, es ist bei Lebensmitteln (leider) wie bei den PKW, ohne gesetzliche Vorschriften wird es nicht gehen. Die Nachfrage wird sich nicht aus Idealismus einstellen.

          • tommytulpe said

            Wenn sich die Nachfrage nicht aus Idealismus einstellt, warum argumentiert man denn dann idealistisch, während man den Sonderangeboten von Discountern hinterherhächelt? Das ist genauso schizophren und verlogen, genau wie die „wir haben es satt“ Demonstranten, die zu Mc Donalds während der Demo essen gehen… Wenn man etwas will, dann sollte man das auch bitte konsquent für sich selbst umsetzen, und die Mehrkosten dafür zahlen, what’s the problem?

            Wenn man etwas gesetzlich an der Landwirtschaft verändern will, dann aber bitte einheitlich für die Marktteinehmer im In- und Ausland, ohne nationale Sonderwünsche, um Wettbewerbsverzerrungen, wie bei den importierten Käfigeiprodukten zu vermeiden- oder: Modell Schweiz: Grenzen zu- was wohl unwahrscheinlich sein dürfte. Andere Möglichkeit: Pro-Kopf-Abgabesteuer für Tierwohl, die auf Betriebe mit mehr Tierwohl verteilt wird (vgl. EEG Umlage), könnte aber zum bürokratischen Monster werden…

  3. tommytulpe said

    Eines sollte man bei einer solchen Steuern aber nicht ausser Acht lassen: Wieviele Menschen entscheiden sich ganz bewusst FÜR den Kauf konventioneller Lebensmittel, weil sie wissen, dass die Nahrungsmittel nie sicherer waren, dass das mittlere Lebensalter trotz der ganzen „schlechtgeredeten“ Lebensmittel immer weiter steigt? Wenn man diese Menschen mit einer solchen Steuerabgabe zur Kasse bittet, welche nur dem lauthalsigen Geschrei einiger weniger, vielleicht sogar an einer Fünfprozenthürde scheiternden Ideologen zu verdanken ist, dann finde ich das ungerecht. Besser und demokratischer ist da die freie Wahl eines jeden Verbrauchers am Ladenregal, meine ich…

    • bernhardbarkmann said

      Alles richtig, aber es geht um Wahlen und jeder möchte viele Stimmen sammeln.
      Dabei ist in der Vergangenheit ein grüner Ablasshandel betrieben worden. Viele Wähler haben nicht ökologisch gelebt, wollen aber trotzdem gerne zu den „Guten“ gehören und wählen am Wahltag dann grün… und haben ihr Gewissen beruhigt.
      Das haben auch andere Parteien gesehen und so finden diese Inhalte sich in vielen Wahlprogrammen wieder…

  4. Ich bin ja sonst immer ein stiller Mitleser und meist ganz angetan von den Herrn Koops Ausführungen. Dieses Mal aber muss ich sagen: Ne, lieber Robert, da haste aber so richtig Mumpitz verzapft. Sorry.
    Die Wehs-Demo ist eine bunt zusammengewürfelte Veranstaltung von den unterschiedlichsten Interessengemeinschaften. Da laufen von sensationslustigen Menschen, die einfach dabei sein wollen, über Gegner von TTIP bis hin zu Tierrechtlern, Antispezieisten und Tierbefreiern alle mit. Ein paar Biobauern sind zudem auch drauf reingefallen. Ach, ja, die Damen und Herren von AbL (die genau wie viele Landwirte vertreten?!). Eine Berufsgruppe hat man dort aber nicht gesehen: Die konventionellen Landwirte. Von den 36 Rednern der Whes-Demo war genau einer (Bio)Landwirt.

    Bei den unterschiedlichen Positionen, die von bloßen Lippenbekenntnissen (man schaue sich mal nach der Demo in einem amerikanischen Schnellrestaurant um) über diffuse Ängste und Verlautbarungen bis hin zur Forderung der Abschaffung jeglicher Tierhaltung reichen, sehe ich nicht, wo ich mich dort als Landwirt – konventionell oder biologisch – wiederfinden soll.

