Kummt kieken

10. Januar 2015

Vor 13 Jahren habe ich im Kulturausschuss meiner Stadt vergeblich dafür gestritten, den Sommer über auf unserem fröhlichen Marktplatz ein Festival des plattdeutschen Theaters zu veranstalten, nachdem ich zuvor mit meinem Vorschlag meine damaligen Fraktionskollegen überzeugt hatte. Doch gleich erhoben sich in den Ratsgremien vorzugsweise christdemokratische Bedenkenträger, grummelten Einwände und die Idee verschwand in den Tiefen des Archivs städtischer Protokolle. Wo kämen wir denn auch hin, würde die Mehrheit Vorschläge der Minderheit aufgreifen und umsetzen…

Daran jedenfalls musste ich denken, als mir vor einigen Tagen eine kleine Broschüre in die Hände fiel, die von der Emsländischen Landschaft vertrieben wird: Plattdütsch Theater – Speeltied Januar 2015 – April 2015. Vorgestellt werden darin 29 Produktionen plattdeutscher Amateurtheater im Emsland und der Grafschaft Bentheim; die 30. ist in Heede; sie hat man vergessen -wie ich lese- „durch ein Versehen“. „Ruutgeeven ist düsse Speelplan van de AG Plattdeutsche Theater eV in Lingen. De Arbeitsgemeinskup Plattdütsket Theater eV is äin Tousammenschluss än de plattdütsken Theaterspeeler on use Gegend.“

Die Arbeitsgemeinschaft hat sich zusammen geschlossen, um das Plattdeutsche und das „Theater vom Dorf“ bekannt zu machen, wie es traditionell in den Wintermonaten gespielt wurde und wird. Man findet auf der neu gestalteten „Websiete“ den Hinweis, dass das Niederdeutsche Theater seinen Platz im bundesdeutschen UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gefunden hat. Man liest dort wie in der erwähnten Broschüre Informationen zu den einzelnen Theatergruppen und ihren Aufführungen. Man erfährt die Ansprechpartner für die Theaterarbeit vor Ort und wo genau gespielt wird.

Heute am Samstag, 10. Januar starten die ersten Aufführungen des Jahres 2015 in Bokeloh („Mien Fro, mien Hobby un ik„) und Salzbergen („Mien Söten, de Lampe hangt schääf!„; Video). Morgen am Sonntag folgen Spelle („Spökelkraam in´t Raathuus„) und vor allem Nordhorn mit der ersten von 13 (!) Aufführungen von  „De Wanne is vull„. In Lingen hält in diesem Jahr Clusorth-Bramhar als einziger Ortsteil das plattdeutsche Laientheater in Ehren. Dort aber ist im Haus der Vereine erst am Sonntag, 15. März Premiere.

Was lese ich auf der „Websiete“? „Kummt kieken – wi hebbt echte Talente!“ Na dann Toitoitoi!

Gewusst?
Das Niederdeutsche Theater ist im vergangenen Dezember in das bundesdeutsche UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden –  als ein „Beispiel lebendiger Weitergabe von Tradition mit lokalerregionaler Verankerung und Identitätsstiftung. Das ‚Niederdeutsche Theater“‘ festigt den Status der Lebendigkeit des Niederdeutschen als Regionalsprache und stärkt somit gleichzeitig das Gemeinwesen.“ Hervorgehoben wurde, dass die kulturelle Ausdrucksform hauptsächlich ehrenamtlich praktiziert wird. Das Niederdeutsche Theater habe vor allem im ländlichen norddeutschen Raum sozialintegrative Funktion und trage zur generationenübergreifenden Erhaltungs- und Weiterentwicklung des lokalen Sozialgefüges bei.
(Auszug aus „De Theater-Zedel“, Ausgabe Januar 2015)
Das bundesweite Verzeichnis wird im Rahmen der nationalen Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Deutschland erstellt. Ihre kulturelle Ausdrucksform trägt damit auch nicht den Titel „Weltkulturerbe“.