Leistung

19. September 2014

LWLDieser Freitag ist ein Festtag in Münster. Denn das Museum für Kunst und Kultur wird  heute wieder eröffnet. Das Landesmuseum Westfalen-Lippe („LWL“) ist nach einem Entwurf von Staab Architekten fünf Jahre lang vollständig umgebaut worden.

Vor 9 Jahren hatte Volker Staab den Wettbewerb für Neubau und Erweiterung des LWL-Museums gewonnen. Der Altbau am Münsteraner Domplatz von 1906 blieb erhalten, Erweiterungsbauten aus den 1970er Jahren dagegen abgerissen. Deren innere Disposition hätte das geforderte Raumprogramm nicht ermöglicht, sagt Volker Staab, außerdem wäre die Erhaltung teurer gewesen als ein Neubau. Zwei Wandkunstarbeiten aus den abgerissenen Bauteilen sind am Neubau wieder angebracht worden.

Die besondere städtebauliche Entwurfsidee:  Bisher lag der Haupteingang hinten am Domplatz, wo betuliche Ruhe herrscht und nichts geschieht – außer an Markttagen vielleicht.

Am Domplatz gibt es zwar noch einen Eingang – gelegen zwischen dem Altbau und einem spitz auf den Platz ragenden Neubauteil. Der Haupteingang zum Museum aber liegt künftig  direkt am Ägidiimarkt. Vom offenen Vorhof des Eingangs betreten Besucher zunächst einen ebenfalls offenen „Eingangspatio“, bevor sie das eigentliche Gebäude betreten.

Das gesamte Erdgeschoss des LWL-Museums ist als öffentlicher Ort konzipiert, der bis 22 Uhr und ohne Eintrittskarte zugänglich ist. Hier gibt es das – vom Blogbetreiber selbstlos getestete,  qualitativ wie preislich sehr empfehlenswertes – Café Lux. Mit der Neueröffnung kehrt auch die Buchhandlung Walther König in das Stadtzentrum zurück. Am Eröffnungswochenende ist die Buchhandlung über das Foyer des Museums zugänglich. Es ist gebäudehoch angelegt und wird von oben belichtet. Die Sammlung erreicht man über eine einläufige Treppe.

Die Museumsräume in den beiden Obergeschossen hat, schreibt BauNetz, Architekt Volker Staab so konzipiert: „Mit unterschiedlichen Raumproportionen entstehen abwechslungsreiche Raumsequenzen, die immer wieder – unterbrochen durch Ausblickräume – rhythmisiert werden. Diese Ausblickräume sind auf bestimmte städtische und innenräumliche Situationen ausgerichtet.“

„Die Außenfassaden reduzieren sich auf ortstypischen beige-grauen Sandstein und helle, beinahe weiße Beton- und Putzflächen. Auch im Inneren bleibt die Materialität zurückhaltend.“

Die Münsteraner Innenstadt wurde nach dem Krieg bewusst auf den alten Parzellen wiederaufgebaut, was damals bei vielen Architekten als rückständig galt. Doch längst ist man weit über die Stadtgrenzen hinaus froh über diese Entscheidung, sorgt sie doch für maßstäbliche Stadträume, besonders am großartigen Prinzipalmarkt. Volker Staabs Museums-Großbau fügt sich wie selbstverständlich in diese kleinteilige Kulisse ein. „Das ist eine große und eigenständige architektonische Leistung.“

Es ist nicht die einzige, die Münsters Innenstadt weiter an Profil gewinnen lässt und wieder setzen mit Staab Architekten Berliner Architekten die Maßstäbe. Im vergangenen Jahr sorgte der Berliner Max Dudler mit der wenige Meter entfernten Diözesanbibliothek nahe des Doms für Aufsehen.

Da wird man als Süd-Emsländer ganz klein, fragt sich, wann endlich die kulturellen Orte unseres Städtchens neuen, architektonischen Raum gewinnen. Zum Beispiel das Emslandmuseum an der Burgstraße, das längst eine großzügige, zeitgemäße Erweiterung gebraucht. Vielleicht erlebe ich ja auch noch einmal in Lingen etwas Ähnliches wie die Unterstützung, die sich die Münsteraner Kaufleute vom Prinzipalmarkt -stolz wie Oskar- für das neue Museum ausgedacht haben. Sie gestalten nämlich ihre Schaufenster mit Bannern und Plakaten, die die spektakuläre Architektur des Neubaus zeigen. Außerdem gibt es eine Tragetasche mit hochwertigem Fotodruck von der Gebäudespitze des Museums (s. Foto).

Übrigens lädt das LWL-Museum an diesem Wochenende dazu ein, die Neupräsentation der Sammlung auf eigene Faust oder in einer Führung zu erkunden – ein Wochenende, drei Tage, 51 Räume bei kostenlosem Eintritt. Hier das Programm.

(Foto: © LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster/Facebook; Quelle: BauNetz, PM)