    Zu den angeprangerten vermeintlichen Missständen möchte ich erst gar nichts sagen. Wer ein bisschen Medienkompetenz und Zeit mitbringt, findet recht schnell heraus, dass viele Aspekte einer fiktiven Wirklichkeit entspringen, die in der Kommunikationswissenschaft durch die „Eigendynamik von Kommunikation“ (Klaus Mertens) hinreichend beschrieben werden.

    Sicherlich gibt es Verbesserungspotentiale in der Landwirtschaft, aber die Darstellungen von Whes regen einen gelernten Landwirt einfach nur auf! Die ganze Veranstaltung erinnert von der Systematik (nicht vom Inhalt) ein wenig an Pegida. So recht weiß keiner, wogegen man genau ist, Erfahrungen aus 1. Quelle bringen die wenigsten mit und einigen ist der Inhalt auch schlicht egal – Hauptsache dagegen!

    • Mumpitz hin oder her. Dagegen sind die Macher von „Wir haben es satt“ sicherlich nicht, abgesehen davon, dass sie 50.000 in Berlin auf die Beine bekommen haben. Sie sind dafür:

      „Wir können es besser!
      Eine bäuerliche, ökologischere Landwirtschaft verdient unseren Respekt und unsere Wertschätzung, sie ist ein wichtiger Beitrag zur Ernährungssouveränität. Sie muss und kann die Welt ernähren. Dazu brauchen wir kostendeckende Preise für Bäuerinnen und Bauern, die respektvoll mit Tier und Umwelt umgehen. Wir fordern regionale Erzeugung statt steigender Weltmarktorientierung für Nahrungsmittel. Und wir wollen Politikerinnen und Politiker, die endlich im Sinne der Menschen handeln anstatt die Interessen weniger multinationaler Konzerne zu vertreten.“

      Alles klar?!

      • Johannes Pott said

        Nein, leider nicht wirklich:

        -regionale Erzeugung und Ernährung der ganzen Welt: das passt nicht zusammen! Nicht auf einem Planeten mit bald 10 Milliarden Menschen. Nicht mit einer heterogenen Verteilung ruraler Räume und Metropolen. Nicht bei der ungleichen Verteilung von fruchtbarem Boden und Wüsten.

        -kostendeckende Preise: klar, wer will das nicht? Handeln tun die Menschen am Point of Sale jedoch anders. Außerdem werden wir uns nicht gegenüber dem Weltmarkt abschotten können.
        Für mich bleibt der Eindruck, keiner bei Whes hat so Recht eine konkrete Vorstellung, wie die geforderten, nicht sehr konkret formulierten Punkte erreicht werden sollen. Die mangelnde Konkretisierung, so unterstelle ich einfach mal, ist denn auch gewollt, um möglichst viele Anspruchsgruppen zu erreichen.

        • Das sieht die „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ ganz anders:
          http://www.abl-ev.de/themen/fairer-welthandel.html

          • Johannes Pott said

            Die AbL ist eine Splittergruppe der Landwirtschaft mit ziemlich verqueren Sichtweisen. Natürlich ist der Weltmarkt böse, ist doch der typische AbLer ein Landwirt, der es verpasst oder nie eingesehen hat, seinen Betrieb wettbewerbsfähig zu machen. Wir leben aber nun mal nicht auf der Insel der glückseligen Handelsbeschränkungen. Die Mär, EU-Lebensmittel würden den afrikanischen Markt zerstören, kommt da gerade recht und wird an anderer Stelle oft genug angeführt. Zu einem anderen Anlass hat Georg Keckl die Situation, damals ging es um Brot für die Welt, durchleutet. http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001506

            Sehr lesenswert. Darin geht es auch um das Argument, die EU würde die kleinbäuerlichen Strukturen in Afrika zerstören.

            Es stellt sich die Frage, ob kleinbäuerliche Strukturen, die man seitens der AbL hier gerne wieder sähe und in Afrika versucht zu „erhalten“, tatsächlich geeignet sind, um genügend günstige Lebensmittel für eine rasant wachsende Bevölkerung zu liefern.

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