Eine ungehaltene Rede

30. Juli 2014

LangeHeute nachmittag präsentierte die palästinensische Yes-Theatergruppe (Hebron) im Hof des Burgtheaters an der Baccumer Straße eine beeindruckende Performance im Rahmen des Welt-Kindertheater-Festes [mehr….]. Die Lokalzeitung hatte keine Zeit, aber die Ems-Vechte-Welle war vertreten und wird sicher berichten. Unter den Zuschauern der Veranstaltung war auch der Vorsitzende des Lingener Forum Juden Christen, Dr. Heribert Lange (Foto). Er hatte eine Solidaritätsadresse vorbereitet, die er dann nicht hielt, „weil das der Situation und der Atmosphäre nicht angemessen gewesen wäre“, wie er am Abend betonte.

Lange sagte anschließend: „Entschlossen habe ich mich zu dieser Solidaritätsbekundung, weil ich denke, dass unser Verein auch im täglichen Leben klarmachen muss, dass er in allen Zweifelsfällen auf der Seite der Menschen und Menschenrechte, auf der Seite der Freiheit, des Lebens und des Friedens steht. Damit müssen und können wir allerdings nicht unsere möglicherweise sehr unvollkommene Einschätzung von Gerechtigkeit, einem gerechten oder gerechtfertigten Krieg verbinden – egal von welcher Seite diese Frage kommt und egal, welcher der Kombattanten uns für „seine“ Sache zuerst vereinnahmen möchte. Wenn es denn um die Solidarität mit den Menschen geht, die ihrer Menschenrechte und sogar ihres Lebens selbst verlustig zu gehen drohen, ist unteilbar und unverzichtbar.“

Hier die heutige, im wahrsten Sinne ungehaltene Rede von Dr. Heribert Lange:

Liebe junge Menschen aus Palästina,
liebe Theatergäste!

Als Vertreter des Forums Juden Christen im Altkreis Lingen sind wir heute Nachmittag hierher und zu Ihnen und Euch gekommen, um Euch und Ihnen … unsere Anteilnahme am Leiden und Leid der Menschen in Gaza und unsere ganze Solidarität zu bekunden und Ihnen mit dieser Rose ein kleines Zeichen unserer Verbundenheit mitzugeben.

Wir glauben, dass wir dieses Zeichen der Solidarität den jungen Menschen aus Palästina schuldig sind – und übrigens auch uns und unserem Verein, wenn dessen, also unsere Glaubwürdigkeit nicht in Zweifel geraten soll!

Denn es geht hier wie dort und heute wie damals eigentlich und letztendlich um die Geltung und Bewahrung der Menschenrechte, des Lebensrechts jedes Menschen und seiner Unversehrtheit – egal also, ob im Nazi-Deutschland vor 75 Jahren oder heute in Palästina, Gaza oder in Israel. Es geschieht dort aber, was diese Grundrechte angeht, ungeheures Unrecht.

Und die Menschen, die darunter leiden, besonders die in Gaza, verdienen darum unsere ganze Solidarität.

Wir wünschen Ihnen ein baldiges Ende dieses schrecklichen Kriegs, aus dessen Todesfalle es keine Ausflucht gibt, und wir wünschen Ihnen Heil und Leben und vor allem Frieden – Ihnen, Ihren Familien zu Hause und allen Völkern des Nahen Ostens.

Hier auf Arabisch:

حضرات الحبة شباب فلسطي الحترمي، حضرات زوار السرح الكرام،

نحن كنواب عنمنتدى الصداقة اليهودي ـ السيحي في محافظة لينجن القديمة جئنا هنا بعد ظهر هذا اليوم لنقف معكم ولنواسيكم في محنة ومصاب أهل غزة ولنعلن لكم مساندتنا لكم ونقدم لكم هذه الوردة كرمز لساندتنا لكم ووقوفنا معكم. نحن نؤمن بأننا كأشخاص عاديي وكمنتدى على حد سواء ، مديني بالتأييد وبالوقوف بجانب شباب فلسطي ونود أن نريح ضمائرنا وأن نكون صادقي في التعبير لكم عن شعورنا تجاهكم.

