Angst

17. November 2014

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Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer (Bündnis ’90/Die Grünen) streue Angst, hat Werner Hilse, Präsident des Niedersächsischen Landvolks, gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt und dabei zu einem Rundumschlag gegen den Tierschutzplan der Landesregierung, die geplante Änderung des Landesraumordnungsprogramms und die Agrarpolitik der Niedersächsischen Landesregierung insgesamt ausgeholt.

Hans-Joachim Janßen, agrarpolitischer Sprecher von Bündnis ’90/Die Grünen erwiderte jetzt darauf: „Landwirtschaftsminister Meyer diskriminiert nicht die Bauern, sondern benennt die Probleme und arbeitet gezielt daran sie zu lösen. Davon hat sich Herr Hilse anscheinend verabschiedet.“

„Landvolk-Präsident Werner Hilse führt die niedersächsische Landwirtschaft schnurstracks in die gesellschaftliche Isolation, wenn er standhaft alle Probleme leugnet, die es etwa beim Tierschutz oder im Zusammenhang mit der Düngung nun mal gibt. Einen solchen Verbandspräsidenten, der die Mehrheit der ordentlich wirtschaftenden Betriebe für die Verfehlungen einiger weniger mit in Haftung nimmt und seine Agrar-Industriepolitik zugunsten einiger Großbetriebe angeblich im Namen der gesamten Landwirtschaft durchzieht, haben die niedersächsischen Bäuerinnen und Bauern nicht verdient.“

„Auch bei der Diskussion um das Landesraumordnungsprogramm schürt Werner Hilse wider besseren Wissens Ängste. Dass niemand befürchten muss, seine Moorflächen würden gegen den Willen der Eigentümer vernässt, weiß der Landvolkpräsident selbst nur zu gut. Er und sein Verband streuen trotzdem ganz gezielt entsprechende Befürchtungen, um sich als Beschützer der Bauern vor einer angeblichen Bedrohung aufzuspielen. So mit den Sorgen der Familien um die Zukunft ihrer Betriebe umzugehen, finden wir unverantwortlich.“

Die ganze Aufgeregtheit der politischen Debatte ist ausgesprochen durchsichtig. Man erkennt die altbekannten Strukturen der CDU-Politik aus den 1990ern gegen frühere rot-grüne Landesregierungen wieder. Publizistisch begleitet von den CDU-affinen, niedersächsischen Regionalzeitungen wie NOZ (Osnabrück) oder NWZ (Oldenburg) wird von CDU-Vorfeldvereinen wie  dem Landvolk (, den Gymnasiallehrern, konservativen Frauenvereinen und anderen) das Ende der freien Bauern (wahlweise der freien Schulen, der freien Religion, der Familie usw) beschworen. Funktionär Hilse setzt noch einen besonders Unsachlichen drauf. Diese unsinnige Angstmacherei -ohne jede inhaltliche Alternative!-  ermüdet.

17 Antworten to “Angst”

  1. Die Grünen verbreiten Karten mit sogenannten „Massentierhaltungsanlagen“ (wobei sie wohlweislich darauf verzichten, diese zu definieren) und rufen auf der selben Webseite dazu auf, sich „dagegen zu wehren“. Über 2000 Straftaten (Einbrüche, Brandstiftungen …) seitens der Tierrechts-Fraktion gab es schon.

    Aber keine Angst, das trifft immer nur die Anderen.
    Oder?

    • Bernhard Schulte said

      In dem Zusammenhang ist ein am Freitag, 14. 11. 2014
      veröffentlichtes Interview der NOZ mit dem Verbands-präsidenten Hilse interessant.
      Darin sagt er u.A.: „Wir haben das Gefühl, dass der
      Minister (Meyer) schlecht beraten ist. Er sollte auf Praktiker hören. Diese sind in unserem Verband. Wenn wir sagen, etwas geht nicht, dann geht es auch nicht.“
      Wie kann aber ein Minister, der nicht der CDU entstammt, auch nur die geringste Ahnung von der Materie haben?
      In dem gleichen Interview ist ebenfalls die Kommentierung des Verbotes der Schnabelkürzung interessant. Man kann daraus entnehmen, dass die wahren Tierquäler die Gegner der Maßnahme sind. Mit ungekürzten Schnäbeln rupfen sich die dummen Hühner schließlich kanibalistisch gegenseitig die Federn aus.
      Dass das in Wirklichkeit am viel zu dichten Stallbesatz liegt wodurch die Tiere sich kaum bewegen können, wird ignoriert bzw. wohlweislich verschwiegen. So wird durch Verdrehung die Schuldzuweisung verschoben.

      • bernhardbarkmann said

        Im Moment ist das Schwänzekupieren bei Ferkeln aktiver Tierschutz. Und auch beim Schnabelkürzen macht diese Maßnahme durchaus Sinn, alles andere ist grausame Tierquälerei.

  2. Wessen „Wirklichkeit“ ist das denn, wenn selbst im Freiland Kannibalismus bei Hühnern üblich ist? Die Tiere werden seit Jahren zwangsveganisiert, kein Wunder, daß sie sich gegenseitig auffressen, und sie werden zunehmend (eben im Freiland) absolut nicht mehr tiergerecht gehalten (Tageslichtlänge = Ca-Stoffwechsel ist gestört, Thermoregulation vollkommen überlastet).
    Hühner sind Allesfresser und keine heimischen Tiere.

