„weil in der Herberge kein Platz war“

22. Dezember 2014

nopegidaEs wäre ein gutes Zeichen gewesen, sagt Heribert Lange, hätten wir in Lingen heute demonstriert. Eine Montagsdemo zu Weihnachten. Zur Erinnerung daran, dass auch vor 2000 Jahren Flüchtlinge im Nahen Osten unterwegs waren und nur mühsam ein Dach über dem Kopf fanden, weil „in der Herberge kein Platz für sie war„. Der Vorsitzende des Forum Juden-Christen ruft heute dazu auf, Anfang des neuen Jahres montags auf die Straße zu gehen:

„Die in einigen deutschen Städten stattfindenden Montagsdemonstrationen geben Anlaß zur Sorge – zur Sorge um das Bewußtsein unserer Gesellschaft von ihrer Aufgaben, ihrer weiteren Entwicklung und zugleich vom Verständnis ihrer eigenen Verpflichtung auf die Menschenrechte. Grund solcher Sorge sind die Reaktionen der Menschen auf die neue Flüchtlingswelle, die auf Europa zukommt und die damit zugleich transportierte Angst vor Überfremdung durch andere Kulturen und Religionen.

Die Rat- und Hilflosigkeit, mit denen die Regierenden dieser durch unsere Gesellschaft wabernden, von PEGIDA beförderten und transportieren Fremden-, Ausländer-, Randgruppen-also Menschenfeindlichkeit – von de Maiziere bis Gabriel – begegnen, ist Grund zu weiterer Sorge, nämlich der, dass es PEGIDA gelingen könnte, sogar die Hirne vernünftiger und rational Denkender zu vergiften. Allemal dann muß man das befürchten, wenn diese und andere Politiker tönen, man müsse die Sorgen und die Ängste der PEGIDA-Leute ernst nehmen.

Mit Feindbildkonstrukten wurden die europäischen Gesellschaften vor 100 Jahren auf die Rassenideologie der Nazis eingestimmt. Die damit verbundenen Schuldzuweisungen, die im Wesentlichen mit anderen Lebens- und Kulturgewohnheiten von Juden, Roma oder auch Homosexuellen belegt wurden, wurden von der verunsicherten und staunenden Gesellschaft widerspruchslos und geradezu dankbar aufgenommen. Am Ende dienten sie als moralische Rechtfertigung des furchtbaren und gigantischen Völkermords der Nazis.

Wenn wir vor diesem historischen Hintergrund heute die Verständnislyrik gestandener Politiker hören, müssen wir dann nicht fürchten, dass ihr nächster Schritt das Aufspringen auf die Trittbretter des Zugs PEGIDA sein könnte, was nichts anderes bedeutet? Entlassen sie dann als nächstes den Satz unserer Verfassung „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, aus seiner ausnahmslosen Geltung?

Asylsuchende, Flüchtlinge und Migranten kommen mit keinem anderen Begehren zu uns, als der Frage, ob die Grundrechte unserer Verfassung auch für sie gelten; denn sie sind Menschen wie wir. Und allein um dieses Menschenrecht geht es, wenn wir zu ihnen Ja oder Nein sagen, und damit auch darum, ob wir bereit sind, Menschenrechte, die sich der abendländischen Kultur wie auch unserer jüngeren deutschen Geschichte verdanken, zur Disposition zu stellen und damit übrigens auch unser eigenes Recht, sie für uns selbst noch in Anspruch nehmen zu können.

Sprüche wie „Das Boot ist voll“ oder „Kampf der Überfremdung“ oder „Aushöhlung unsere Sozialsysteme“ sind Rattenfänger-Botschaften, die allein dazu dienen, die Frage unserer moralischen Verpflichtung und der Glaubwürdigkeit unserer Gesellschaft gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Es bleibt also dabei, dass es zumindest einen menschlichen Weg am Asylrecht unserer Verfassung vorbei weder geben kann noch geben darf. Und es bleibt dabei, dass die Pflicht zur humanitären Hilfe unabweisbar ist und bleibt. Und das Argument „weil in der Herberge kein Platz war“ ist kein Argument – genauso wie in den Tagen von Jesu Geburt.

In einer aufgeklärten Gesellschaft kann es nicht um Ausgrenzung, sondern nur um Solidarität gehen – allemal gegenüber denen, die um unsere Hilfe und unseren Schutz nachsuchen.

Deshalb rufen wir zu einer bald stattfindenden Montagsdemonstration in Lingen auf, etwa als Lichterprozession auf dem dann durchaus symbolträchtigen Weg vom Bahnhof zum Rathaus, und wir möchten um Ihre Zustimmung dafür werben. Aber auch dafür, dass diese Veranstaltung, deren Stoßrichtung PEGIDA wäre, sich breitester Unterstützung aus der Politik und der Verwaltung, den Betrieben und Gewerkschaften, den Jugendorganisationen, dem Stadtjugendring und den Schulen, Vereinen, den Schützenvereinen und Kivelingen und last but not least der Kirchen sicher sein könnte.

 

3 Antworten to “„weil in der Herberge kein Platz war“”

  1. b.f. said

    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich fände es auch gut und sehr wichtig, wenn es hier in Lingen gelingen würde eine Montags-Demo gegen Pegida zu organisieren.

  2. Jan said

    Ok, packen wir das an. Montags 18:00 Uhr Markplatz in der Hoffnung, dass der Weihnachtsmarkt abgebaut hat.

  3. pitplatsch said

    Ihr seid zu gut für diese Welt

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