من الواجب هنا وهناك، في الحاضر و في الاضي على حد سواء هو تطبيق وصيانة حقوق النسان وحق النسان في الحياة والحفاظ على حياته، وهذا ما ينطبق على ألانيا النازية قبل٧٥

سنة وعلى فلسطي اليوم، أي غزة واسرائيل. وما يجري هناك ليس إ ّل اعتداء سافر على هذه الحقوق البدئية.

الناس الذين يعانون من هذا الظلم، وخاصة في غزة، يستحقون منا كل دعم وتأييد.

نحن نتمى لكم نهاية هذه الحرب الرعبة على الفور، حيث يصعب الهرب من هذه الصيدة القاتلة. ونتمنى لككم أيضضاً السللمةة وطوول الععمر والببقاء على قييد الححياة. ونتمى كذذلكك السللم الددائمم لككم ولهلكم في أرض الوطن ولجميع شعوب الشرق الوسط.

Das Yes Theatre Palestine ist Teil der  Palestinian Performing Art Organisation. Hier der aktuelle Aufruf der Palestinian Performing Art Organisation zum Krieg in Gaza.

(Foto: © Ems-Vechte-Welle)

Aus gegebenem Anlass

30. Juli 2014

Mein Zwischenruf aus gegebenem Anlass:

Keine Frage: Dass die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajić (Bündnis’90/Die Grünen)*, offizielle Schirmherrin des Welt-Kindertheater-Fest 2014 in Lingen (Ems), nicht zur WKT-Eröffnung kam, nicht einmal einen Vertreter schickte und sich bisher nicht blicken ließ, ist eine unverfrorene Frechheit.

Ganz ungewöhnlich greift heute selbst die Lokalzeitung das sich auch am Fehlen der Dame  festzumachende, mangelnde öffentliche Echo des diesjährigen Welt-Kindertheater-Fest in Lingen (Ems) auf. Ratsmitglied Michael Fuest hatte in der Sitzung des kommunalen Kulturausschusses diesen Beitrag in meinem kleinen Blog angesprochen und die fehlende mediale Präsenz des WKT beanstandet. Hieran knüpft auch Deutschlandradio Kultur in seiner heutigen Frühkritik an.

„Dieser Spielort ist wirklich problematisch“ – resümiert Journalist Alexander Budde eingangs seines heutigen Beitrags in der Frühkritik von Deutschlandradio Kultur (zu empfangen über  102,9 MHz -also zwischen Radio FFN und Antenne Niedersachsen…) und meint damit unser Städtchen. Seine Kritik: „Nicht einmal der NDR leistet einen nennenswerten Beitrag!“ Aber das kennen wir hier Zurückgelassenen, lieber Herr Budde, doch längst zur Genüge. Der NDR berichtet über derartig großartige Veranstaltungen in der westniedersächsischen Provinz nichtnur, falls sie in Hamburg, Hannover oder Kiel stattfinden bzw. im Umkreis von maximal einer Autofahrstunde um diese Großstädte. dann sind die Damen und Herren des NDR noch nächtens wieder in ihrer Stammlokalität. Der Rest  des Sendegebiets geht schon immer den Hamburg-Fixierten des NDR an bestimmten Körperteilen quer vorbei.

