Umstellung

12. Juli 2014

fahrkartenDa dürfen wir uns fragen, ob das wirklich ein Fortschritt ist: Bereits seit einigen Jahren war es in den Niederlanden geplant, nun ist soweit: Jetzt gibt es in den Niederlanden keine Zugfahrkarten aus Papier mehr zu kaufen. Dadurch erfolgt eine flächendeckende Umstellung auf die so genannte OV-Chipkaart, eine Plastikkarte mit eingebauten Chip. Doch auch für Menschen, die selten mit dem Zug fahren gibt es eine Lösung: die sogenannte „Wegwerfkarte“. Dies ist eine Papierkarte mit einem elektronischen Chip, die weiterhin wie gewohnt am Automaten gekauft werden kann. Sie ist allerdings einen Euro teurer als der bisherige Papierfahrschein.

Die OV-Chipkaart wurde 2009 eingeführt und sollte bereits damals nach und nach die Papierkarte ersetzen. Die völlige Abschaffung der gelben Papierstreifen wurde allerdings mehrfach verschoben. Jetzt haben nun alle Fahrkarten einen Chip, mit dem die Fahrgäste am Start- und Zielbahnhof ein- und wieder auschecken müssen. Dadurch kann die NS die Ströme der Reisenden besser verfolgen und ihr Angebot besser planen.

Auch dient die neue Karte dazu, den Bahnhof zu betreten. Ohne Chipkarte soll es demnächst nicht mehr möglich sein, in den Bahnhof zu gelangen. Für Bahnhofsbesucher ohne Karte wird derzeit noch nach einer Lösung gesucht, sie müssen vorläufig noch andere Wege nehmen. Die NS will damit verhindern, dass Obdachlose den Bahnhof als Unterkunft nutzen und die Kriminalität an Bahnhöfen eindämmen. 

Nach Schätzungen des niederländischen Consumentenbond werden rund 2,5 Millionen Menschen erstmalig mit der neuen Fahrkarte zu tun haben. Viele Niederländer haben schon jetzt eine Chipkarte, auf die Geld aufgeladen werden kann, das dann für Zug- aber auch Busfahrten genutzt wird. Beim Einchecken wird ein fester Betrag von der Karte abgebucht, beim Auschecken die Differenz zwischen den Fahrtkosten und diesem Betrag wieder aufgebucht. Wer vergisst auszuchecken, bekommt diese Differenz dementsprechend nicht zurück. Diese können die Kunden zwar zurückfordern, doch wie De Telegraaf berichtete geht man davon aus, dass die niederländischen Bahnbetriebe jährlich insgesamt rund 23 Millionen Euro auf diese Weise verdienen.

Nicht nur deshalb ist das elektronische System umstritten. Der Consumentenbond fürchtet, dass das Zugfahren für einige Zielgruppen teurer wird. Beispielsweise ist es jetzt bei einigen Abonnements möglich, andere Zugfahrer ermäßigt mitzunehmen. Diese mussten bisher eine ermäßigte Karte am Automaten kaufen. Eine solche Ermäßigung können jetzt nur noch Reisende nutzen, die im Besitz einer eigenen OV-Chipkaart sind. Auch der ANWB bedauert, dass das Zugfahren für den gelegentlichen Bahnfahrer teurer und aufwändiger wird.

Zwei Monate lang bietet die NS daher nun die anonyme OV-Chipkaart, die sonst für 7,50 Euro am Fahrkartenautomaten gekauft werden kann, für nur zwei Euro an. Auch für Touristen lohnt sich der Kauf einer solchen Karte, die aufgeladen und dann zum Bus- und Bahnfahren eingesetzt werden kann.

International stehen die Niederlande übrigens nicht alleine da: In London sind die Papierkarten mittlerweile selbst aus den Bussen verschwunden.

(gefunden bei Niederlande.net, Foto: NL-Fahrkarten © Nik Morris/cc-by-nc-sa)