    Was den Minister Meyer angeht: ihm fehlt halt jede Fachkunde, um überhaupt irgendeine Tierhaltung beurteilen zu können, genau wie den meisten Gegnern der Tierhaltung. Jeder Tierhalter muß seine Sachkunde nachweisen können, nur die Gegner nicht – das kann nur schlechte Ergebnisse ergeben, selbst wenn man einen „Kompromiß“ erfindet. So würde auch niemand mit Ärzten, Handwerkern oder mit seinem Automechaniker „verhandeln“.

    Übrigens sind die einzigen Wirtschafts-Linien, die ohne Schnabel kürzen zurechtkommen, speziell gezüchtete Tiere der Firma Lohmann (und auch nur in einem Versuch). Wer also das Kürzen verbietet, tut nicht etwa den Hühnern einen Gefallen, sondern einer zugegeben weitsichtigen Firma, das ist alles.

    • ulrike said

      Wie denn !!!
      Gymnasiallehrer ?
      Und die machen w a s ?
      Womöglich auch ohne Fachkunde wie Minister ?
      Das fällt doch glatt unter Lehrerfeindlichkeit oder Sexismus oder irgendsowas richtig fieses

      Das

      • ??? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das jetzt richtig verstanden habe. Was das mit Lehrern zu tun hat, ist mir nicht klar. Lehrer lernen IHREN Job. Egal welches Fach, auch Gymnasiallehrer wissen hinterher nicht mehr als sie ihren Schülern beibringen sollen.

        Und jeder, der nach der Schule eine Lehre macht, oder gar eine weiterführende Ausbildung (Meister, FH, Studium), weiß anschliessend mehr als seine Lehrer, das ist Sinn und Zweck der Sache, sonst könnten alle Leute ohne weiteres Wissen jeden Job machen.

        Wer sich als Laie in Sachen Tierhaltung weiterbilden will, kann zu den Lehr- und Versuchsanstalten der Bundesländer gehen, da gibt es auch Einsteiger-Sachkunde.

    • Bernhard Schulte said

      @ Brigitta Blume: Kann es sein, dass Sie Bodenhaltung und Freilandhaltung verwechseln? Im Freiland kann ich mir keine kannibalistischen Hühner vorstellen. Und mehr Frischluft und Tageslicht bekommen die Tiere auch nirgends – weder im Käfig noch auf dem Hallenstall-Boden. Wenn sie bei Freilandhaltung trotzdem zum Federpicken neigen, sollte man mal die Nistplätze säubern und von Milben befreien.
      Und was die mangelnde Ahnung des Ministers Meyer angeht: Die braucht er auch nicht. Die Tierhalter – Fachkunde wird von ihm ebensowenig erwartet wie von Frau von der Leyen militärische Fachkenntnisse. Herr Meyer will keine Schweine züchten und Frau von der Leyen keine Strategie für einen U-Boot – Krieg ausarbeiten.
      Zur Aussage Herrn Barkmanns: „Schwänzekupieren und Schnabelkürzen sind aktiver Tierschutz. Alles Andere ist grausame Tierquälerei.“
      Da ist sie wieder – die vertrackte Vertauschung von Ursache und Wirkung. Die Ursache der kannibalistischen Neigungen der Tiere liegt in den tierquälerischen Haltungsbedingungen. Wenn das Vieh nicht auf viel zu engem Raum zusammengedrängt gehalten würde, unterbliebe auch das Schwanzbeißen und Blutigpicken.

      PS zu den tierquälerischen Haltungsbedingungen:
      Entsprechend der Tierschutz-Nutztier-Zusatzverordnung im deutschen Tierschutzgesetz ist das zur Zeit ganz legal.

  3. bernhardbarkmann said

    Unseren Meyer interessieren nicht die Ängste der Bauern, das ist das Problem!
    Empfehlungen aus der Praxis und aus der Wissenschaft werden nur dann herangezogen, wenn diese in sein Weltbild bzw. Ideologie passen.
    Das ist Politik gegen die Bauern- da helfen auch keine Sonntagsreden!

    • Lade doch „unseren Meyer“ einfach mal auf Deinen Hof ein und quatscht Euch aus. Der kommt bestimmt.
      ps Sag mir bescheid, ich bin dann auch da.

      • Bernhard Schulte said

        Oh ja – – – da wäre ich auch gerne dabei ! Und möglichst auch noch den Landvolk – Chef Hilse mit einladen. Der weiß doch so richtig, wo´s langgeht.

  4. CTS said

    Also meine Meinung dazu,ich finde solche Diskussionen einfach nur scheinheilig,wir haben doch alle die Wahl,jeder kann sein Fleisch auch bei gewissen Landschlachtereien,und Höfen direkt kaufen….aber dass ist dann auch wieder zu teuer…soweit geht der Tierschutz dann doch wieder nicht,die meisten kaufen ihre Salami beim Discounter für 1.29euro für 200g…und erdreisten sich dann über Tierschutz zu lamentieren….mann muss sich schon entscheiden,entweder, oder,aber dazu fehlt es an Konsequenz…hauptsache quak sagen …..

  5. Tiger,T. said

    @ Buggy/ jetzt BernhardBarkmann:

    Haben Sie zufällig die ZEIT von gestern auf’m Hof? Wenn nicht, bitte kaufen, die Titelgeschichte lesen und hier eine Stellungnahme dazu abgeben.

    Bis dahin und achten Sie auf Ihre Gesundheit!

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