Umso aufschlussreicher ist Buddes Beitrag zum WKT’14. Hörst Du:

Bildschirmfoto 2014-07-30 um 14.34.34

 

ps Übrigens wäre es doch gut, liebe Lingener Tagespost, wenn jedenfalls im Bereich aller NOZ-Ausgaben berichtet würde. Also fasst Euch hinter Eurer Pay-wall herzlich an Eure eigene Nase.

pps Übrigens ist es auch kein Vorteil, dass die Medienarbeit der WKT-Organisatoren wirklich schlecht ist. Das wird nach dem WKT im Rahmen einer Manöverkritik mit klaren Worten aufzuarbeiten sein. Und dabei wäre die übliche „Es-sind-immer-die-andern-denn-unsere-Verwaltung-ist-großartig“-Position der Lingener CDU-Ratsmehrheit plus der Kulturausschussvorsitzenden Edeltraut Graeßner (SPD) gleichermaßen schädlich wie zum Fremdschämen.

 

*In einer früheren Version dieses Beitrags war versehentlich Frauke Heiligenstadt als Schirmherrin des WKT bezeichnet worden. Ich entschuldige mich für diesen Fehler.

Ungültig

30. Juli 2014

TellmannEtwas Lingener Polit-Gossip aus der CDU? Bitte schön:
Gestern hat der Lingener Stadtrat Heinz Tellmann (CDU, Foto lks) zum neuen Ersten Bürgermeister gewählt. Der Mann aus Laxten bekam in geheimer Wahl bei 38 abgegebenen Stimmen 23 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen. Die fehlenden beiden Voten waren  – ungültig.

Beim Auszählen der Stimmen  war ich nicht dabei und fragte deshalb in einer Pause Lisa Lüken aus dem OB-Büro, weshalb zwei abgegebene Stimmen als ungültig gewertet wurden. Doch sie wollte dazu aus unerfindlichen Gründen nichts sagen. Nur: „Es stand ein Name drauf!“ Auf Nachfrage sagte sie dann noch „Derselbe Name“, schwieg aber dazu, um welchen Namen es sich handelte. Da es sich um eine demokratische Wahl in einem demokratischen Gremium handelte, ging das so nicht. Natürlich hätte sie mir als Ratsmitglied genau sagen müssen, weshalb zwei Stimmen ungültig waren. Aber, geschenkt.

Denn meine Frage wurde dann gleich von zwei unabhängigen Quellen während des anschließenden kleinen Empfangs beantwortet, der nach der Ratssitzung zu Ehren der bisherigen Ersten Bürgermeisterin Ulla Haar (CDU) und des Ersten Stadtrats Dr. Ralf Büring (auch CDU)  stattfand: Auf beiden ungültigen  Stimmzetteln stand handgeschrieben der Name „Monika Heinen“ (CDU).

HeinenEben diese Monika Heinen (Foto unten lks) aus dem Stadtteil Reuschberge war bislang Zweite Bürgermeisterin. Sie hatte es vorgezogen, nicht an der Ratssitzung teilzunehmen und war auch nicht da, als Ratsvorsitzender Werner Hartke (auch CDU) ihr zu Beginn der Ratssitzung alles Gute zum Geburtstag ausrichten wollte, den sie vor wenigen Tagen gefeiert hatte. Tatsächlich hatte die CDU-Fraktion als Nachfolger von Ulla Haar mehrheitlich den Laxtener Heinz Tellmann der bisherigen Zweiten Bürgermeisterin Monika Heinen vorgezogen. Den üblichen Gepflogenheiten hätte es entsprochen, bei einem Mandatsverzicht der Ersten Bürgermeisterin deren Vertreterin aufrücken zu lassen. Da war Monika Heinen eben schlicht empört und sauer, als die Rats-CDU den neuen Amtsinhaber schlank an ihr vorbei für die letzten gut zwei Jahre der Wahlperiode als Ersten Bürgermeister nominierte. Auch ihre Fans aus den eigenen Reihen dürften dies nicht gut gefunden haben. Zwei von ihnen stimmten für sie – ungültig.

Mal sehen, ob und was die „Lingener Tagespost“ über das deutliche Rumoren in der CDU-Stadtratsfraktion berichtet.

 

[Foto: © Stadt Lingen)